Traditionsmarke Kodak Ein Deutscher will Kodak retten

Kodak wurde zum Synonym für die schönsten Landschaften und Aussichtsspunkte Amerikas.

(Foto: AFP)

Fotografen liebten die Filme von Kodak, Kodachrome war Kult - bis die digitale Kamera kam. Nun soll die Traditionsmarke aus den USA wieder aufleben - unter der Führung eines ehemaligen Siemens-Managers. Er setzt auf das gedruckte Foto. Geht das gut?

Von Kirsten Bialdiga, Köln

Wenn Miley Cyrus ein Foto von einem Hund twittert, ist das für sie und ihre Fans ein großer Moment. Sie nennt ihn "Kodak Moment". Ein besonderer Augenblick also, der unbedingt im Foto festgehalten werden muss. "Kodak Moment", das ist im Englischen wie Tempo-Taschentuch oder Tesa-Film - ein Produktname, der zum Alltagsbegriff wurde. Jedes Unternehmen wünscht sich das, nur wenige schaffen es.

Kodak hat gleich mehrere davon. "Kodachrome" wurde zum Synonym für den Diafilm, Aussichtspunkte auf die schönsten Landschaften Amerikas heißen offiziell "Kodak Picture Spots". Der Wert dieser Marke ist nicht weit von Coca Cola oder Apple entfernt, den bedeutendsten Brands der Welt. Dabei existiert Kodak gar nicht mehr. Zumindest nicht mehr als das, was es einmal war: ein großer Konzern und eine Legende.

Die Legende möchte Ralf Gerbershagen in das neue Unternehmen Kodak Alaris hinüberretten. Er klingt ein wenig ehrfürchtig, wenn er von der großen Vergangenheit spricht. "Es ist eine sehr emotionale Branche und ein sehr emotionales Unternehmen", sagt der Chef von Kodak Alaris im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, "viele Kunden erzählen auf Anhieb ganz viele Geschichten, die ihr Leben mit der Marke Kodak verbindet."

Kodak Alaris, das ist eine von zwei Nachfolgegesellschaften des US-Konzerns Eastman Kodak mit einst 130 000 Beschäftigten, der nach jahrelangem Niedergang 2012 mit am Ende noch 17 000 Beschäftigten Insolvenz anmelden musste. Das, was nach der Pleite von dieser früheren Eastman Kodak noch übrig ist, trägt den alten Namen weiter und wird sich in Zukunft auf das kommerzielle Druckergeschäft konzentrieren, etwa das Bedrucken von Industrieverpackungen.

Die Hoffnung: Personalisierte Produkte mit aufgedruckten Fotos

Kodak mit dem Namenszusatz Alaris hingegen kümmert sich künftig um das Konsumentengeschäft. Der britische Pensionsfonds Kodak Pension Plan of the United Kingdom (KPP) hatte diesen Teil des Geschäfts vor einem Jahr übernommen. 3400 Beschäftigte wechselten in die neue Gesellschaft, die auf 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz kommt und ihren Sitz im britischen Hemel Hempstead hat. Die gelbe Kodakfotofilmrolle, das Geschäft mit Fotobüchern, das Fotopapier, die Scanner - all das gehört heute zu Kodak Alaris. Was aber das Entscheidende ist: Den Namen "Kodak" darf die neue Firma auf unbegrenzte Zeit nutzen.

"Wir sind ein junges Start-Up-Unternehmen, haben aber einen traditionsreichen Markennamen mit enormer Ausstrahlung - das ist eine unglaubliche Konstellation", sagt Gerbershagen. "Alaris", der Namenszusatz stehe für Beweglichkeit, für eine neue, agile Kodak.

Wie beweglich, das will Gerbershagen in den nächsten Monaten beweisen. In wenigen Tagen schon sollen Kunden in Drogeriemärkten Produkte kaufen können, die mit persönlichen Fotos bedruckt sind: "Sie gestalten Ihr Shampoo mit Ihrem eigenen Foto in der Druckstation direkt im Geschäft und lassen die Shampoo-Flasche damit bedrucken", erläutert Gerbershagen. Eine Weltneuheit sei das - und für Kodak Alaris ein großes Geschäft, hofft er.

Er will die Legende in das neue Unternehmen hinüberretten: Ralf Gerbershagen, Geschäftsführer von Kodak Alaris.

(Foto: PR)

Besonders Tierfreunde könnten Spaß daran finden, Katzenstreu oder Futterdosen mit einem Foto ihres Lieblings zu kaufen - Fotos mit Tieren sind schon jetzt einer der größten Umsatzbringer im Fotobuchgeschäft. Einer der weltweit größten Tierfutterhersteller ist bereits an einer Kooperation interessiert.