Umstrittener Spot Die Bahn provoziert mit Sperma-Clip

Eine Szene aus dem Werbespot der Bahn.

(Foto: Deutsche Bahn)

Im Spot "Kommt mal wieder zusammen" werben als Spermien verkleidete Männer für das Unternehmen. Im Netz wurde fleißig kommentiert - bis der Bahn die Ironie zu heikel war.

Von Marlene Thiele

Als Spermien verkleidete Männer sitzen in der Trainerkabine , bereit loszuschwimmen, bereit zu befruchten. Frauen im Eizellen-Kostüm werden von ihrer Trainerin zum Eisprung angestachelt. Das sollte er sein, der neuste Werbeclip der Bahn, inspiriert von einem Woody-Allen-Klassiker. "Am 8. Januar ist der fruchtbarste Tag des Jahres", heißt es zweideutig am Ende. "Kommt mal wieder zusammen."

Wie die Bahn auf den 8. Januar kommt verrät sie nicht, ist aber auch völlig egal, weil ja schon das Zusammenkommen nicht funktioniert. Oberleitungsstörung, Streckensperrung, Lokführer fehlt - im DB-Fernverkehr verspätet sich fast jeder vierte Zug, gerne auch mal um mehr als zwei Stunden. Befruchtung direkt im Zug ist auch keine gute Idee: Schlafwagen sind abgeschafft und ein Techtelmechtel auf der Zugtoilette, das will nun wirklich niemand.

Ein Versand von Sexartikeln und die CDU reagieren launig

Ganz schön gewagt also von der Bahn, mit erfolgreichem "Zusammenkommen" zu werben, obwohl sie darin etwa so zuverlässig ist wie die Kalendermethode bei der Verhütung. Andererseits liegen abwegige Filmparodien voll im Trend: Lidl wirbt mit Musical-Glamour im Stil von La La Land, die Botschaft des Science-Fiction-Weihnachtsspots von Edeka lautet: Liebe statt Konsum.

Im Internet ging der Sperma-Spot schnell viral, die sonst als angestaubt verrufene Bahn wurde sogar gefeiert. Ein bisschen zumindest. Ein Versand von Sex-Artikeln bot auf Facebook umgehend eine Kooperation an. Die CDU reagierte mit einem Verweis auf ihre Ansichten zur Familienpolitik.

Aber dann war es ihr im letzten Moment doch zu gewagt, sich selbst mal ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Am Mittwochnachmittag ließ die Bahn das Video wieder aus dem Netz nehmen - ohne Erklärung. Nun sieht niemand mehr das schöne Ende, wenn der Zug endlich rollt, mit dem Triebwagen voran hinein in den Tunnel.

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