SZ: In manchen deutschen Urlaubsgebieten scheint die Zeit vor 30 Jahren stehen geblieben zu sein. Was muss sich ändern?

Harald Pechlaner; oH

Harald Pechlaner ist Tourismusforscher an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (© Foto: oH)

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Pechlaner: Da gibt es einige traditionelle Ferienregionen, die werden entweder die Kurve kratzen oder sie werden aus dem Markt ausscheiden. Mancherorts gibt es schlicht zu wenig Übernachtungsangebote, um ein attraktives Reiseziel sein zu können. Oft werden Hotels oder Pensionen nicht professionell geführt. Oder sie sind zu klein, um sie heute noch wirtschaftlich betreiben zu können. Oder sie haben nicht regelmäßig modernisiert.

SZ: Kann die niedrigere Mehrwertsteuer für Übernachtungen mittelständischen Hoteliers dabei helfen, endlich wieder zu investieren?

Pechlaner: Das ist eine Chance. Gute Unternehmer mit hohem Potenzial werden sie zu nutzen verstehen. Die anderen werden weitermachen, wie bisher.

SZ: Wie lange können sich Reisebüros der Konkurrenz von direkten Buchungen bei Veranstaltern, Fluggesellschaften und Hotels im Internet erwehren?

Pechlaner: Unabhängige Reisebüros haben keine Probleme, wenn sie ein spezialisiertes Angebot und damit tatsächlich eine Dienstleistung bieten, für die der Kunde etwas zu zahlen bereit ist. Eine professionelle Beratung gehört dazu. Je exotischer das Reiseland, um so gefragter ist die Kompetenz des Reisebüros. Das reine Vermitteln von überall erhältlichen Paketen wird wohl künftig zu wenig sein. Das findet dann im Internet statt.

SZ: Die Touristikindustrie selbst betont nicht immer ihre Kompetenz und Qualität, sondern oft das Sonderangebot. Keine Reise ohne Schnäppchenpreise - sind touristische Leistungen zur Billigware verkommen?

Pechlaner: Reisen werden heute über alle möglichen Vertriebssysteme vermarktet. Das führt zu einer stärkeren Industrialisierung des Tourismus-Sektors. Generell ist den Reiseveranstaltern schon klar, dass starke Preissenkungen es schwerer machen, in der Zukunft auch wieder einmal höhere Preise verlangen zu können. Daher bieten sie mehr Leistung fürs gleiche Geld und kommunizieren viel stärker als früher, was der Kunde dafür bekommt: eine Reise, die im wahrsten Sinne des Wortes preiswürdig ist.

SZ: Was heißt preiswürdig? Eine Woche in die Türkei oder nach Ägypten mit Flug und Vollpension für 499 Euro - kann das noch die schönste Zeit des Jahres werden?

Pechlaner: Die schönste Zeit des Jahres definiert sich eben nicht nur über den Preis. Was zählt, ist das Verhältnis von Preis und Leistung. Wenn das Paket keine hohe Qualität verspricht, wäre es wohl etwas zu viel erwartet, auf die schönste Zeit des Jahres zu hoffen. Der Kunde ist heute reiseerfahren. Er hat eine hohe Sensibilität für Preise, aber auch für die Qualität der Leistung. Beides muss stimmig sein. Wer dies als Reiseveranstalter vermitteln kann, der wird zu den Gewinnern zählen.

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(SZ vom 07.01.2010/mikö)