Umstrittener AKW-Ausbau in Tschechien Aus für neue Reaktoren in Temelín

Kornfelder vor dem tschechischen Atomkraftwerk nahe Temelín.

(Foto: AFP)

Das neue AKW hätte nur wenige Kilometer hinter der bayerischen Grenze gestanden. Doch nun sagt der Energiekonzern ČEZ den Ausbau ab - er hätte sich wohl nicht gelohnt.

Etwa 60 Kilometer Luftlinie befinden sich zwischen der deutschen Grenze und dem Atomkraftwerk im tschechischen Temelín. Seit Jahren hatte der staatlich kontrollierte Betreiberkonzern ČEZ den Bau zweier neuer Reaktoren ausgeschrieben, nun sind die Pläne vom Tisch. ČEZ hat die Ausschreibung ohne Ergebnis beendet und allen Interessenten abgesagt, teilte ein Sprecher mit. Um den Milliardenauftrag hatten sich ein russisch-tschechisches Konsortium, die japanisch-amerikanische Firma Westinghouse und die französische Areva bemüht.

Für den Stopp machte ČEZ-Chef Daniel Benes offiziell die "turbulente Entwicklung" auf dem europäischen Energiemarkt verantwortlich. Wegen des niedrigen Strompreises an den Energiebörsen rechne sich die Investition nicht. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Konzerns dürfte allerdings die Entscheidung der tschechischen Regierung unter Bohuslaw Sobotka (Sozialdemokraten) sein, den Ausbau der Kernkraft nicht über staatlich garantierte Abnahmepreise für Atomstrom zu subventionieren.

ČEZ-Chef Benes betonte allerdings: "Das bedeutet nicht, dass wir den Bau von Kernreaktoren endgültig aufgeben". Die Gefahr, dass Tschechien seinen Energiebedarf in einigen Jahren nicht aus eigenen Quellen decken könne, bleibt nach Ansicht des ČEZ-Vorstandsvorsitzenden akut.

Gegen die Ausbaupläne waren Umweltschützer seit Jahren Sturm gelaufen. Sie halten das bestehende Kraftwerk wegen seiner Kombination aus amerikanischer und russischer Technik für störanfällig.

Bislang stehen in Temelín zwei Reaktoren. Dort und im Atomkraftwerk Dukovany wird insgesamt ein Drittel des tschechischen Stroms produziert. Temelin liegt nur 60 Kilometer von der bayerischen und der österreichischen Grenze entfernt. Österreich, das der Atomenergie 1978 abschwor, sieht in der Anlage ein Sicherheitsrisiko.