Tod von Warsteiner-Chef Albert Cramer Immer gegen den Strom

Er veränderte den deutschen Biermarkt, machte Warsteiner zum nationalen Marktführer. Nun ist der Chef der Biermarke, Albert Cramer, im Alter von 69 Jahren gestorben.

Von Stefan Weber

Bundesweit für eine Biermarke zu werben - das war in den Siebzigerjahren eine gewagte Sache. Brauereien verkauften ihre Erzeugnisse damals in der Regel nur rund um den eigenen Kirchturm oder allenfalls ein wenig darüber hinaus. Da bedurfte es keiner überregionalen Werbeaktionen. Ein junger Unternehmer aus dem Sauerland sah das anders: Albert Cramer, damals Juniorchef der familieneigenen Warsteiner-Brauerei. Er hat den deutschen Biermarkt verändert.

Cramer hatte gerade sein Betriebswirtschaftsstudium in Köln abgeschlossen und kurz für die Unternehmensberatung Kienbaum gearbeitet, als er 1968 im Alter von erst 25 Jahren in die von seinem Vater und dessem Neffen geführte Brauerei eintrat. Warsteiner war damals eine der wenigen Großbrauereien in Deutschland, mit einem Bierausstoß von mehr als 300.000 Hektolitern. Da hielt es der Juniorchef für eine gute Idee, die Marke bundesweit aufzupolieren. Er entschied sich für den Slogan: "Das einzig Wahre". Warsteiner wurde zum nationalen Marktführer.

Der Erfolg machte Cramer, inzwischen Alleineigentümer und persönlich haftender Gesellschafter, Mut, auch im Ausland zu investieren. Mit internationalen Tochterunternehmen wollte er die Gruppe ausbauen. In Buenos Aires ließ er sogar eine neue Brauerei errichten. Doch gegen die Übermacht der internationalen Konzerne war der Familienunternehmer chancenlos. Vor ein paar Jahren beendete Warsteiner das Abenteuer Argentinien und verkaufte die Brauerei. Und auch auf dem deutschen Markt ist es für die Privatbrauerei aus dem Sauerland, die 2300 Mitarbeiter beschäftigt und gut 520 Millionen Euro umsetzt, zuletzt schwieriger geworden. Wie die gesamte Branche kämpft sie gegen den rückläufigen Bierabsatz.

Die Strategie ist seit einigen Jahren vorrangig Aufgabe von Cramers Tochter Catharina, 34. Der Senior hatte sie im Alter von 28 Jahren zur geschäftsführenden Gesellschafterin gemacht. Er regierte zwar weiter mit, aber die Entscheidungen trugen zunehmend die Handschrift der Tochter. Cramer sorgte auch immer wieder wegen juristischer Querelen für Schlagzeilen. Der Zwist mit einem ehemaligen Generalbevollmächtigten, der einen Machtkampf mit Catharina Cramer verloren hatte, beschäftigte monatelang die Gerichte.

Nur wenige Eingeweihte wussten, dass es um den Warsteiner-Chef gesundheitlich nicht zum Besten stand. Bei einer Ehrung seiner Heimatstadt Warstein vor fünf Wochen hatte der begeisterte Ballon-Pilot schon nicht mehr teilnehmen können. Am Dienstag ist Albert Cramer im Alter von 69 Jahren gestorben.