Der Hamburger Verlag hat sein Zugeständnis an das Bundeskartellamt im Hinblick auf die angestrebte Übernahme der TV-Konzerns ProSiebenSat.1 zurückgezogen.
Der von der Wettbewerbsbehörde angeregte Verkauf des Senders ProSieben vor der Übernahme komme nicht in Betracht, teilte der Verlag am Montag mit.
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Das Bundeskartellamt verlängerte unterdessen die Frist bis zu einer Entscheidung um eine Woche bis zum 27. Januar. Springer rechnet nun mit einem Verbot durch die Kartellwächter.
Die Aktie von ProSiebenSat.1 baute nach Bekanntgabe der Springer-Entscheidung ihre leichten Kursgewinne aus und legte zuletzt um 4,44 Prozent auf 17,40 Euro.
Analysten meinten, dass die aktuelle Kursbewegung durchaus von solchen Neuigkeiten ausgelöst werden könnte. Es sei wirtschaftlich sinnvoll, die Sendergruppe nicht auseinander zu reißen. Allerdings sprächen auch die fundamentalen Daten derzeit für das Papier.
Das Bundeskartellamt hatte dem Springer Verlag eine Zustimmung zur Übernahme nur für den Fall in Aussicht gestellt, dass ProSieben vor dem Erwerb der Senderkette verkauft wird.
Saban legt sich offenbar quer
Außerdem hätte der Sender aus der Vermarktung der SevenOne Media GmbH ausgegliedert werden müssen. Dieses Auflagenangebot habe Springer abgelehnt, hieß es von Seiten des Verlags. Springer-Chef Matthias Döpfner hatte lediglich einen Verkauf des Senders nach Abschluss der Übernahme erwogen.
Nach Medienberichten vom Wochenende war der ProSiebenSat.1-Großaktionär Haim Saban offenbar nicht bereit, das Herzstück ProSieben aus dem Konzern herauszulösen, um den Wettbewerbshütern entgegenzukommen.
Zu diesen Spekulationen wollten sich die Beteiligten allerdings nicht äußern. Springer hatte dem Kartellamt nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorgeschlagen, die Senderkette nur für eine juristische Sekunde zu übernehmen, um nicht das ganze Geschäft neu aufrollen zu müssen. Auch das habe das Kartellamt abgelehnt.
Döpfner wolle aber nichts unversucht lassen, dem Konzern den Weg ins Fernsehgeschäft doch noch zu ebnen. Sollte ihm das nicht gelingen, ginge der Springer-Konzern aus dem Machtkampf aber ohne finanziellen Schaden hervor. Das Kartellrisiko habe Döpfner durch eine Vertragsklausel mit Saban vermieden und ein Rücktrittsrecht ausgehandelt.
Der Kampf um ProSiebenSat.1 ist nach dem Rückzug des Auflagenangebots durch den Springer Verlag allerdings noch nicht entschieden. Der Verlag erwartet nun zwar, dass das Bundeskartellamt die Übernahme ablehnt. In diesem Fall will er aber möglicherweise gerichtlich gegen den Beschluss der Behörde vorgehen.
Das Bundeskartellamt war nach den Äußerungen Döpfners davon ausgegangen, dass der Springer Verlag das Auflagenangebot der Behörde annimmt. Wie eine Behördensprecherin auf Anfrage sagte, sei durch die Absage des Springer-Verlags eine neue Sachlage entstanden. Daher habe man sich mit dem Verlag darauf geeinigt, die Frist bis zur Verkündung der Entscheidung zu verlängern.
(sueddeutsche.de/dpa)