Umstrittener Braunkohletagebau Neue Hoffnung für Holzweiler

Ein riesiger Bagger im Tagebau von Garzweiler.

(Foto: REUTERS)

Seit Jahren graben sich Bagger auf die rheinische Gemeinde Holzweiler zu. Nun will die Landesregierung den Tagebau verkleinern und früher beenden. Das ist gut für die Bewohner, aber schlecht für die Energiekonzerne. Denen drohen drastische Einschnitte.

Von Michael Bauchmüller, Berlin, und Bernd Dörries, Düsseldorf

Wenn die Luft klar ist in Holzweiler, dann sieht man in der Ferne die Bagger. Seit Jahren schon graben sie sich auf die rheinische 1500-Einwohner-Gemeinde zu. Irgendwann, das war jedem Bürger von Holzweiler klar, werden sie da sein. Denn Holzweiler liegt genau in jenem Gebiet, das dem Tagebau Garzweiler II weichen soll. Oder besser: sollte.

Seit diesem Freitag gibt es wieder Hoffnung in Holzweiler, denn die nordrhein-westfälische Landesregierung will den Tagebau verkleinern und früher beenden. "Wir wollen Klarheit für die Menschen", sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Freitag in Düsseldorf. Holzweiler solle nicht wie geplant umgesiedelt werden, der Tagebau vorher stoppen. Ursprünglich sollten für Garzweiler insgesamt 7600 Menschen neue Dörfer beziehen, bis 2045 sollte die Braunkohle abgebaut werden. Die Landesregierung geht nun eher von einem Zeitraum bis 2035 aus, bis zum kommenden Jahr soll eine detaillierte Planung erfolgen. Es ist das erste Mal, dass eine Art Restlaufzeit für einen Tagebau aufgestellt wird.

Für den Betreiber RWE bedeutet die Entscheidung nun, dass ungefähr 200 Millionen Tonnen Braunkohle weniger gefördert werden können - Braunkohle, mit denen RWE die eigenen Kraftwerke füttert. Entsprechend verhalten ist die Reaktion. "Bereits heute Ziele zu formulieren, die die Abbaugrenzen für Garzweiler in Frage stellen, halten wir für falsch", sagte RWE-Chef Peter Terium. Dabei hatte es im vergangenen Herbst schon geheißen, der Konzern selbst erwäge einen vorzeitigen Ausstieg.

Braunkohlewerke leiden an einem Überangebot an Strom

Jetzt dagegen will RWE Klarheit für die Betroffenen vor allem durch eine "klare und unmissverständliche Positionierung zur Braunkohle", so sagt das RWE-Power-Chef Matthias Hartung. Schließlich gehe es um Jobs. Auch die Bergbau-Gewerkschaft IG BCE will auf die Kohle unter Holzweiler nicht einfach so verzichten. Es handele sich um ein "leichtfertiges Versprechen ohne sachliche Grundlage". Dagegen will die Landesregierung in der Region statt auf Braunkohle künftig auf regenerative Energien setze, sagte Reiner Priggen, Grünen-Fraktionschef im Landtag.

Ohnehin leiden auch Braunkohlekraftwerke unter einem massiven Überangebot an Strom am deutschen Markt. Am Freitag wurde Elektrizität hierzulande für 29 Euro die Megawattstunde gehandelt, neun Euro weniger als ein Jahr zuvor.

Zwar lässt sich der Strom aus Braunkohle vergleichsweise günstig produzieren. Die behäbigen Kraftwerksblöcke können aber kaum auf Preisschwankungen reagieren. Dadurch produzieren sie selbst dann noch Strom, wenn sich kaum etwas damit verdienen lässt. Je mehr erneuerbarer Strom aber ins Netz fließt, desto öfter werden die Kraftwerke unrentabel - da liegen die Dinge in und um Holzweiler nicht anders als in Grafenrheinfeld.

Das dortige Kernkraftwerk, so hatte Betreiber Eon am Freitag mitgeteilt, werde fünf Monate früher stillgelegt als bisher vorgesehen. Grund sei "die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Anlage", hieß es bei Eon.