Die Industrie leidet, Arbeitsplätze fallen weg - und zuerst spüren das die Leiharbeiter. Jetzt rechnet die Zeitarbeits-Branche mit einem massiven Umsatzeinbruch.
Immer mehr Leiharbeiter werden Opfer der Wirtschaftskrise. Mittlerweile ist jeder Dritte ohne Job. Vor allem in der Autoindustrie werden Stellen gestrichen, weil die Firmen zunächst ihre festen Mitarbeiter halten wollen. Jobs finden sich dagegen verstärkt im Gesundheitswesen: Kliniken und Heime suchen händeringend Arbeitskräfte.
Die Leiharbeits-Firmen haben große Probleme, ihren Leuten Stellen in der Industrie zu verschaffen - doch Fachkräfte werden mitunter dringend gesucht. (© Foto: ddp)
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Seit Ausbruch der Krise wird es für die Zeitarbeitsfirmen immer schwieriger neue Einsatzorte für ihre Leute zu finden. Die deutlichen Auftragseinbrüche in der Industrie hat viele Stellen überflüssig gemacht. Dies gilt besonders bei den Autoherstellern und im Maschinenbau. Aber auch viele anderen Branchen des produzierenden Gewerbes haben sich inzwischen großflächig von Leiharbeitern getrennt. Die Firmen versuchen zunächst ihre festen Mitarbeiter zu halten und nutzen in erster Linie die Kurzarbeit. Das trifft die Leiharbeiter besonders hart, weil sie als erste ihre Jobs verlieben. Dies geht aus verschiedenen Statistiken hervor.
Nach Angaben des Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gab es im vergangenen Juni gerade noch 526.000 Zeitarbeitnehmer. Ein Jahr davor waren es noch 794.000. Das ist ein Rückgang um fast 34 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigte diesen Trend. Sie hat am Freitag ihre jüngste Statistik zu den Zeitarbeitern veröffentlicht. Danach gab es Ende 2008 etwa 673.000 Zeitarbeiter. Das waren 18 Prozent oder gut 149.000 Beschäftigte weniger als auf dem Höhepunkt des Beschäftigungsbooms im Juli 2008. Damals waren gut 822.000 Menschen als Leiharbeitnehmer beschäftigt. Die Branche rechnet mit einem Umsatzeinbruch von 20 Prozent.
Das Wesen der Zeitarbeit liegt gerade darin, dass Firmen bei starkem Auftragsboom schnell an Arbeitskräfte gelangen. Umgekehrt sind die Zeitarbeiter die ersten, die gehen, wenn die Aufträge einbrechen. Dann werden die Verträge zwischen Entleih- und Verleihfirma nicht verlängert. Zeitarbeitnehmer sind entgegen der landläufigen Annahme sozialversicherungsplichtig Beschäftigte. Sie haben damit ein normales Arbeitsverhältnis mit der Zeitarbeitsfirma und sind deshalb kranken- und rentenversichert.
Positive Konjunkturmeldungen
Die Verleihfirmen versuchen deshalb, die bei ihnen angestellten Zeitarbeitnehmer an andere Unternehmen auszuleihen. Wie alle Firmen, trennen auch sie sich nur ungern von guten Leuten. Allerdings müssen auch sie die angestellten Zeitarbeiter entlassen, wenn am Arbeitsmarkt gar nichts mehr möglich ist.
Unter dem Fachkräftemangel leidet allerdings auch diese Branche. Bei Randstad heißt es beispielsweise, die Nachfrage nach Sekretärinnen mit Fremdsprachen- und SAP-Kenntnissen sei weiter hoch. Auch Ingenieure und Buchhalter würden nachgefragt. Randstadt ist nach Umsatz und Mitarbeiterzahl marktführend in Deutschland. Adecco ist die zweit- und Manpower die drittgrößte Branchenfirma in Deutschland.
Seit einiger Zeit gibt es wieder einige positive Konjunkturmeldungen - so die im Juni gestiegenen Auftragseingänge der Industrie. Im Juni ist nach Angaben des Branchenverbands BZA auch erstmals seit elf Monaten die Zahl der Zeitarbeitnehmer wieder gestiegen, um magere 20.000. Die Fachleute wollen hieraus allerdings noch keinen positiven Trend herauslesen. Für Prognosen sei es noch zu früh, sagte eine Randstad-Sprecherin. BZA-Präsident Volker Enkerts erklärte: "Niemand weiß, ob das ein nachhaltiger oder saisonaler Aufschwung ist. Traditionell ist der Juni der stärkste Monat für die Zeitarbeit." Inzwischen gebe es aber auch wieder mehr Aufträge aus dem Automobilbau und von den Zulieferern.
Einige Berufe sind trotz Krise gefragt. Nach den Worten des Hauptgeschäftsführers des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ), Werner Stolz, steigt im Gesundheitswesen die Zahl der Leiharbeitnehmer. Diesen Trend bestätigt auch eine Umfrage von Manpower. Danach ist der Bedarf an Pflegefachkräften in Kliniken und Heimen groß. "Für uns ist jetzt an der Zeit, in Berufe mit Zukunft zu investieren. Wachstumspotenzial sehen wir unter anderem im Sektor erneuerbare Energien, aber vor allem im Gesundheitsbereich und bei den Banken", so Manpower-Manager Christian Salge.
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(SZ vom 08.08.2009/tob)
Drogeriekette wird abgewickelt
Spiel Satz und Sieg Clement. Übrigens auch so ein Super Wirtschaftsminister... Obwohl bei dem zu befürchten steht, dass er wusste was er tat. Für die Betroffenen kann man sich im Übrigen eigentlich nur freuen.