Von T. Fromm

Pleiten, Pech und Pannen: Toyota entdeckt beim Vorzeigemodell Prius einen Fehler. Jetzt droht die nächste Rückrufaktion - auch in Deutschland.

Wegen defekter Bremsen stellt sich Toyota auf eine Rückrufaktion für sein Hybridmodell Prius ein - auch in Deutschland. "Zurzeit wird die Situation in Japan und den USA geprüft", sagte Toyota-Deutschlandchef Alain Uyttenhoven der Süddeutschen Zeitung. "Aber wenn es dort zu Rückrufen kommen sollte, wären auch Europa und Deutschland betroffen, denn die Konstruktion ist die gleiche - alle Autos mit den betreffenden Bremsen kommen aus Japan." Spätestens am Mittwoch werde man eine Entscheidung zum Prius-Rückruf vorlegen. Betroffen wären hierzulande dann alle 3500 Fahrzeuge der neuesten Prius-Baureihe, die seit Juni 2009 in Deutschland verkauft wurden. Weltweit wurden seitdem über 300.000 Fahrzeuge des Hybridmodells verkauft - sie alle müssten dann vom Konzern zurückgeholt werden.

Toyota Prius, Foto: Reuters

Die Pannenserie bei Toyota reißt nicht ab. Jetzt soll auch das Hybrid-Auto Prius zurückgerufen werden. (© Foto: Reuters)

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Ursache des Rückrufs: Bei Prius-Modellen, die vor Januar 2010 hergestellt wurden, kann es auf rutschigen Straßen zu einer spürbaren Verzögerung kommen, bevor die Bremse effizient arbeitet. Zunächst hatte es lediglich geheißen, der Konzern wolle das Bremsproblem beim Prius über einen freiwilligen Servicedienst in den Griff kriegen. Doch dann geriet der Konzern in diesen Tagen immer stärker unter Beschuss.

Für Toyota ist dies der nächste empfindliche Tiefschlag nach einer ganzen Reihe von technischen Pannen. Im vergangenen Herbst mussten die Japaner zurückrufen, weil sich Fußmatten in Gaspedalen verfangen hatten. Seit Mitte Januar nun muss der Konzern über acht Millionen Fahrzeuge weltweit wegen klemmender Gaspedale zurückrufen, allein 1,8 Millionen davon in Europa.

Rasche Hilfe versprochen

Dass nun auch der Prius wegen eines Bremsproblems von Rückrufen betroffen sein dürfte, trifft den Konzern mitten ins Mark: Der Hybrid-Wagen ist das Vorzeigemodell der Japaner und war 1997 als erstes Hybridfahrzeug der Welt in Serie gebaut worden. Für den Konzern wachsen sich die Probleme damit immer mehr zu einem Desaster aus: Die Kosten, von der Konzernzentrale in Tokio auf 1,4 Milliarden Euro geschätzt, dürften Analysten zufolge weit über zwei Milliarden Euro liegen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stellte die bislang hervorragende Qualitätsnote von Toyota daher jetzt unter Beobachtung.

Uyttenhoven verspricht den 216.000 Toyota-Kunden in Deutschland, deren Autos in diesen Tagen wegen defekter Gaspedale in die Werkstätten müssen, rasche Hilfe. Toyota will das Problem mit Hilfe eines kleinen Teils, das in das Gaspedal eingebaut wird, beheben. Diese Arbeit soll 30 Minuten dauern. "In der nächsten Woche werden 56.000 dieser Ersatzteile nach Deutschland geliefert", sagt Uyttenhoven. "In der übernächsten Woche werden es 90.000 Bauteile sein, mit denen die Gaspedale modifiziert werden können."

Inzwischen schlagen sich die anhaltenden technischen Probleme auch schwer auf das Geschäft nieder. Ende Januar brach der Absatz in den USA - und auch in Deutschland - nach Worten Uyttenhovens um 20 Prozent ein. Viele Branchenexperten sehen hinter der Häufung der technischen Probleme inzwischen handfeste Management-Fehler. Der Konzern sei zu schnell gewachsen, heißt es - auf Kosten der Qualitätssicherung. Deutschland-Chef Uyttenhoven zufolge werde sich Toyota in Tokio in den kommenden Tagen seine "Managementstruktur genau anschauen". Dabei werde eine neue Strategie gesucht, mit der "solche Vorfälle in Zukunft ausgeschlossen" werden. "Ich denke, dass das Unternehmen in der zweiten Februarhälfte darüber informieren wird." Toyota habe "nun die Gelegenheit, das Thema ein für allemal vom Tisch zu kriegen", sagte der Manager.

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(SZ vom 08.02.2009/tob)