Was tun, wenn's brennt? Experten berufen sich bei der Krisenbekämpfung auf Simulationen und Berechnungen. Doch die können menschliches Ermessen nie ersetzen.
Wenn mächtige Lobbys bei Entscheidungen mitreden, die zum Schutz von Menschen getroffen werden, kommt schnell der Verdacht auf, es gehe ihnen ausschließlich um ihre eigenen Interessen. So ist es jetzt, wenn Fluggesellschaften Flugverbote hinterfragen, so war es bei der Schweinegrippe-Angst, die von vielen im Nachhinein als große Kampagne der Pharma-Industrie gewertet wird, und auch bei der Banken-Rettung fragte sich so manch einer, ob die Hilfsaktionen der Bundesregierung nicht vor allem den Bedürfnissen von Ackermann und Co. entgegenkamen. Doch diese Unterstellungen greifen zu kurz, selbst wenn sie manchmal zutreffen.
Satellitenbild der Aschewolke (gelb-rote Bereiche), die von Island her über weite Teile Europas zieht: Wer hinterfragt die Angstszenarien? (© Foto: dpa)
Anzeige
Das Problem liegt tiefer. Es liegt in einer komplexen Welt, deren Vernetzung erst in Ausnahmesituationen wie dem gegenwärtigen Vulkanausbruch oder der Pleite einer ehemaligen amerikanischen Bank namens Lehman Brothers begreifbar wird. In solchen Situationen kann niemand wirklich ermessen, welche Folgen Aktionen in einem Teil des Systems für alle anderen haben werden, und ob es die richtigen Aktionen sind. Diese Unsicherheit hat es schon immer gegeben, heute allerdings macht es moderne Computertechnologie möglich, eventuelle Auswirkungen zu berechnen.
Diese Modellrechnungen gehen jedoch äußerst selten auf. Man denke an alle Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung nach der Lehman-Pleite oder jene zu den Kosten einer Vogelgrippe-Pandemie. Und niemand sollte glauben, dass Software auch nur einigermaßen akkurat ermitteln kann, um wie viel Grad sich die Erde erwärmen wird, wenn man in 20 Jahren alle Verbrennungs- durch Elektromotoren ersetzt hat. Doch allein die Möglichkeit solcher Kalkulationen hat den Druck auf diejenigen extrem erhöht, die entscheiden müssen.
Vor allem entsteht dadurch ein Gruppendruck. Welcher Einzelne traut sich noch, angesichts der vermeintlichen Datenübermacht Angstszenarien zu hinterfragen und am Ende die Verantwortung für eine falsche Entscheidung tragen zu müssen? Die Fähigkeit vieler Organisationen, mit Krisen umzugehen, hält nicht Schritt mit den Möglichkeiten, Auswirkungen von Krisen zu prognostizieren.
Dieses Dilemma wird sich nicht auflösen lassen. Aber es gibt Strategien, dagegen anzugehen. Zum Beispiel dürfen Computermodelle nur als das betrachtet werden, was sie sind: Berechnungen. Weil man auf solche vertraut hat, ist im Fall der Vulkanasche offenbar viel Zeit verstrichen, bis die Suche nach echten Beweisen begonnen wurde.
Wenn es nicht unmittelbar um Menschenleben geht, kann es sinnvoller sein, den Umgang mit kritischen Situation zu trainieren, als sie um jeden Preis zu vermeiden, oder Folgen abzumildern - wie gegenwärtig den Fluggesellschaften zu helfen. Vor allem aber müssen starke Krisenteams gebildet werden, in denen auch Zweifler ermutigt und gehört werden. Diesen Teams bleibt nur, nach bestem Wissen zu entscheiden. Das nimmt ihnen kein Computer ab.
