Uber Uber-Chef Kalanick lässt sich beurlauben

Verlässt Uber für unbestimmte Zeit: Travis Kalanick.

(Foto: AP)
  • Uber-Chef Travis Kalanick lässt sich beurlauben. Wann er zurückkehrt, teilte er nicht mit.
  • Er reagiert damit auf zunehmende Kritik an seinem Führungsstil.
  • Für Uber ist der Rückzug von Kalanicks ein tiefer Einschnitt. Denn der Firmenchef verkörpert beinahe alles, wofür das Unternehmen steht.
Von Claus Hulverscheidt, New York, und Jan Schmidbauer

Der umstrittene Chef des Fahrdienstvermittlers Uber, Travis Kalanick, verlässt das Unternehmen für unbestimmte Zeit. Wie US-Medien berichten, kündigte Kalanick diesen Schritt in einer internen E-Mail an seine Mitarbeiter an. Die Rede ist von einer sogenannten "Leave of abscence". Dies entspricht einer Beurlaubung. Kalanick bleibt also weiterhin Uber-Mitarbeiter. Wann er womöglich zurückkehren könnte, ließ er offen.

Über eine mögliche Auszeit Kalanicks gab es seit einiger Zeit Spekulationen. Der Manager steht schon länger in der Kritik für seinen rüden Führungsstil und die vielen Skandale, die in den vergangenen Monaten publik wurden. Zuletzt musste Uber eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von sexuellen Belästigungen und Diskriminierung berichtete, die trotz ihrer Beschwerden folgenlos geblieben waren. Als Ergebnis der Untersuchungen, die der ehemalige US-Justizminister Eric Holder leitet, sind inzwischen 20 Mitarbeiter entlassen worden.

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Ein am Dienstag veröffentlichter Untersuchungsbericht enthielt den Vorschlag, dass Kalanick einen Teil seiner Vollmachten an andere Top-Manager abgeben soll. Nun reagiert er und zieht sich - zumindest vorübergehend - als Firmenchef zurück. "Die volle Verantwortung dafür, wo wir hingekommen sind und wie wir dort hingekommen sind, lastet auf meinen Schultern", schreibt er in der E-Mail an seine Mitarbeiter. "Natürlich gibt es vieles, worauf man stolz sein kann, aber es gibt auch viel zu verbessern."

Bereits im März räumte Kalanick nach einer privaten Eskapade ein, dass er sich "fundamental ändern und erwachsen werden" müsse. Für seinen Rückzug nennt Kalanick nun allerdings einen anderen Grund. Kalanick erlitt Ende Mai einen schweren Schicksalsschlag. Seine Mutter kam bei einem Bootsunfall ums Leben, sein Vater wurde bei dem Unglück schwer verletzt. Er benötige für die Trauerarbeit nun eine Auszeit, teilte er mit.

Fest steht: Für Uber ist der vorübergehende Rückzug Kalanicks ein tiefer Einschnitt. Der 40-jährige ist nicht nur Mitgründer, Chef und Gesicht eines Unternehmens, das Investoren derzeit mit etwa 70 Milliarden Dollar bewerten. Kalanick ist Uber - mit allem, was den Konzern auszeichnet und was er zugleich an Problemen aufgetürmt hat. Ohne den 40-Jährigen wäre der Fahrdienstvermittler ein anderes Unternehmen, er wäre vielleicht - wie der Konkurrent Lyft - weniger umstritten, aber mutmaßlich auch weniger erfolgreich.

Kalanicks aggressiver Führungsstil sorgt zwar immer wieder für Schlagzeilen, aber er ist auch der Kern der Uber-Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen wäre wohl nie so rasch zum größten Taxi-Vermittler der Welt aufgestiegen, wenn der Firmenchef nicht immer wieder systematisch Regeln gebrochen, Politiker gegeneinander ausgespielt und Geschäftsmodelle der Konkurrenz auf den Kopf gestellt hätte. Ubers gesamter Aufstieg beruht wesentlich auf der Strategie, die Arbeitsgesetze und Beförderungsbestimmungen eines Landes oder einer großen Stadt zu ignorieren, den Markt aufzurollen und die betroffenen Behörden dann zu nötigen, die Regeln zu ändern.

Mit seiner Handy-App, die Reisende mit professionellen und privaten Fahrdienstanbietern zusammenbringt, brach der Konzern einerseits den vielerorts völlig verkrusteten Taxi-Markt auf. Andererseits schuf er Heere von vermeintlich selbständigen Unternehmern, für die sich der Konzern häufig weder arbeits- noch sozialrechtlich verantwortlich fühlte. Auch bei Unfällen und bei einem Fehlverhalten der Fahrer stahl sich Uber oft aus der Verantwortung.

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