Von Kristina Läsker

Konzertkarten sind immer teurer geworden - manchen Kunden zu teuer. Der Ticketverkäufer CTS reagiert nun auf den Boykott der Fans.

Der Besuch von Popkonzerten ist teuer geworden, doch zumindest in diesem Jahr können die Fans darauf hoffen, nicht noch tiefer ins Portemonnaie greifen zu müssen. "Ich glaube, dass 2008 die Preise für Eintrittskarten nicht steigen werden", sagt Klaus Schulenberg. Der Unternehmer leitet den Tickethändler und Konzertveranstalter CTS Eventim - und holt dieses Jahr Stars wie Bon Jovi, Bruce Springsteen, Elton John, Santana, Céline Dion und Mark Knopfler nach Deutschland.

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Mick Jagger bei einem Auftritt der Rolling Stones: Zuletzt musste die Band vor nicht ausverkauften Rängen spielen. (© Foto: Reuters)

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Hoffen auf die Einsicht der Künstler

Die Tourneen dürften für die Sänger aber nicht immer lukrativ sein: So mussten zuletzt sogar Bands wie die Rolling Stones oder Police vor nicht ausverkauften Rängen spielen - viele Fans boykottierten die teuren Auftritte. "Wir hoffen auf die Einsicht der Künstler", sagt Schulenberg - und das zeigt, wie sehr die Popstars zuletzt Druck gemacht haben auf die Konzertveranstalter.

Denn die Spielregeln der Branche haben sich geändert: Inzwischen geben nicht nur die deutschen Fans fast doppelt so viel Geld für Konzerttickets aus wie für CDs. Um die Verluste bei den Tonträgern wettzumachen, fordern die Künstler weit höhere Gagen für Auftritte. Und das hat die Preise für Konzertkarten zuletzt heftig verteuert - und treibt auch die Umsätze der Tickethändler wie CTS. Aber nicht unbedingt deren Gewinnmargen - was sich auch in der Bilanz 2007 der börsennotierten Firma widerspiegeln dürfte, doch Schulenberg will noch keine Zahlen nennen.

Der größte Konzertveranstalter der Welt, Live Nation, beschreitet daher neue Wege: Kürzlich warb das US-Unternehmen den Altstar Madonna vom Musiklabel Warner Music ab - und liefert der Künstlerin nun ein Rundum-um-glücklich-Paket. Etwa 120 Millionen Dollar zahlt Live Nation an Madonna und darf sie zehn Jahre lang komplett vermarkten. Vom Vertrieb neuer CDs, über Tourneen bis hin zum letzten Fan-T-Shirt. Das ist ein Novum und Live Nation macht den Tonträgerfirmen damit ernsthafte Konkurrenz.

Umsatzschub durch neue Kooperation erhofft

Die Bremer CTS will aber keine Künstler komplett vermarkten: "Wir planen das nicht", sagt Firmenchef Schulenberg. Schließlich erhöhten solche Vereinbarungen auch das Risiko, "wenn ein Künstler nicht läuft". Dennoch wird bei CTS über neuen Erlösquellen gebrütet: "Wir werden im Internet einen Music-Download anbieten."

Zunächst erhofft sich der Ticketvermarkter einen Umsatzschub in diesen schwierigen Zeiten durch eine neue Kooperation mit Live Nation: Der US-Konzertveranstalter soll von 2009 an die Ticketverkaufs-Software von CTS nutzen. CTS erhält im Gegenzug eine Provision für jede verkaufte Karte. In Europa übernimmt CTS den Vertrieb der Konzertkarten für Live Nation und kriegt den Fuß in die Tür in vielen europäischen Märkten. Durch die auf zehn Jahre angelegte Zusammenarbeit sei bis 2014 mit zusätzlichen Erlösen von 100 bis 120 Millionen Euro pro Jahr zu rechnen. Zudem will Schulenberg jedes Jahr bis zu 60 Millionen Tickets mehr verkaufen - störrische Künstler hin oder her.

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(SZ vom 15.01.2008/sma)