Der Verkauf von Hapag-Lloyd bringt eine Menge Geld in die TUI-Konzernkasse. Spannend wird nun die Frage, worin der Touristikkonzern investieren will - denn die Touristikbranche will mit leichtem Gepäck reisen. Und das bedeutet: möglichst keine eigenen Fluggesellschaften und keine eigenen Hotels.
Wenn TUI seine Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd verkauft, kommt eine Menge Geld in die Konzernkasse, das dann - so wollen es offenbar die Aufsichtsräte - wieder in die Touristik investiert werden soll.
Möglichst keine eigenen Fluggesellschaften, keine eigenen Hotels - die Touristikbranche will mit leichtem Gepäck reisen. (© Foto: dpa)
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Branchenkenner fragen sich allerdings, was genau die Aufseher sich dabei wohl gedacht haben mögen. Die Zeiten, in denen das Geschäft mit den "schönsten Wochen des Jahres" als lukratives Investment galt, sind nämlich längst vorbei.
Schon einmal hat Konzernchef Michael Frenzel das Geld seiner Aktionäre in großem Stile in die Reisebranche gesteckt. Er wollte einen "integrierten Touristik-Konzern" formen, der auf allen Stufen der Pauschalreise vertreten sein und mitverdienen sollte. Mit diesem Konzept machte er die Touristik zum ersten Mal attraktiv für die Börse.
Denn zuvor waren die deutschen Reiseveranstalter mittelständisch organisiert gewesen und meist in Händen von Privatunternehmern. Doch Frenzel kaufte alles: Reisebüroketten, Fluglinien, Hotels und Veranstalter, und in der Regel zahlte er dafür nicht gerade Schnäppchenpreise. Im Gegenteil: Mancher Kauf gelang nach Ansicht von Fachleuten nur zu überhöhten Preisen.
Den Vogel schoss Frenzel einmal ab, als er in Großbritannien zuerst Thomas Cook kaufte, dann aber, als Thomson Travel zu haben war, lieber dort zugriff und den Erstkauf schnell wieder abstieß. Aber weil damals die Touristik als Zukunftsbranche galt, nahmen sowohl Analysten als auch Aktionäre Frenzels Kapriolen mit Wohlwollen hin.
Es gab eine Zeitlang sogar Hauptversammlungen, auf denen man dem Vorstandschef heftig applaudierte. Doch der Manager hatte ausgerechnet zu einem Zeitpunkt zugegriffen, als es mit der Reisebranche bergab ging. Denn die Terroranschläge vom 11. September 2001, Tsunamis, Hurrikane, die Lungenseuche Sars und die Vogelgrippe hatten den Deutschen, den einstigen "Reiseweltmeistern", das Reisen verleidet.
Den Rest besorgten die Billigflieger und die Online-Reiseveranstalter. Mit dieser schnellen und flexiblen Konkurrenz konnten die behäbigen Reisekonzerne in Deutschland - neben TUI waren das vor allem Thomas Cook und Rewe - nicht mithalten. Noch heute kämpfen sie damit, dass ihre Kunden die dicken bunten Reisekataloge einschließlich eines gedruckten Preisteils nur mit nach Hause nehmen wollen, um ihre Reise zu planen.
Festpreise passen nicht mehr zu einer Branche, in der es einzig und allein darum geht, dass Hotelbetten und Flugzeugsitze möglichst in Richtung 100 Prozent ausgelastet sind. Die Konkurrenz im Internet setzt täglich neue Preise fest, während im Katalog ein Preis für eine ganze Saison gelten muss. TUI klagt derzeit deshalb auch gegen die Preisbindung.
Alles läuft in der Branche nun darauf hinaus, mit möglichst leichtem Gepäck zu reisen. Die Veranstalter wollen wieder - wie früher - weniger Risiken eingehen. Das bedeutet, sie wollen nach Möglichkeit keine eigenen Fluggesellschaften und keine eigenen Hotels mehr besitzen. Denn das Reisegeschäft ist riskanter geworden und der Urlauber nicht mehr so berechenbar. Heute möchte er in die Türkei, morgen nach Italien.
Wer nun aber eigene Hotels in der Türkei hat, bekommt ein dickes Problem mit der Auslastung. Die Veranstalter streben deshalb danach, nur noch - wie früher - Händler zu sein. Da sind die Margen zwar geringer, aber das Risiko auch. Deshalb wird es spannend, in was TUI wohl investieren will.
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(SZ vom 18.03.2008/jkr)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak