SZ: Wird Hartmut Mehdorn gehen müssen?

Der Börsengang der Deutschen Bahn ist erst einmal vom Tisch. (© Foto: AP)

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Tiefensee: Ich will, dass sich die Bahn für die Kunden, aber auch für die Mitarbeiter zu einem noch stärkeren Unternehmen entwickelt. Daran muss sich alles messen lassen.

SZ: Bis vorigen Herbst gab es noch ein anderes Thema, den Börsengang. Die Finanzkrise hat ihn vereitelt, jetzt wächst in der SPD grundsätzlicher Widerstand gegen die Privatisierung. Was sagen Sie Ihren Genossen?

Tiefensee: Der Börsengang war nie Selbstzweck, er war ein Instrument. Wir hatten ungefähr fünf Milliarden aus dem Verkauf erwartet, damit wollten wir die Bahn starkmachen. Ein Teil sollte in das Eigenkapital fließen, ein Teil in die Sanierung von Bahnhöfen und in den Lärmschutz. Das alles erreichen wir nun anders. Wir werden aller Voraussicht nach der Bahn eine Eigenkapitalspritze aus dem eigenen Gewinn geben können, und werden aus dem Konjunkturpaket 1500 kleine und mittlere Bahnhöfe sanieren und den Lärmschutz verbessern. Diese Ziele sind also weitgehend erreicht. Und die Finanzkrise wirkt fort. Aus meiner Sicht steht ein Börsengang deshalb nicht mehr auf der Agenda. Und ich denke, er sollte auch in der nächsten Legislaturperiode nicht weiter verfolgt werden.

SZ: Aber warum wollen Sie die Privatisierung dann nur bis 2013 ausschließen und nicht komplett?

Tiefensee: Niemand kann in alle Zukunft schauen, deshalb dürfen wir Wege nicht völlig verbauen. Es muss später möglich sein, Entscheidungen zu überdenken.

SZ: Die Strategie der Bahn wäre damit erst einmal dahin, die war klar am Börsengang ausgerichtet.

Tiefensee: Wir werden immer wieder strategische Ausrichtungen überdenken müssen. Das ist unsere verkehrspolitische Verantwortung. Die Herausforderung liegt darin, den europäischen Wettbewerb zu bestehen, der 2010 noch einmal härter wird durch die Öffnung der Märkte. Die Bahn ist dafür gut aufgestellt. Und die Börsentauglichkeit heißt ja im Umkehrschluss nur, dass es sich um ein starkes Unternehmen handelt. Dafür arbeiten wir hart.

SZ: Für Bahnchef Mehdorn ist das bitter, der Börsengang war sein großes Ziel, sein Vertrag wurde eigens bis 2011 verlängert. Kann er unter diesen Bedingungen noch sinnvoll weiterarbeiten?

Tiefensee: Ein Vorstandsvorsitzender ist den Zielen des Unternehmens und natürlich der strategischen Ausrichtung des Eigentümers verpflichtet. Wenn die Ziele auf anderem Wege erreicht werden können, sollte er sich dem beugen.

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(SZ vom 14./15.03.2009/mel)