Von Uwe Ritzer und Meite Thiede

Continental hat Niedersachsens Ministerpräsident Wulff als Unterstützer, die Schaeffler-Gruppe dagegen Günther Beckstein. Conti-Chef Wennemer wehrt sich lautstark gegen eine Übernahme.

Die Schaeffler-Gruppe wird Continental nur feindlich übernehmen können. Der Conti-Vorstand lehnt das Übernahmeangebot des fränkischen Familienkonzerns ab und attackierte diesen scharf: Schaeffler benehme sich "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos", sagte Vorstandschef Manfred Wennemer.

Harte Worte: Conti-Chef Wennemer hält seinen Gegner Schaeffler für "verantwortungslos". (© Foto: AP)

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Kein Verständnis für Wennemers Stil

"Wir werden die Unabhängigkeit Continentals verteidigen und dafür kämpfen." Schaeffler wehrte sich, man sei von der "industriellen Logik einer Verbindung beider Unternehmen überzeugt". Für Wennemers Stil habe man keinerlei Verständnis.

Schaeffler hatte am Dienstag ein Übernahmeangebot angekündigt und will 69,37 Euro je Aktie zahlen. Bereits jetzt kontrolliert die Firma 36 Prozent des Conti-Kapitals. Wennemer kritisierte die Transaktion als "in hohem Maße opportunistisch". Das Preisangebot spiegele den wahren Wert des Conti-Konzerns nicht annähernd wider; zudem entbehre die Offerte der industriellen Logik.

"Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental."

Unterstützung erhält Schaeffler vom bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. "Ich halte das Engagement von Schaeffler bei Continental für wohlüberlegt und ambitioniert", sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Schaeffler behaupte sich seit Jahrzehnten erfolgreich am Weltmarkt. Die "zwei fortschrittlichen Unternehmen" würden sich gut ergänzen. Schaefflers Stärke sei es, sich "nicht wie viele börsennotierte Unternehmen allzu stark an der kurzfristigen Kursentwicklung orientieren zu müssen".

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sprach sich hingegen für die Eigenständigkeit von Conti aus. Wennemer wirft Schaeffler vor, rechtswidrig vorzugehen und nicht die Wahrheit über die echten Absichten offenzulegen. Er vermutet, dass Conti früher oder später zerschlagen und mindestens die Reifensparte verkauft würde - was Schaeffler bestreitet.

Ohne Verkauf geht es nicht

In Finanzkreisen wird spekuliert, dass die Finanzierung der elf Milliarden Euro schweren Transaktion wahrscheinlich gar nicht ohne einen Verkauf von Conti-Konzernteilen funktionieren könne. Die finanzierende Bank verlange schließlich Sicherheiten, heißt es, und da könne es sich um entsprechende Verkaufszusagen handeln.

Schaeffler besitzt direkt 2,97 Prozent an Continental, hat aber Zugriff auf weitere 33. Die Finanzaufsicht Bafin prüft die Legalität der Konstruktion. Es sei "unglaubwürdig", wenn Schaeffler behaupte, nur eine Minderheit anzustreben, sagte Wennemer unter Bezug auf ein Gespräch mit den Franken.

"Nicht irgendein Auslandsinvestor"

Der Conti-Vorstand habe sich bereiterklärt, eine bis zu 20-prozentige Finanzbeteiligung zu unterstützen. Schaeffler habe jedoch auf einer Kontrollbeteiligung von mehr als 30 Prozent beharrt. Am Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat von Conti, um über Abwehrstrategien zu beraten.

Der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine fürchtet eine beherrschende Rolle Schaefflers. Sein bayerischer Kollege Werner Neugebauer sagte hingegen, ihm sei es lieber, "wenn nicht irgendein Auslandsinvestor 30 Prozent von Conti übernimmt, sondern ein finanzstarkes deutsches Unternehmen, das ein Stück Sicherheit gegenüber Finanzinvestoren bieten kann".

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(SZ vom 17.07.2008/jkr)