Von Caspar Busse

Vor genau einem Jahr verkündete die Axel Springer AG stolz den Einstieg in den polnischen Fernsehmarkt - und macht jetzt einen Rückzieher.

Der Kaufvertrag für 25,1 Prozent des polnischen TV-Unternehmens Telewizja Polsat sei unterzeichnet worden, hieß es Anfang Dezember 2006. Investiert werden sollten mindestens 250 Millionen Euro. Sogar den Konkurrenten RTL hatte Springer im Rennen um Polsat ausgebootet. Damals konnte das Berliner Verlagshaus gute Nachrichten gebrauchen, denn im Dezember 2006 hatten Investoren Springer-Aktien am Markt verkauft.

Springer

Rückschlag folgt auf Rückschlag: Für die Axel Springer AG läuft es derzeit nicht gut. (© Foto: ddp)

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Doch das Engagement in Polen lief nicht glatt. Die Wettbewerbsbehörden im Nachbarland wollten den Deal verhindern und wiesen den Genehmigungsantrag zurück. Seit April wurde deshalb verhandelt. Springer hatte sich offenbar umfangreiche Mitspracherechte bei Polsat gesichert, obwohl der Konzern nur ein Viertel der Anteile erwerben wollte. Am Ende sei keine "juristisch sichere und wirtschaftlich akzeptable Lösung" möglich gewesen, heißt es. Springer sagte die Transaktion deshalb am Freitag ab, die Bildschirme bleiben für Springer dunkel.

Das Aus in Polen ist ein weiterer Rückschlag für den Berliner Verlagskonzern und seinen Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner. Gerade erst hat der Konzern die Zahlungen für den schwer angeschlagenen Postdienstleister Pin Group eingestellt. Die Firma steht damit vor dem Aus.

Insgesamt hatte der Konzern bisher 620 Millionen Euro in Pin investiert, diese Summe muss jetzt möglicherweise ganz oder teilweise wertberichtigt werden. Anfang der Woche hatte Springer zudem den Verkauf der zwölfprozentigen Beteiligung am deutschen TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 verkündet, der Zeitpunkt gilt nicht als gut, denn die Pro-Sieben-Sat1-Aktie hatte in den vergangenen Monaten deutlich an Wert eingebüßt.

Ursprünglich wollte Döpfner Pro Sieben Sat 1 ganz übernehmen, scheiterte aber wie jetzt in Polen am Kartellamt. Dann wollte der 44-Jährige vor allem im Ausland wachsen. Springer hat sich auch bei einem türkischen TV-Konzern eingekauft. Umso bitterer ist das Scheitern in Polen: Hier ist Springer auch im Zeitungsgeschäft aktiv und verlegt unter anderem eine große Boulevardzeitung. Einen Trost gibt es: Die Investitionssumme hat sich Springer gespart, das Geld wird womöglich woanders gebraucht.

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(SZ vom 15.12.2007/woja)