Von Markus Balser und Klaus Ott

Der Pharma-Manager Peter Löscher wird Klaus Kleinfeld bereits im Juli als Siemens-Vorstandschef ablösen. Die Berufung des 49-jährigen Österreichers gilt als große Überraschung.

Der künftige Siemens-Chef war nach Angaben aus dem Konzern am Samstag aus den USA nach München gekommen. Am Sonntagmorgen stellte Löscher sich den beiden Lagern im Aufsichtsrat vor, den Vertretern der Anteilseigner sowie der Arbeitnehmer.

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Zu diesem Zeitpunkt war die Berufung schon so gut wie sicher; die wichtigsten Akteure des Kontrollgremiums hatten sich darauf in der Nacht von Samstag auf Sonntag verständigt. Am frühen Sonntagnachmittag wurde Löscher dann einstimmig gewählt. Er müsse jetzt der ,,neue Mr. Siemens'' werden, verlautete aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Es werde von ihm eine ,,schonungslose Aufklärung'' diverser Skandale erwartet, damit Siemens sich möglichst schnell wieder aufs Geschäft konzentrieren könne.

Siemens hatte mehrere Wochen lang nach einem Nachfolger für Kleinfeld gesucht. Dieser hatte im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre angekündigt, sich spätestens mit dem Auslaufen seines Vertrages Ende September zurückzuziehen. Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der als Wunschkandidat des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme galt, hatte abgesagt. Am Sonntag verlautete aus Crommes Umfeld, der neue Siemens-Chef Löscher sei der einzige ernsthafte Kandidat neben Reitzle gewesen.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber betonte, die Arbeitnehmer hätten ausführlich mit Löscher gesprochen. Dieser sei in der Lage, Siemens aus der Krise zu führen und in ruhiges Fahrwasser zurückzulenken. Löscher habe zugesagt, keine Kahlschlagpolitik zu betreiben sowie den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland und anderswo in den Mittelpunkt seiner Bemühungen zu stellen.

"Außerordentliche Ehre und große Herausforderung"

In einer ersten Stellungnahme bezeichnete Löscher den neuen Job als ,,außerordentliche Ehre und große Herausforderung''. Der künftige Vorstand des Technologiekonzerns hat noch kein Unternehmen von vergleichbarer Größe geführt. Erfahrungen sammelte er im Bereich Gesundheit, einem der erklärten Zukunftsfelder von Siemens.

Löscher war Manager bei Hoechst, bei Aventis in Japan und in der Sparte Health Care des Siemens-Rivalen General Electric. Seit Mai 2006 ist er Präsident der Sparte Global Human Health bei Merck, wo er bereits als möglicher Konzernchef gehandelt wurde. Nach Angaben aus Konzernkreisen betrug sein bisheriges Jahresgehalt bei Merck 3,7 Millionen Dollar.

Löscher steht angesichts der Korruptionsaffäre, die Siemens seit Monaten belastet, vor schwierigen Aufgaben. Aus dem Aufsichtsrat war am Sonntag zu hören, Löscher müsse die Aufklärung der Skandale vorantreiben. Mehrere Mitglieder des Gremiums hatten zuletzt eine ,,Wagenburg-Mentalität'' der Konzernzentrale kritisiert. Dort seien immer noch Manager am Werk, die möglichst viel vertuschen wollten, hieß es. Darüber war es zu heftigen Spannungen zwischen dem Aufsichtsrat und dem derzeitigen Vorstand gekommen. Auch das Verhältnis zwischen Kleinfeld und Cromme sei zuletzt offenbar ziemlich zerrüttet gewesen, hieß es.

Als Nachfolger für Europachef Johannes Feldmayer rückt der bisherige Leiter der Siemens-Sparte Gebäudetechnologie, Heinrich Hiesinger, in den Zentralvorstand nach. Feldmayer war nach der Affäre um die verdeckte Finanzierung der Arbeitnehmer-Organisation AUB beurlaubt worden. Hiesinger soll zum Jahreswechsel auch die Aufgaben von Personalchef Jürgen Radomski übernehmen.

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(SZ vom 21.5.2007)