Uber-Chef Travis Kalanick Uber-Chef will sich nach heftigem Streit professionelle Hilfe holen

Hat in brenzligen Situationen bislang nicht gerade ein gutes Händchen bewiesen: Uber-Chef Travis Kalanick.

(Foto: Reuters)
  • In einem erst jetzt veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Uber-Chef Travis Kalanick in einen Streit mit einem Uber-Fahrer gerät.
  • Dieser beschuldigt Kalanick, den Kampf mit der Konkurrenz auf den Rücken der Fahrer auszutragen und ihn persönlich in die Pleite getrieben zu haben.
  • Das Video befeuert die Kritik an Kalanicks umstrittenen Führungsqualitäten und an der aggressiven Unternehmenskultur bei Uber.
Von Vivien Timmler

Aus sicherer Entfernung auf den Chef zu schimpfen, der mehrere Tausend Kilometer entfernt im sonnigen Kalifornien sitzt, ist keine Kunst. Ihm die Hölle heiß zu machen, wenn er gerade auf der eigenen Rückbank Platz genommen hat, erfordert da schon mehr Mut. Und manchmal zahlt es sich sogar aus, wenn man den eigenen Chef so aus der Reserve lockt: Etwa, wenn er wenig später öffentlich geloben muss, künftig an seinen eigenen Führungsqualitäten zu arbeiten. Der Manager, von dem hier die Rede ist: Uber-Chef Travis Kalanick.

Aber von Anfang an: Nach dem Sieg der New England Patriots über die Atlanta Falcons bestellt der Chef des Fahrdienstvermittlers über seine App einen Fahrer. Gemeinsam mit zwei Begleiterinnen steigt er in das Auto. Schon während der Fahrt kommt eine der Frauen auf Kalanicks Unternehmen zu sprechen. Uber habe ein hartes Jahr hinter sich, nicht wahr, fragt sie. Kalanick gibt sich selbstbewusst: "Ich sorge dafür, dass jedes Jahr ein hartes Jahr ist", sagt er in einem Video, das seit Dienstag im Internet kursiert. Das müsse so sein, so gehe er nun einmal die Dinge an.

Was Travis Kalanick zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Sein Uber-Fahrer, Fawzi Kamel, der seit 2011 für den Taxi-Konkurrenten arbeitet, hat ebenfalls ein hartes Jahr hinter sich. Und er macht seinen Arbeitgeber dafür verantwortlich.

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Zweifelhafte Führungsqualitäten, aggressive Unternehmenskultur

Vier Minuten vergehen, bis Kalanick aussteigen will. Seine zwei Begleiterinnen haben den Wagen da schon verlassen. Genau auf diese Situation, so scheint es zumindest, hat der Fahrer gewartet. "Du erhöhst die Standards und drückst die Preise", wirft er Kalanick vor. Der verteidigt sich. Kalanick leugnet, die Preise gesenkt zu haben, erst recht nicht für den Dienst "Uber Black", für den Kamel arbeitet. Doch Kamel lässt sich nicht beirren. "Ich hab 97 000 Dollar wegen dir verloren. Wegen dir bin ich pleite", sagt er. Dann eskaliert die Situation. "Schwachsinn", entgegnet der Uber-Chef, "einige Leute wollen einfach keine Verantwortung für ihren eigenen Mist übernehmen. Sie beschuldigen für alles, was in ihrem Leben schiefgeht, jemand anderen." Ohne eine Antwort abzuwarten steht Kalanick auf, knallt die Tür zu und rauscht ab.

Einen Mitschnitt dieser Situation hat Kamel nun der Finanzagentur Bloomberg zugespielt. Das Video befeuert auch wieder die Kritik an Kalanicks umstrittenen Führungsqualitäten und an der aggressiven Unternehmenskultur bei Uber. Immer wieder wird das Unternehmen für seine rabiate Expansion kritisiert, die sich vor allem gegen etablierte Taxiunternehmen richtet. Kalanicks nicht gerade zimperliches Auftreten steuert seinen Teil bei. Die Konkurrenz bezeichnete er einmal öffentlich als "ein Arschloch namens Taxi".

Dass Kalanick bis vor Kurzem im Wirtschaftsrat des neuen US-Präsidenten Donald Trump saß, kam bei vielen auch nicht gut an. Mehrere Zehntausend Uber-Kunden sollen die App deswegen von ihren Handys gelöscht haben. Kalanick gab den Posten schließlich auf, weil der Druck nach Trumps umstrittenen Einreisebeschränkungen zu groß wurde. Auch viele der Uber-Fahrzeuge werden von Einwanderern gelenkt.

Erst in der vergangenen Woche folgte ein weiterer Schlag für das Image von Uber: Eine frühere Mitarbeiterin wirft dem Unternehmen eine "Kultur voller Sexismus" vor. In einem Blogeintrag schreibt sie, ihr Vorgesetzter habe ihr bereits am ersten Arbeitstag unmoralische Angebote gemacht. Als sie sich bei der Personalabteilung darüber beschwert habe, sei ihr lediglich angeboten worden, den Bereich zu wechseln. Die Begründung: An dem Manager könne es kaum liegen. Führungskräfte seien außerdem zu wertvoll, um einfach so entlassen zu werden. Andere Kolleginnen hätten ihr von ähnlichen Erfahrungen berichtet.

Kalanick sagt nun selbst, er brauche professionelle Führungshilfe

Kalanick versprach, die Sexismus-Vorwürfe schnellstmöglich aufzuklären. Auch für das Wortgefecht mit dem Uber-Fahrer in der Super-Bowl-Nacht hat er sich bereits entschuldigt. Und doch wird Kalanicks rüdes Verhalten zunehmend zum Problem für das Unternehmen. Mit einem Bad-Boy-Image ein Start-up zu leiten, mag ja noch funktionieren. Vom Chef eines mit knapp 70 Milliarden Dollar bewerteten Unternehmens mit 11 000 Mitarbeitern und Millionen selbständigen Fahrern wird hingegen mehr Professionalität erwartet.

Das scheint Kalanick nun einzusehen. "Mein Job als Chef ist es, euch zu führen", schreibt er in einer Mail an seine Mitarbeiter. Die jüngste Kritik sei ein starkes Zeichen, dass er sich "als Chef fundamental ändern und erwachsen werden" müsse, schreibt Kalanick und kündigt konkrete Maßnahmen an: "Das ist das erste Mal, dass ich zugebe, dass ich Führungshilfe benötige. Und ich will sie mir holen."

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