Finanzminister Steinbrück zweifelt am Sinn der geplanten Transrapid-Strecke in München. Das Projekt könne zu einem Drittel der Kosten mit einer Express-S-Bahn verwirklicht werden. Der Zeitverlust betrage gerade einmal zehn bis 15 Minuten.
Die geplante Transrapid-Strecke zwischen der Münchner Innenstadt und dem Flughafen Franz Josef Strauß könnte nach Ansicht von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) deutlich mehr als zwei Milliarden Euro kosten.
Anzeige
Steinbrück sagte der Süddeutschen Zeitung, es sei "keineswegs unrealistisch anzunehmen, dass es nicht bei den bislang vorgesehenen 1,85 Milliarden Euro bleiben wird".
Dies lehrten ihn auch seine eigenen Erfahrungen mit dem Thema aus Nordrhein-Westfalen. "Wenn man dann bedenkt, dass wir die in Rede stehende Strecke, die gerade einmal 37 Kilometer lang ist, zu einem Drittel der Kosten auch mit einer Express-S-Bahn bedienen könnten, dann stellt sich schon die Frage, ob uns ein Fahrtzeitunterschied von zehn bis 15 Minuten diese Investition wert sein sollte", so der Minister.
Zweifel nicht nur an der Finanzierung
Steinbrück stellte damit nicht nur die Finanzierung der Magnetbahnstrecke, sondern das Milliardenprojekt insgesamt in Frage. "Ich mache keinen Hehl daraus, dass in meinen Augen die Kontra-Argumente die Pro-Argumente deutlich überwiegen", sagte er.
Der SPD-Politiker hatte 2003 als damaliger nordrhein-westfälischer Ministerpräsident die Planungen für eine zweite Strecke in Deutschland gestoppt. Die schnelle Magnetschwebebahn sollte eigentlich von 2007 an die Ruhrgebietsstädte Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg mit der Landeshauptstadt Düsseldorf verbinden.
Das Projekt, das in Nordrhein-Westfalen unter dem Namen Metrorapid firmierte, scheiterte jedoch vor allem an der völlig ungeklärten Finanzierung und der unentschlossenen Haltung der damaligen rot-grünen Bundesregierung.
Im Gespräch mit der SZ betonte der Bundesfinanzminister, dass er die Bezeichnung der Magnetschwebetechnik als "Zukunftstechnologie" für durchaus fragwürdig halte.
"Patent aus dem vergangenen Jahrhundert"
"Das Patent stammt aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Und ich selbst hatte erstmals in den siebziger Jahren als junger Referent im damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie mit dem Transrapid zu tun", erklärte er.
Seither habe sich nicht nur die Rad-Schiene-Technik deutlich weiterentwickelt, auch das Netz von Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen in Mitteleuropa sei immer dichter geworden.
Steinbrück schloss trotz aller Bedenken aber nicht grundsätzlich aus, dass der Bund sein Kostenbeteiligungsangebot in Höhe von 550 Millionen Euro noch einmal aufstocken wird: "Das hängt maßgeblich vom Verhalten Bayerns ab. Die permanenten öffentlichen Forderungen der Landesregierung und der CSU an den Bund sind jedenfalls alles andere als hilfreich."
Geld würde nicht einfach eingezogen
Der Minister machte zudem deutlich, dass er die 550 Millionen Euro nicht einfach wieder einziehen würde, sollte die Transrapidstrecke nicht realisiert werden. "Natürlich benötigt der Flughafen Franz Josef Strauß eine bessere Anbindung an die Münchner Innenstadt", sagte er.
Das sei der Bundesregierung bewusst, entsprechend werde man sich auch verhalten. "Interessant ist aber, dass fast alle SPD- und auch zahlreiche CSU-Kommunalpolitiker in München und den umliegenden Gemeinden nicht auf den Transrapid, sondern auf eine Express-S-Bahn setzen", so Steinbrück weiter. Dies werde von der Staatsregierung schlichtweg ignoriert.
Steinbrücks Einwände gegen die bayerischen Pläne sind auch ein Hinweis an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), den Bayern nicht zu sehr entgegenzukommen. Tiefensee will Mitte September wieder mit seinem bayerischen Kollegen Erwin Huber (CSU) verhandeln.
Tiefensee gilt eher als Transrapidanhänger
Anders als Steinbrück gilt Tiefensee eher als Transrapidanhänger, der bereits angedeutet hat, dass der Bund statt 550 Millionen auch bis zu 925 Millionen Euro, also die Hälfte der Kosten, übernehmen könnte. Voraussetzung sei allerdings, dass auch Bayern seinen angekündigten Anteil von 462 Millionen deutlich erhöhe.
Das wiederum lehnt Huber bislang kategorisch ab - zumal er schon seine bisherige Zusage an die Bedingung geknüpft hat, dass der Bund seinen Anteil auf eben jene 925 Millionen Euro erhöht.
