Uneinheitlicher Börsentag: Nach anfänglichen Kursgewinnen dreht der Dax ins Minus - dagegen geht der Dow Jones mit einem Plus in den Handelstag.
Die Vorgaben aus New York waren katastrophal. Um 5,6 Prozent war der Dow-Jones-Index gefallen - so tief, wie seit fünf Jahren nicht mehr.
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Fassungsloser Händler an der Wall Street: Wie weit fallen die Kurse? (© Foto: AP)
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Die bange Frage der Anleger in Deutschland lautete nun: Fällt nun auch der Dax weiter - oder stoppt der deutsche Aktienmarkt seine Talfahrt?
Doch der deutsche Aktienmarkt verzeichnete nach den kräftigen Abschlägen der Vortage zum Handelsbeginn Gewinne. Der Dax lag nach neunzig Handelsminuten mit einem Prozent im Plus bei 4266 Punkten, der MDax legte um 1,0 Prozent auf 4802 Zähler zu. Der Technologieindex TecDax kletterte gar um kanpp drei Prozent auf 444 Punkte.
Am Mittag jedoch drehte der deutsche Leitindex ins Minus. Knapp zwei Stunden vor Handelsschluss notierte der Dax mit 1,34 Prozent im Minus und lag bei 4164 Zählern. MDax und TecDax lagen noch leicht im Plus.
Börsianer machten neben einer allgemeinen Erholung nach den teils deftigen Abschlägen der vergangenen Tage die uneinheitlichen Vorgaben der Börsen in den USA und Japan für die Entwicklung verantwortlich.
Zu den deutlichsten Gewinnern im Dax zählten die zuletzt stark geprügelten Finanzwerte: Die Aktien von Hypo Real Estate stiegen um 4,72 Prozent auf 2,22 Euro. Ebenfalls aufwärts ging es für die Papiere der Münchner Rück, die um 4,08 Prozent auf 102,03 Euro zulegten. Auch die Werte der Commerzbank stiegen deutlich an.
Spekulationen um Citigroup
Nach zwei Tagen mit kräftigen Kursverlusten haben auch die US-Börsen am Freitag mit leichten Gewinnen eröffnet. Händler begründeten den Aufwärtstrend mit Schnäppchenkäufen unter anderem in dem stark gebeutelten Bankensektor. Zur guten Stimmung trug auch die Nachricht bei, dass die angeschlagene Großbank Citigroup Kreisen zufolge den Verkauf von Geschäftsteilen oder eine Fusion erwägt. Auch die Quartalszahlen des Computerherstellers Dell stützten den Markt.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg in den ersten Handelsminuten um 1,9 Prozent auf 7690 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewann ebenfalls 2,5 Prozent auf 771 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich ebenfalls um 2,5 Prozent auf 1349 Punkte.
Bei den Einzelwerten stand die Citigroup im Mittelpunkt des Geschehens. Das taumelnde Geldhaus sucht fieberhaft nach einem Ausweg aus der Finanzkrise und schließt dabei offenbar auch eine Fusion nicht aus. Das Finanzinstitut spielt einer eingeweihten Person zufolge derzeit verschiedene Szenarien durch. Dazu gehöre der Verkauf von Unternehmensteilen oder der Zusammenschluss mit einer anderen Bank. Das Führungsgremium der Bank sollte noch am Freitag zusammenkommen. Die Citi-Aktien legten rund zwei Prozent zu, nachdem die Titel am Donnerstag zeitweise ein Viertel an Wert verloren hatten.
Schockwellen für die Gesamtwirtschaft befürchtet
Für Pessimismus hatte noch am Morgen die Absetzung der Kongress-Abstimmung über die von den angeschlagenen US-Autoherstellern verlangten Milliardenkredite gesorgt. Eine Aussicht auf Zustimmung besteht derzeit nicht.
Die asiatischen Aktienmärkte präsentierten sich nach den starken Verlusten vom Vortag kräftiger. Obwohl die Stimmung schlecht blieb, drehte die Börse in Tokio kurz vor Handelsende ins Plus. Grund war offenbar die Schnäppchenjagd von Anlegern sowie die leichte Erholung des Dollar gegenüber dem Yen.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg um 2,7 Prozent auf 7910 Punkte, nachdem er am Vortag rund sieben Prozent eingebüßt hatte. Der breiter gefasste Topix-Index legte 2,6 Prozent auf 802 Zähler zu. Auch die Aktienmärkte in Hongkong, Taiwan, Singapur und der chinesische Leitindex notierten fester. In Südkorea gewann der Kospi-Index sogar fast sechs Prozent.
Schnäppchenjäger in Tokio
"Die Nachrichten aus den USA sind sehr schlecht, und um ehrlich zu sein, das Umfeld erscheint jetzt komplett dunkel", sagte Koichi Ogawa von Daiwa SB Investments. "Aber egal ob es Schnäppchenjagd oder etwas anderes ist, es wird gekauft. Vielleicht in Erwartung einer technischen Erholung in New York nach so einem Kurssturz."
In Tokio schlossen die Aktien von Sony 5,6 Prozent im Plus. Auch die Anteilsscheine des Kameraherstellers Canon gewannen 3,6 Prozent. Die Papiere der japanischen Autobauer standen ebenfalls auf den Einkaufszetteln der Händler.
