TV-Gerätehersteller aus Oberfranken Loewe-Retter springen ab

Im Januar schien das Schlimmste abgewendet: Die Münchner Investorengruppe Panthera wollte den Kronacher Fernsehgerätehersteller Loewe kaufen. Nun platzt der Vertrag - und bei Loewe droht das Chaos.

Von Uwe Ritzer, Kronach

Ende Januar schien die Welt beim traditionsreichen, aber länger schon schwer angeschlagenen Fernsehgerätehersteller Loewe endlich wieder in Ordnung. Nach zweijährigem Überlebenskampf und einem Insolvenzverfahren schien ein Retter gefunden: Die Münchner Investorengruppe Panthera, hinter der sich private Finanzunternehmer sowie ehemalige Manager des Computerherstellers Apple und des Loewe-Konkurrenten Bang & Olufsen verbergen, unterschrieb einen Kaufvertrag. Von dem ist Panthera nun aber überraschend zurückgetreten.

Bei Loewe hieß es, den Käufer hätten das Geld für den Kauf nicht zusammenbekommen. Bei Panthera hingegen wird dies entschieden bestritten.

Panthera begründet seinen Rücktritt vom Kaufvertrag stattdessen mit einer nicht eingehaltenen Vereinbarung. Die Gläubigerbanken von Loewe würden die beim Abschluss des Kaufvertrages zugesicherte Freigabe von Sicherheiten verweigern. Das betrifft unter anderem den Markennamen Loewe. "Wir konnten nicht mehr länger darauf warten", sagte Panthera-Gesellschafter Stefan Kalmund am Montagabend. "Damit haben sich die Rahmenbedingungen für uns ganz entscheidend verändert."

Panthera sei auch dann nicht mehr am Vollzug des Kaufvertrages interessiert, wenn die Banken die Sicherheiten wider Erwarten nun doch schnell freigeben würden. Die insolvente Loewe AG will sich gegen diese Entscheidung von Panthera wehren und vor Gericht die Einhaltung des Kaufvertrages erstreiten. Was all dies in der Zwischenzeit für die mehreren hundert Mitarbeiter des fränkischen Traditionsunternehmens bedeutet, ob unter diesen Umständen weiter Geräte produziert und ausgeliefert werden, ist noch unklar. Die Situation ist völlig verfahren; der Gläubigerausschuss wird zeitnah beraten müssen.

Ob damalige Mitbewerber noch interessiert sind, ist offen

Dabei hatte alles so schön begonnen. Unmittelbar nachdem die Tinte unter dem Kaufvertrag trocken war, meldeten Loewe und Panthera erste personelle Veränderungen im Management, zurrten die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Technologiepartner Hisense fester und hielten interne Workshops ab. Loewe, so der Plan, solle künftig in China produzieren und sich als Hersteller hochwertiger und entsprechend teurer Geräte gezielt junge, technik- und designaffine Zielgruppen in Europa, Russland und China erschließen.

Daraus wird nun nichts. Insidern zufolge hat das Management der Loewe AG bereits Kontakt mit einem anderen Kaufinteressenten aufgenommen, der beim Bieterrennen gegen Panthera unlängst den Kürzeren gezogen hatte. Ob dieser damalige Bewerber überhaupt noch interessiert ist, ist offen.