Finanzierungslücke
Selbst wenn es bei den jetzt vorgesehenen Kosten von 1,85 Milliarden Euro bleiben sollte, die Deutsche Bahn wie angekündigt 185 Millionen Euro und möglicherweise auch der Flughafen München 100 Millionen beisteuern sollten, klafft im Finanzierungskonzept also immer noch eine Lücke zwischen knapp 200 Millionen und 800 Millionen Euro.
Huber bemühte sich am Mittwoch erneut, die Öffentlichkeit von den Transrapidplänen zu überzeugen. Eine Stunde lang beantwortete er an einer Telefon-Hotline Fragen von Anrufern aus ganz Bayern.
Viele Transrapid-Kritiker äußerten dabei die Sorge, dass wegen der hohen Kosten der Magnetschwebebahn in anderen Landesteilen beim Nahverkehr gespart werden könnte. Huber erhielt aber auch Unterstützung für den Transrapid-Bau.
Bayerische SPD verlangt erneut Stopp des Projekts
Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget hatte dagegen am Dienstagabend erneut den Stopp des Projekts verlangt. Die Staatsregierung müsse das Vorhaben "schnellstmöglich beerdigen", weil sonst "weiterhin Millionen von Steuergeldern sinnlos verplempert" würden, sagte er am Rande einer Parteikonferenz.
Für seinen Kurs erhielt Maget nach eigenem Bekunden Rückendeckung von allen SPD-Fraktionsvorsitzenden aus Bund und Ländern.
- Transrapid Rechenkünstler Mehdorn 05.09.2007
- Transrapid-Projekt in München Die Zauberformel wirkt nicht mehr 01.09.2007
- Contra-Haltung 5 Gründe gegen den Transrapid 24.08.2007
- Pro-Haltung 5 Gründe für den Transrapid 24.08.2007
(SZ vom 6.9.07)
Berliner Zeitung
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
"eine flughafen express s-bahn mit dem regionalverkehr zu kombinieren verwurschtelt total das konzept fuer den grossteil der nutzer und den vorhaben, Hbf und flughafen moeglichst schnell zu verbinden."
Und wenn ich jetzt einfach mal sage, dass das Konzept in meinen Augen falsch ist? Dass es der falsche Ansatz ist, permanent den Flugverkehr mit seinen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen nachzuäffen und mit roher Gewalt (und immensen Kosten) zu versuchen die Höchstgewschindigkeit in ungeahnte Höhen zu treiben? Dass es wesentlich mehr Sinn ergäbe, existierende Strecken zu beschleunigen, um zum Nutzen ALLER Fahrgäste Zeit zu gewinnen und am Ende auch auf dem Weg zum Flughafen?
Geld kann man nur einmal ausgeben. Und die Transrapidstrecke zum Flughafen bindet Mittel, die m.E. in Netzertüchtigungen weitaus sinnvoller angelegt wären.
Laut Flughafen-Chef Kerkloh soll der Transrapid hauptsächlich Fernverkehrsreisende der Bahn erreichen. Aber für Reisende aus dem Norden und Osten sind Freising und Ostbahnhof näher. Für diese Reisenden bringt der Transrapid nichts. Reisende aus dem Westen warten aber schon lange auf versprochene Ausbauten, für die angeblich kein Geld da ist.
Auch für Reisende entlang der U3/U6, den meines Wissens verkehrsstärksten Linien im U-Bahn-Netz, bringt der Transrapid keinen Vorteil, weil ein weiterer Umsteigevorgang nötig ist.
Die Probleme mit Stammstrecke und Brücken usw. usf. sind LöSBAR, den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt. Ich finde es immer wieder merkwürdig, wie oft von Befürworterseite behauptet wird, irgendwelche Dinge seien nicht lösbar, während es ganz natürlich zu sein scheint, mit den teuersten Sachen durch die Wand zu wollen.
Und ja, es ist eine Frage der Philosophie, wo man am Ende die Zeit gewinnen will. Aber die Vermeidung von Umsteigevorgängen ist wesentlich wichtiger für die Akzeptanz des öffentlichen Verkehrs, als es Höchstgeschwindigkeiten sind (zumindest auf Nah- und Mittelstrecken).
Die ICE-Strecken der letzten Jahre sind übrigens allesamt so konzipiert, dass Sie in Metropolen starten und enden, aber die Fläche links und rechts daneben liegen lassen. Die Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart z.B. nimmt Regionallinien die queren und berühren auf und erlaubt einen beschleunigten Regionalverkehr in die Metropolregionen hinein, zum Nutzen der ganzen Region.
