Das Kartellamt hat die DFL-Pläne zur TV-Vermarktung der Bundesliga gestoppt. Fieberhaft arbeitet die Deutsche Fußball Liga nun an einem neuen Plan.
Am Donnerstagnachmittag traf sich der Vorstand der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu einer Krisensitzung. Die Lage ist ernst, denn das Kartellamt hat die DFL-Pläne zur Vermarktung der Fernsehrechte gestoppt und Auflagen erteilt. Jetzt muss DFL-Chef Christian Seifert ein neues Modell entwickeln. Dabei verfügt er angeblich über den Rückhalt der Vereine. Rücktrittsforderungen an Seifert habe es nicht gegeben, heißt es aus der Liga. Zudem will die DFL die Entscheidung des Bundeskartellamtes rechtlich überprüfen. "Wir haben mehrere juristische Prüfungen in Auftrag gegeben", erklärte Liga-Präsident Reinhard Rauball am Freitag.
Streit um die TV-Vermarktung der Bundesliga: Die DFL erwägt rechtliche Schritte gegen das Kartellamt. (© Foto: ddp)
Anzeige
Das kann lange dauern. Aber die Zeit drängt. Denn bis Mitte März 2009 sollen die Bundesligavereine ihre Lizenz für 2009/10 beantragen. Dafür müssen sie aber wissen, welche Summe sie aus der Fernsehvermarktung einplanen können. Die TV-Rechte sollten also bis Jahresende 2008 verkauft sein. Die DFL-Geschäftsführung will in den kommenden Tagen Gespräche mit dem Liga-Partner Sirius führen, der der DFL von der Saison 2009/10 an jährlich 500 Millionen Euro für die Übertragungsrechte garantiert hat.
Neuer Plan - verzweifelt gesucht
Nach Angaben von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert habe der Vertrag mit der Kirch-Tochter derzeit noch Bestand. Wie genau die Klauseln zu einer Auflösung des Vertrags gestaltet sind, ist unbekannt. Da die Kartellamtsentscheidung dem bisherigen Kontrakt aber die Grundlage entzogen habe, müsse nun in Ruhe ein neuer Plan für die Vermarktung der Fernsehlizenzen entwickelt werden, sagte Seifert. Von Sirius war keine Stellungnahme zu erhalten.
Die große Aufgabe für Seifert ist nun, eine neue Ausschreibung zu starten und die Einnahmeausfälle in Grenzen zu halten. Derzeit erlöst die Liga rund 420 Millionen Euro aus dem Rechteverkauf. Premiere zahlt für die Pay-Rechte etwa 220 Millionen Euro, die ARD für die Sportschau circa 100 Millionen Euro, der Rest kommt von weiteren Sendern, vor allem von ZDF und DSF, sowie von der Deutschen Telekom, die derzeit die Internetrechte verwertet. "Eine schnelle Entscheidung ist wünschenswert, aber wir verfallen nicht in Panik und werden nichts überstürzen. Es wäre unseriös und unglaubwürdig, jetzt schon einen Plan C zu haben. Wir waren von unserem Angebot überzeugt", sagte Seifert am Freitag in Frankfurt.
Einmischung der Politik?
Fraglich ist, wer sich jetzt um die Fernsehrechte bemühen wird. Die WDR-Intendantin Monika Piel hatte die Kartellamtsentscheidung als einen "Glückstag für alle Fußballfans" bezeichnet und schon Interesse bekundet: "Wir waren ein fairer Partner, und wir werden ein fairer Partner bleiben." Sat.1 und RTL sind offenbar zögerlich, weil die hohen Rechtekosten kaum mit Werbung zu finanzieren sind, Privatsender sind wahrscheinlich eher an der Übertragung von Livespielen interessiert. Möglicherweise wird aber auch ein Szenario mit einer deutlich kürzeren Zusammenfassung am Samstag ausgeschrieben.
