Umstrittene RWE-Geschäfte Dunkle Energie aus Kolumbien

Schmutzige Energie für deutsche Haushalte: im Bild das Kohlekraftwerk in Niederaußem in Nordrhein-Westphalen

(Foto: dpa)

Weil in Südamerika Menschen für Kohle ermordet werden, bekam der deutsche Konzern RWE mal kurz ein schlechtes Gewissen. Jetzt setzt er aber wohl doch wieder auf eine Firma, die Kontakte zu brutalen Paramilitärs unterhält.

Von Markus Balser, Berlin

Dass RWE-Chef Peter Terium Lob von Öko-Aktivisten bekommt, ist selten. Im vergangenen Jahr aber zollten auch Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen dem Niederländer Respekt. Denn Terium hatte sich im Frühjahr öffentlich zu einem ungewöhnlichen Schritt bekannt: Der Essener Konzern strich seinen US-Kohlelieferanten Drummond kurzerhand von der Liste der Geschäftspartner.

Dem Konzern wird die Verstrickung in massive Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien vorgeworfen - einer der wichtigsten Förderregionen der Welt. Die Vorwürfe reichen bis hin zur Beteiligung an einem Mord an Gewerkschaftern. Die Botschaft von RWE: Gewissen zählt mehr als Kohle.

Doch inzwischen sieht man die Sache in der RWE-Zentrale offenkundig wieder ein wenig anders. Denn nach Informationen der Süddeutschen Zeitung arbeitet der Konzern an einem Kurswechsel. Der Energieversorger will die Lieferungen von Drummond in den nächsten Monaten wieder aufnehmen - ohne, dass die Affäre aufgearbeitet wäre. Entsprechende Schritte seien intern eingeleitet worden, heißt es in Konzernkreisen.

RWE prüft die Wiederaufnahme der Geschäfte mit Drummond

Dabei gebe es auch im eigenen Haus und dem Aufsichtsrat kritische Stimmen, nach denen man in den Beziehungen zu Drummond noch längst nicht wieder zu normalen Geschäftsbeziehungen zurückkehren dürfe.

RWE bestätigt nun entsprechende Überlegungen. Das Unternehmen prüfe die Wiederaufnahme der Geschäfte mit Drummond, erklärten Sprecher des Konzerns. Bis zum November wolle RWE untersuchen, ob Drummond Kriterien dafür erfülle und "frühestens 2015" die Lieferbeziehungen wieder aufnehmen.

RWE verweist auf eine positive Beurteilung des Verbands Better Coal, der Drummond zuletzt eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung der Industrie ausgestellt hatte. Der Verband und seine Prüfung gilt Kritikern jedoch lediglich als Feigenblatt der Branche. "Das Vorgehen von RWE ist höchst fragwürdig", kritisiert Sebastian Rötters von der Umweltorganisation Power Shift. Denn es gebe keine echte Aufarbeitung der Affäre.

Drummonds Kontakte zu paramilitärischen Einheiten

Der Zeitpunkt der möglichen Wiederaufnahme von Geschäften kommt überraschend. Denn die Friedensorganisation Pax mit Sitz in den Niederlanden enthüllte erst vor wenigen Wochen detaillierte Vorwürfe über jahrelange Menschenrechtsverletzungen in der Kohleregion: Demnach soll Drummond nicht nur Kontakte zu paramilitärischen Einheiten unterhalten haben. Die berüchtigten Einheiten sollen für den Tod von mehr als 3000 und das Verschwinden mehrerer Hundert Menschen verantwortlich sein.

Sogar die Ermordung mehrerer Gewerkschafter soll ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit gewesen sein, heißt es bei Pax. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe. Anders als für RWE ist der Fall für die kolumbianische Justiz offenbar noch nicht abgeschlossen.

Ein Drummond-Subunternehmer war im vergangenen Jahr zu 38 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte den Konzern Drummond im Verfahren so schwer belastet, dass das kolumbianische Gericht anwies, Ermittlungen gegen aktive und ehemalige Drummond-Manager einzuleiten.