Verkauf von Alcatel-Lucent Wieso der Alcatel-Lucent-Deal in Frankreich so geschmeidig läuft

Ist es so recht, Herr Präsident? Alcatel-Lucent-Chef Combes (M.) und Nokia-Boss Suri (l.) bei François Hollande, einen Tag vor Bekanntgabe des Deals.

(Foto: Philippe Wojazer/dpa)
  • Beim Verkauf von französischen Unternehmen kann die Regierung ein Veto einlegen.
  • Bei der Übernahme von Alcatel-Lucent durch Nokia gibt es jedoch keinen politischen Widerstand - im Gegenteil. Die Regierung unterstützt den Deal.
  • Wirtschaftsminister Macron hat in der Vergangenheit selbst ausgelotet, wer an Alcatel-Lucent, dem wirtschaftlich wohl schwächsten Telekomausrüster, Interesse haben könnte.
  • Dennoch muss Nokia Bedingungen erfüllen: Die Zahl der Beschäftigten darf nicht sinken und zwei Forschungsstandorte müssen aufgewertet werden.
Von Leo Klimm, Paris

Der Ort, an den Nokia und Alcatel-Lucent am Mittwoch einladen, ist bewährt: Wenn Unternehmen kurzfristig einen Saal im Zentrum von Paris suchen, um wichtige Nachrichten zu verkünden, fällt die Wahl oft auf das geräumige "Pavillon Gabriel". Dass das Gebäude nur einen Steinwurf entfernt ist vom Élysée, dem französischen Präsidentenpalast, dürfte für die meisten Mieter lediglich einen kleinen Prestige-Bonus darstellen.

Im Fall von Nokia und Alcatel-Lucent ist die Wahl dieses Ortes aber ein bisschen mehr: Sie wirkt wie ein Symbol dafür, dass die Übernahme des franko-amerikanischen Telekomausrüsters durch den finnischen Wettbewerber im besten Einvernehmen mit der Regierung in Paris stattfindet. Und das ist keine Selbstverständlichkeit.

"Es ist ein gutes Geschäft für Alcatel-Lucent, weil es ein Geschäft zur Zukunftssicherung ist", erklärt Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, nachdem er mit den beiden Konzernchefs Rajeev Suri und Michel Combes beim Präsidenten François Hollande war. "Veränderung gehört zum Leben eines Unternehmens dazu", so Macron.

Vetorecht erst 2014 per Dekret erlassen

Die freundlichen Worte stehen in scharfem Gegensatz dazu, wie Macron erst Anfang April unter Hinweis auf seine europäischen Präferenzen den Kauf des Streamingdienstes Dailymotion durch einen chinesischen Bieter vereitelt hat. Zur Abschreckung diente Macron dabei ein Vetorecht, das Amtsvorgänger Arnaud Montebourg vergangenes Jahr während des Übernahmekampfs um den Infrastrukturkonzern Alstom per Dekret erlassen hat. Ein Veto droht seitdem immer dann, wenn die Regierung durch eine Übernahme staatliche Interessen gefährdet sieht.

Montebourg hatte 2014 durch politische Brachial-Intervention versucht, zumindest die Bedingungen zu verbessern, zu denen die Alstom-Energiesparte an den US-Konzern General Electric (GE) verkauft wurde. Angesichts einer Serie von Übernahmen durch ausländische Firmen geht es der sozialistischen Regierung auch darum, den Eindruck vom Ausverkauf Frankreichs zu zerstreuen: Alstom ging an GE, der Zementmischer Lagarge gerät unter die Kontrolle des Schweizer Rivalen Holcim, der legendäre Club Med ist jetzt chinesisch und auch bei Peugeot stieg ein chinesischer Investor ein.

Anders als bei Dailymotion und vor allem bei Alstom, einst Teil von Alcatel, gibt es im aktuellen Fall - abgesehen von ritualisierter Kritik der politischen Extremen und erwartbarer Mahnungen der Gewerkschaften - wenig Widerstand. Im Gegenteil: Paris unterstützt die Übernahme durch Nokia offensiv. Obwohl bei einem Konzern, der die gesamte Telekommunikation im Land gewährleistet, in Zeiten der Internet-Spionage tatsächlich Souveräntiätsinteressen berührt sein könnten.