Türkische Lira erhält ein Symbol Superschlumpf für Supertürken

"Sieht aus wie ein außereheliches Kind von Euro und Pfund": Die türkische Lira ist inzwischen eine solide Währung. Höchste Zeit also für ein eigenes Symbol - und ein wenig Spott.

Von Kai Strittmatter, Istanbul

Der Dollar hat eins, der Euro hat eins, jetzt endlich hat die türkische Lira auch eins: ein Symbol. Sieht ein wenig aus wie ein Angelhaken mit zwei Querstrichen. Nein, sagte Erdem Basci, der Chef der türkischen Zentralbank, bei der Vorstellung am Donnerstag: Einen Anker bitteschön solle man darin sehen. Die türkische Lira sei schließlich längst "ein sicherer Hafen".

Premier Tayyip Erdogan war auch da. Schließlich ist das neue Zeichen irgendwie "Tayyips Lira", wie eine Zeitung am Freitag titelte. Der Premier stellte sein Baby mit stolzgeschwellter Brust vor, es fehlte ihm nicht an starken Worten. Nicht weniger als "die Wiedergeburt einer Nation" gelte es mit dem neuen Symbol zu feiern: ihr "Wiederauftauchen als globale Macht." Die Superlira für die Supertürkei also.

Geld stehe "für Macht, Prestige und Unabhängigkeit, so wie die Fahne und die Nationalhymne", sagte der Premier. Das passt, schließlich waren es Erdogan und seine AKP, die im letzten Jahrzehnt das Geldscheffeln in den Stand der heiligen Pflicht für jeden Patrioten und guten Muslim erhoben. Und die damit ein Wirtschaftswunder anschoben. Im letzten Jahr wuchs die türkische Wirtschaft um geschätzte 8,5 Prozent, im ersten Halbjahr 2011 überflügelte sie sogar China, die Türkei war für ein paar Monate die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt.

Der Vergleich mit dem Nachbar Griechenland ist bemerkenswert. Noch im Jahr 2002, bei der Machtübernahme durch die AKP, war die Türkei das Sorgenkind des Internationalen Währungsfonds. Die türkischen Schulden betrugen damals 74 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. 2010, nach acht Jahren AKP-Regierung, waren es nur noch 42 Prozent, und der Schuldenberg sinkt weiter. Zum Vergleich: In Griechenland machen die Schulden momentan knapp 160 Prozent des BIP aus.

Die Türkei berauscht sich an sich selbst

Und tatsächlich hat mit dem Aufschwung auch die Lira Karriere gemacht: Zwei- bis dreistellige Inflationsraten sorgten einst dafür, dass man noch 2004 für einen einzigen Dollar mehr als eine Million Lira hinblätterte - zeitweise führte das Guinness Buch der Rekorde die Lira als wertloseste Währung der Welt. Premier Erdogan ließ Anfang 2005 kurzerhand sechs Nullen streichen. Der politischen Stabilität folgte die wirtschaftliche; mit einem Mal war die Inflation nur mehr einstellig.

Aber Superlira? Der von der EU schwer gekränkte Beitrittskandidat Türkei berauscht sich wieder einmal an sich selbst - und spart dabei nicht mit Seitenhieben auf den vermeintlichen Niedergang von EU und Euro-Zone. "Sieht aus wie Euro und Pfund", titelte das Massenblatt Posta zum neuen Lira-Symbol: "Erleidet aber hoffentlich nicht das gleiche Schicksal". Bloß: Als die Euro-Krise begann, beim Griechenland-Rettungspaket im Mai 2010, zahlte der Türke für einen Euro 1,97 Lira. Heute zahlt er 2,35 Euro - die Lira verlor also selbst gegenüber dem gebeutelten Euro noch einmal 20 Prozent.

Bei Twitter wiesen einige Türken auf diese Ironie hin. Überhaupt sparte die Netzgemeinde nicht mit Spott und Verschwörungstheorien. Vor allem die Tatsache, dass das neue Symbol aussieht als habe man - ausgerechnet - das der armenischen Nachbarwährung Dram geklaut und auf den Kopf gestellt, wird ausführlich gewürdigt. "Sieht aus wie ein außereheliches Kind von Euro und Pfund", twitterte einer. "Ein Türke mit Phallus", ein anderer. "Eine Arbeit der Illuminati", sind sich gleich mehrere sicher: "Die kontrollieren nämlich alle Zentralbanken".

Am schönsten aber ließ die Grafikdesignerin Tülay Lale, deren Entwurf den Lira-Wettbewerb gewonnen hatte, die Luft aus all der Großmannssucht. Sie habe ihr Zeichen auf den Namen "Sirin", getauft, sagte sie. "Sirin" heißt "niedlich". Es ist aber auch der türkische Name der Schlümpfe.