Nissan-Anteilsscheine legten sechs Prozent zu, die von Honda 2,3 Prozent und die von Toyota 4,6 Prozent. Zu den Gewinnern zählten auch die Papiere des größten japanischen Nickelproduzenten Sumitomo Metal Mining, die um fast 17 Prozent nach oben gingen. Der Konzern hatte ein Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Yen (rund 80 Millionen Euro) angekündigt.
(sueddeutsche.de/Reuters/AP/pak/mel/tob/mel)
Berliner Zeitung
Wäre es nicht sinnvoller, die alte Überschrift zu behalten und die derzeitige "Dax findet Halt" erst am Ende des Börsentages einzusetzten? Sofern es dann noch zutrifft...
Im Jahre 2005 musste GM für Arztrechnungen, Klinikaufenthalte und Medikamente seiner MitarbeiterInnen und PensionärInnen (1,1 Millionen Menschen) ca.5,8 Milliarden aufbringen ...
... umgerechnet auf jedes verkaufte Auto waren dies über 1.500 Dollar.
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Noch "schlimmer" für GM: Auf eine produktive Arbeitskraft kommen 3 von GM zum großen Anteil mit Altersruhegeld zu bedenkende PensionärInnen.
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Ich persönlich sehe unter den aktuell gegebenen Rahmenbedingungen rabenschwarz für General Motors.
Man/frau vergegenwärtige sich mal folgendes:
a) In den USA deckt die gesetzliche Altersvorsorge im gerade garantiert einmal garantierte 7,5 % des letzten Einkommens ab. Wobei anzumerken ist, dass bei Niedrigsteinkommen die Abdeckung bis zu 50 % steigt.
b) Pensionsfonds tragen für etwa 43 Prozent der Beschäftigten im privaten Sektor zur Altersvorsorge bei.
c) Eine sehr große Rolle spielen hierbei die so genannten Firmenfonds - diese stell(t)en mit 3,2 Billionen Dollar Anlagekapital den größten Anteil.
Den größten Einzelfirmenfonds verwaltetet(e) General Motors in besseren Zeiten in Höhe von rund ca. 85 Milliarden Dollar Anlagekapital, dann folgte General Electric mit 60 Milliarden Dollar ...
d) Etwas "blö-de" bei diesen Firmenfonds ist, dass sich in deren Portfolios regelmäßig sehr hohe Anteile eigener Aktien und seit der kreativen Phase der DerivateentwicklerInnen auch entsprechende "toxic papers" befinden.
e) Den unter d) beschriebenen Umständen ist es zu verdanken, dass nicht zu wenige der Pensionsfonds es geschafft haben, ihre Anlagen binnen 15 Monaten auf bis zu 10 % ihres "Normalwertes" zu verdichten.
f) Dies hat zur Folge, dass viele der US-AmerikanerInnen, die sich im Normalfall auf ihr nahendes Ruhestandsdasein freuen würden, auf gut und gerne 1/3 der erwarteten Ruhestandsbezüge verzichten dürfen, wenn sich der Wert der Pensionsfondsanlagen nicht bald dramatisch erhöht - sprich: z. B. die Aktienkurse wieder massiv steigen.
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Fragen Sie bitte keine(n) der betroffenen US-BürgerInnen "Wo ist denn das Problem?"
SZ: "Die Vorgaben aus New York waren katastrophal. Um 5,6 Prozent war der Dow-Jones-Index gefallen - so tief, wie seit elfeinhalb Jahren nicht mehr. "
Der Desinformationsgrad der Presseberichterstattung, auch bei der SZ, ist hoch. So sind die Vorgaben überhaupt nicht so katastrophal. Die us-amerikanischen Future verzeichnen nämlich ein sattes Plus. Und danach richtet sich nun mal der Markt. Kursbewegende Schnäppchenjäger gibts an der Börse nicht. Die Anleger tun nur das, was ihnen die amerikanischen Future und Kursverläufe vorgeben. In dem Sinne hat der Dax wenig Eigenleben, sondern er folgt lediglich den Vorgaben.
Also die Logik muss man mir doch einmal erklären, wie in einer Volkswirtschaft, in der insbesondere auch im Mittelstand Fremdkapitalquoten von 70, 80 teilweise sogar 85 Prozent vorherrschen, die Realwirtschaft nicht betroffen sein soll, wenn die Banken Verluste in ihren Bilanzen hinnehmen müssen, und in Folge dessen ihre Kreditvergabe einschränken bzw. verteuern?
Außerdem sind wir extrem auf den Export angewiesen. Wenn denn nun nahezu die ganze Welt zumindest weniger wächst, wenn nicht gar in eine Rezession hineingerät, wie sollte da unsere Exportwirtschaft nicht von betroffen sein?
Man muss schlicht davon ausgehen, dass wenigstens das nächste Jahr nicht sonderlich rosig wird. Und zu glauben, dass in so einer Situation Lohnsteigerungen von 8 oder 10 Prozent das Allheilmittel wären, ist schlichtweg irrsinnig. Tut mir leid. Selbst ein Keynes, den man ja nun nicht unbedingt als neoliberalen Vordenker in Erinnerung hat, hält diese Kauftkrafttheorie für Unfug und dem möchte ich nicht widersprechen...
Paging