"hallo elidruss", "Lieber er/sie/es elitenverstu...", "geehrte Herrn Zitronenverdruss und co.", "citrussorbet", "schlauberger", "superbirnen", "leiden sie an projektionen" usw. usf. - Sie sind im Irrtum, wenn Sie meinen, dass Sie mit dieser Art des Umgangs einen sachlichen Diskussionsstil fördern. Es erstaunt mich schon, dass Sie sich so leicht angegriffen fühlen, aber nicht zimperlich sind, wenn es darum geht, zu versuchen andere ins Lächerliche zu ziehen, oder ihren Geisteszustand zu bewerten. Lesen Sie doch bitte mal Ihre Beiträge der letzten Tage noch mal im Licht der Vorwürfe, die Sie an mich richten.
Ich habe nie behauptet, dass die Express-S-Bahn-Lösung völlig ohne Probleme wäre. Und ich habe auch nie behauptet, ich könnte sagen, was es am Ende kostet. Ich muss das auch nicht sagen können. Es ist Aufgabe des Landes die Lösungen zu prüfen und vorurteilsfrei gegenüberzustellen. Das ist definitiv bisher nicht passiert, sondern es wurde im Sinne der Technologieförderung ein Einsatzzweck für den Transrapid gesucht, den man mit der Strecke zum Flughafen gefunden zu haben glaubte. Das nenne ich das Pferd von hinten aufzäumen.
Und die Vorteile des Transrapid kann ich ignorieren, denn sie wiegen für mich die Nachteile dieser Lösung nicht auf. Wie ich schon mehrfach gesagt habe. Und ja. Das ist in der Tat eine Meinung. Wie ich zu dieser Meinung komme, versuche ich anhand von Argumenten nachvollziehbar zu machen. Was stört Sie daran?
Ich habe übrigens im Südcafé ein Profil, in dem sämtliche meiner Beiträge nachzulesen sind. Ich spiele mit offenen Karten. Und dort wo ein Zweifel besteht füge ich die von Ihnen bereits bemängelten Attribute "wahrscheinlich" u.ä. ein. Wenn Sie bessere Informationen haben, dann teilen Sie die doch mit! Aber nörgeln Sie nicht nur herum, dass ich meine MEINUNG äußere.
Und wieso "unterstelle" ich Ihnen, Sie wären für den Transrapid. Und in welchem Beitrag habe ich Ihnen das "unterstellt"? Mal abgesehen davon, dass die Dichte und Richtung Ihrer Beiträge diesen Schluss in der Tat nahelegt.
viele ihrer sogennante argumente sind nichts als behauptungen und ihre eigene meinung. darf jeder gerne haben. allerdings: zum thema anbindung des flughafens mit einer was auch immer bahn gibt es sehr viele unterschiedliche moeglichkeiten. fuer sie gibt es nur eine, aber wie die genau ausschaut und was die kostet koennen sie nicht sagen. die probleme einer s-bahnanbindung, auf die ich wie auch einige andere ab und zu mal hingewiesen haben, ignorieren sie. die vorteile des trp ignorieren sie auch. Sie unterstellen mir ich bin fuer den transrapid. nicht ganz richtig. aber ich bin nicht pauschal dagegen. beruflich habe ich selber mit infrastrukturellen planungen zu tun. soviel kann ich ihnen mal sagen: mit ihrer verkehrslogistik liegen sie in einigen punkten ziemlich daneben. eine flughafen express s-bahn mit dem regionalverkehr zu kombinieren verwurschtelt total das konzept fuer den grossteil der nutzer und den vorhaben, Hbf und flughafen moeglichst schnell zu verbinden. und: regionalverkehranbindung gibt es schon mit 2 s-bahnen.genau deshalb, neben einigen anderen gruenden wie die nicht machbare eingliederung in die stammstrecke und horrende umbauten von gerade erst fertig gestellten bruecken hat der freistaat das damalige express s-bahn konzept fallen gelassen. fuer den trp gibt es einige gute argumente, ob sie das wahr haben wollen oder nicht. die frage ist, ob wir das bezahlen wollen oder nicht. im uebrigen habe ich auch rein gar nicht gegen die express s-bahn loesung, wenn diese dann auch funktioniert und nicht mit jeder stoerung des anderen bahnverkehrs lahmgelegt wird.
...."Und Ihr Wohlbefinden ist nicht Grund genug, einen Transrapid in München zu bauen. Und Texte lesen, scheint nicht Ihre Stärke zu sein: Es ist eben nicht nur das Geld der Streitpunkt. Aber wahrscheinlich fällt es Ihnen deswegen so leicht, "Argumente" in Anführungszeichen zu setzen... "
und schon wieder: nichts als vermutungen, und sogar unterstellungen. bevor sie anderen polemik vorwerfen, sollten sie erstmal den eigenenstil verbessern. d.h. vor der eigenen haustuere kehren.
mit besten gruessen
Paging