- Thema
- Aschewolke RSS
- Aschewolke: Massive Verluste Airlines buhlen um Staatshilfen 19.04.2010
- Flugstopp wegen Aschewolke Wirtschaft im Ananas-Dilemma 19.04.2010
- Staubwolke: Wirtschaftliche Folgen Staub im Getriebe 16.04.2010
- Aschewolke über Europa Widerspenstig und wunderschön 18.04.2010
- Kostenlose Leseprobe SZ unverbindlich testen 29.07.2009
- Reisen unter der Aschewolke Die große Verunsicherung 17.05.2010
- Neue Aschewolke Niederländische Flughäfen wieder offen 17.05.2010
(SZ vom 20.04.2010/tob)
Neue Nutzungsbedingungen
Vielleicht hatte A Borchardt gerade einen freien Nachmittag und dachte sich nach dem Volltreffer ueber die Kurzarbeit schreib ich jetzt was ueber den Vulkan, Computer und die Welt an sich und im besonderen. Anders kann an solche Aussagen kaum erklaeren:
"Unsicherheit hat es schon immer gegeben, heute allerdings macht es moderne Computertechnologie möglich, eventuelle Auswirkungen zu berechnen."
Ehrlich????
Allerdings:
"Diese Modellrechnungen gehen jedoch äußerst selten auf."
Bloed. Nur gut dass die Rechnungen des IPCC offenbar immer aufgehen. Und das wo sie nicht nur eine Aschewolke berechnen sondern gleich das Weltklima in 20, 50 oder 100 Jahren. Gut, gell?
Wenn auch diskussionswürdig.
Ohne Modellrechnungen geht's nun mal nicht, allerdings weiss auch jeder, dass Modellrechnungen halt eben nur bedingt (beruht ja alles auf Erfahrungswerten) zu glauben ist. Und wer Modellrechnungen richtig handhabt, dem gehen sie sehr wohl auf. Die Frage ist lediglich die Fähigkeit der entsprechenden Person. Denn wenn ein Cash-Flow auf 84 verschiedene Arten gerechnet werden kann und dabei jedes Mal ein anderer Wert ergibt, der aber völlig richtig ist, was meinen Sie, wie komplex gute Modelle sein können.
In Sachen "Strategie", Frau Borchardt, empfehle ich Ihnen etwas Literatur zum Thema "Strategie", was Strategie ist und was Strategie sicherlich nicht ist (beispielsweise so etwas: "Zum Beispiel dürfen Computermodelle nur als das betrachtet werden, was sie sind: Berechnungen"). (Nachzulesen bei Grant oder bei Bhattacharya).
Irgendwie ist es lustig, dass wenn ein Vulkan Asche spuckt, man ein derartiges Brimborium veranstaltet, die Schweinegrippe, Vogelgrippe etc. noch mit hineinzieht und auch gleich die LehmanBrothers. Scheint sonst nichts los zu sein in der Welt (bsp. Hartz IV Empfänger, Arbeitslosigkeit...). Fehlt eigentlich nur noch die heisse Luft Merkels.
Interessant vorallem der Umstand, dass wenn die Bahnen etwas effizienter arbeiten würden, man durchaus einiges an Kerosin einsparen könnte. Infolge Gewerkschaften und allgemeinen Sozialistentum, sind Investitionen in die Bahn (abgesehen von der Schweiz) in Europa immer noch Nebensache.
Das ist doch das Problem. Wir sind nicht mehr bereit, mit Gefahren und Unsicherheiten zu leben. Wenn es nur eine 1000000000stel Chance gibt, dass ein Terrorist an Bord ist, dann wünschen wir uns Nacktscanner und Polizei.
die da möglicherweise in der Aschewolke verborgen sein könnte, sollte hinreichend Anlaß sein, endlich die Maschine der Bundeskanzlerin in diese Wolke hinein zu lenken, um dem Volke die Sicherheit zu geben, dass nichts an all den Schreckensmeldungen dran ist.
Schließlich ist die Kanzlerin eine Führungskraft und sie sollte sich wirklich auf den Weg machen, um unserer Luftfahrtindustrie das Überleben sicherzustellen, auch wenn sie dafür vielleicht bei einem unerwarteten Absturz umkommen sollte.
Ein bißchen Einsatz und Vorbildleistung darf man ja wohl von so einer herausragenden Exzellenzelitearierin wie der Kanzlerin erwarten.
Dann müssen aber auch noch Pandemien und Lehmann mitverwurstet werden. Bei sovielen Äpfeln und Birnen, ist es dann eigentlich nur eine Frage der Absätze, bis jeglicher Anspruch auf eine schlüssige Aussage in den Graben geschrieben wird.
Paging