Zudem wird in der Branche über ein weiteres Szenario diskutiert. Demnach könnte sich die Sportrechteagentur Sirius, die zum Umfeld von Leo Kirch gehört, an der neuen DFL-Ausschreibung beteiligen, selbst Bundesligarechte von der DFL, etwa für das Bezahlfernsehen oder für das Internet, erwerben und diese Rechte dann auf eigene Rechnung weiterverkaufen.
Dass inzwischen offen eine Einmischung des Gesetzgebers gefordert wird, zeigt, wie verzweifelt mancher Fußball-Manager ist. "Wenn Grundpfeiler unserer Finanzierung angegriffen werden, muss die Politik im Sinne des Fußballs handeln", sagte DFL-Chef Rauball.
- Thema
- Wirtschaftspolitik RSS
- Kartellamt lehnt DFL-Pläne ab Für die Fans, gegen die Klubs 24.07.2008
- Fußballrechte Kartellamt legt sich quer 23.07.2008
- DFB warnt Kartellamt vor TV-Eingriff Rückschlag für Nationalelf 19.07.2008
- Kartellamt Bundesliga nicht nur im Bezahlfernsehen 03.07.2008
- Gastronomie und Rauchverbot Das Märchen von der Pleitewelle 28.04.2010
- Griechenland "Das kann ein Fass ohne Boden werden" 21.04.2010
- Griechenland: Rettungsfonds Finanzfeuerwehr für Europa 16.04.2010
(SZ vom 26.07.2008/tob)
Drogeriekette wird abgewickelt
mal abgesehen davon das im Fernsehen kaum was anständiges läuft, doch wenn Fußball das einzige ist was als Freude bleibt?????
Ich spiele selber und schaue auch gerne, aber mal im Ernst wenn Rummenige und Co dahin wollen, sollen sie halt dahin. Das Sprichwort "Reisende soll man nicht aufhalten". passt da wunderbar und wenn dann kaum einer sich das Leisten kann, dann wird es auch keiner mehr schauen wollen. Wenn es keiner mehr schauen will dann wird den Sponsor auch niemand mehr interessieren. Ganz einfache Milchmädchenrechnung.
ich freue mich über diese Entscheidung, Rummenigge und Co., die sollten sich mal
daran erinnern voher Sie kommen.
Ich denke die öffentlich Rechtlichen haben viel für den Fußball getan und die
dritten übertragen Regionaliga etc., das sollten die Herrn mal
bedenken.
Was Kirch da geplant hatte ist ja reine Spekulation,etwas anzubieten was man aufgrund
irgendwelcher Bürgschaften absichert um es weiter zu verscheuern.
Auf Ballacks die auf mini Beckhame machen kann ich gerne verzichten, vielleicht sollten
sich die EM Helden mal die Spiele der U19 bei der EM ansehen, da habe ich wirklich
keine Angst das der deutsche Fußball bald zweitklassig wird.
Würde gerne Herrn Höneß oder Rummenigge fragen wieviel Spieler aus der
Jugend des FCB bei der U19 dabei sind, da fällt es doch auf das die meißten von
kleineren Klubs sind.
Da muß sich die Fußballermafia nun echt gedanken machen wie Sie den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen möchte, mal bei Schröder anfragen vielleicht kennt der noch einen Russen der noch keinen Club besitzt.
auch die öffentlich rechtlichen sender müssen aufpassen: ohne Fußball im vorabendprogramm am samstag haben ARD und ZDF nun wirklich jegliche legitimation (unter dem aspekt der zwangsgebühr) verloren. jetzt bleibt eigentlich nur noch die tagesschau... und 20 für 15 Minuten vernünftiges Fernsehen am Tag?
sollen sie halt gehen. Mit Volksnah hat das aber nix mehr zu tun. Und wenn es dem Volk so nicht gefällt ,dann schaut es halt keiner mehr. So geht man halt wieder zu einem Regionaligaspiel was solls.
Und wenn es keiner mehr sehen will, weil es zu viel kostet landet schneller als man denkt auf dem Wühltisch.
Was für ein Drama, da gibts wichtigeres.