Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller "Griechenland? Da bin ich skeptisch"
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SZ: Ihre Unternehmer-Kollegen argumentieren aber, dass es nicht sein kann, dass Europa finanziell ein Fass ohne Boden wird, in das vor allem die Deutschen einzahlen.
Leibinger-Kammüller: Das sehe ich genauso. Aber ein Rückzug in die D-Mark wäre nicht sinnvoll. Jetzt muss man das Feuer löschen, das ist gar keine Frage. Aus meiner Sicht sind die jüngsten Beschlüsse in Brüssel sinnvoll, weil sie Ruhe in die Märkte bringen. Alles andere wäre tödlich. Aber natürlich müssen im zweiten Schritt die einzelnen Länder saniert werden. Die müssen sparen, sparen, sparen und sich andere Strukturen verpassen.
SZ: Wird das Griechenland gelingen?
Leibinger-Kammüller: Da bin ich skeptisch.
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SZ: Weshalb?
Leibinger-Kammüller: Erstens ist das politische System eine Katastrophe. Für den Schlingerkurs der Regierung habe ich keinerlei Verständnis. Und zweitens: Da ist doch praktisch nichts, jedenfalls viel zu wenig Industrie, und das lässt sich auch nicht über Nacht aufbauen. Bei Italien ist das anders, dort gibt es tragfähige industrielle Strukturen. Wir haben hervorragende Kunden in Norditalien, Familienunternehmen wie wir, hart arbeitende Leute. Allerdings muss auch Italien dringend seinen Staatshaushalt sanieren.
SZ: Wie steht es um ihr Verhältnis zu den Banken? Wir beobachten einen Spalt zwischen der Realwirtschaft, der Sie angehören, und der Finanzwirtschaft. Die Kritik der Unternehmer an den Banken wächst, dass diese alles verspielen, was die Industrie aufgebaut hat.
Leibinger-Kammüller: Mal etwas polemisch gesagt: Bei uns wird jede Schraube zertifiziert - bei den Banken dagegen wurden Produkte völlig ungeprüft in den Markt gebracht. Das kann es nicht sein.
SZ: Hat sich Ihr persönlicher Umgang mit Bankern verändert? Können Sie einem Mann wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, mit dem Sie beispielsweise im Aufsichtsrat von Siemens sitzen, noch unbefangen entgegen treten?
Leibinger-Kammüller: Ich schätze Herrn Ackermann sehr. Vor allem weil ich den Eindruck habe, dass er sehr genau weiß, dass im Bankensystem vieles schief gelaufen ist und eingefangen werden muss.
SZ: Was halten Sie von einer Aufspaltung in Investmentbanking und Kreditgeschäft?
Leibinger-Kammüller: Sie können auch Investmentbanking sinnvoll betreiben. Aber das Kerngeschäft einer Bank ist aus meiner Sicht, konservativ wie ich bin, die Versorgung der Realwirtschaft mit Geld.
SZ: Wie sehen Sie die globalen Veränderungen? Europa steckt in einer Krise, Amerika ist eine tickende Zeitbombe, China gewinnt immer stärker an Bedeutung. Wie wird das Ihr Geschäft verändern?
Leibinger-Kammüller: Die Veränderungen sind schon in vollem Gange. China ist unser drittgrößter Markt. Wobei wir auch ein glänzendes Geschäft in den USA haben, weil unsere dortigen Kunden nach Asien exportieren. Die Verschiebung der Märkte nach Asien geht rasant weiter. Wir stellen uns darauf ein, indem wir gerade unsere Produktionsfläche in China verdoppeln.
SZ: Hat dann Deutschland irgendwann als Produktionsstandort ausgedient?
Leibinger-Kammüller: Nein. Unsere Kernkompetenzen bleiben in Deutschland. Das betrifft Produktion und Entwicklung.Wir haben hier 800 Entwickler. Wenn es uns gelingt, unseren innovativen Vorsprung zu halten, gibt es keinen Grund, diese Kompetenzen hier aufzugeben. Wir müssen viel mehr Geld in Bildung und Forschung investieren, dann gelingt das.