Umwelt Hört endlich auf, nur den Diesel zu verteufeln!

Der Diesel wird verteufelt, doch Benzin schadet der Umwelt ebenfalls.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Nicht nur der Dieselmotor schadet der Umwelt, der Benzinmotor tut es auch. Ein Fahrverbot bringt dementsprechend gar nichts.

Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Die Deutschen haben scheinbar einen neuen Todfeind: den Dieselmotor. Der scheint so gefährlich zu sein, dass Städte wie München die Zufahrt für Autos mit diesem Antrieb sperren wollen. Dass ein so gefährlicher Motor in 13 Millionen deutschen Autos steckt, liegt offenbar an einem Komplott: Industrie und Politik sind wohl in einer unheiligen Allianz mit dem Ziel verbunden, den Diesel im Markt zu halten.

Wenn es nur so wäre. Wenn sich Autoindustrie und Bundesregierung verständigt hätten, aus Profitgründen eine gefährliche Technologie im Markt zu halten, wäre das eine gute Nachricht. Dann wäre es leicht, den Diesel, der im Verdacht steht, gesundheitsschädliche Stickoxide auszustoßen, aus dem Verkehr zu ziehen. Aber leider ist es nicht so. Die so lauten Kritiker des Dieselmotors müssen sich vorhalten lassen, die Umweltbelastung durch Autos zu verharmlosen.

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Nicht nur der Diesel ist ökologisch fragwürdig. Auch der Benzinmotor schadet der Umwelt. Dass im Moment nur der Diesel im Zentrum der umweltpolitischen Großdebatte steht, ist dumm. Allerdings ist es auch eine Folge der idiotischen Versuche bei Volkswagen, mit Hilfe von Lug, Trug und krimineller Energie dem Dieselmotor Abgaswerte anzudichten, die er nicht hat. Die Industrie selbst hat den Diesel ins Zwielicht gerückt. Politiker wie Umweltverbände nutzen diese dumme Steilvorlage, um sich zu profilieren und scheinbare Patentlösungen anzubieten.

Es ist ja richtig: Stickoxide in den Städten gehen zum großen Teil auf die Dieselmotoren in Autos zurück. Aber richtig ist auch, dass die Umweltpolitik in Berlin und Brüssel zuletzt vor allem auf den Schutz des Weltklimas setzten und damit auf die Reduzierung des Ausstoßes von Kohlendioxid. Nach dem VW-Skandal rücken die Stickoxide als Gesundheitsgefährder in den Fokus. Zu Recht. Sie wurden in der Vergangenheit nicht genug beachtet. Die Dinge werden heute anders bewertet als früher. Aber allen Beteiligten muss klar sein, dass eine Lösung für dieses Problem intelligenter sein sollte, als ein Fahrverbot für Städte.

Die Verdammung des Diesels ist der falsche Weg

Die Erfahrung zeigt, dass die Autoindustrie zur Verbesserung der Abgaswerte nur bewegt werden kann, wenn es strenge gesetzliche Vorgaben gibt. Die wird es geben müssen. Aber es ist nicht anständig, Millionen von Autobesitzern mit der Entwertung ihrer Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu bestrafen. Die haben den Diesel gekauft, weil er vom Staat steuerlich begünstigt wird und um der Umwelt zu nutzen. Der Diesel hilft der Autoindustrie, ihre politisch verordneten Ziele zum Klimaschutz zu schaffen. Wird er zurückgedrängt, gewinnt der Benziner an Bedeutung. Der stößt mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus. Ein klassisches Dilemma der Umweltpolitik.

Zur Lösung gehören auch Wege, den Kraftstoffverbrauch in den Städten zu senken mit intelligenten Grüne Wellen, die Staus verringern. Dazu gehört intelligente Information über freien Parkraum, der den Parksuchverkehr reduziert. Kommunen könnten Anreize bieten für Parkplätze von Elektroautos und die Städte könnten modernere Busse einsetzen, die weniger Schadstoffe ausstoßen als ihre bisherigen Flotten.

Das Ärgerliche an der einseitigen und gelegentlich hysterischen Diskussion über den Diesel ist nicht, dass eine bestimmte Gruppe von Autobesitzern vielleicht Nachteile wird hinnehmen müssen. Problematisch ist, dass mit der Verdammung des Diesels wichtige Facetten der Umweltpolitik in den Hintergrund treten und sich dieses Land von einer Lösung der Luftverschmutzung in den Städten mehr entfernt als sich anzunähern.

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