Ticketfirma Eventim Alleinunterhalter

CTS Eventim verkauft Tickets für 200 000 Veranstaltungen - auch für die Konzerte von Udo Lindenberg dieses Jahr. Das Bild stammt von 2012.

(Foto: dpa)
  • Das Kartellamt hat ein Verfahren gegen den Ticketvermarkter CTS Eventim eingeleitet. Hintergrund ist laut Behörde der mögliche Missbrauch einer markbeherrschenden Stellung.
  • Die Firma ist Europas größter Vermarkter von Veranstaltungen. Das Unternehmen beteuert, es wende keine unlauteren Methoden an.
Von Caspar Busse

Bier, Kaffee, Benzin, Süßwaren, Lebensmittel - die Beamten aus dem Bundeskartellamt haben sich in den vergangenen Monaten öffentlichkeitswirksame Branchen vorgenommen. Und das durchaus mit Erfolg. Alleine im vergangenen Jahr hat die Wettbewerbsbehörde Strafen in Höhe von rund einer Milliarde Euro verhängt, das ist Rekord. Viele haben die Härte der Kartellwächter zu spüren bekommen: die großen Brauereien etwa, die nach den Ermittlungen der Behörde ein Kartell zum Nachteil der Verbraucher gebildet hatten, die Zuckerhersteller, die ihre Preise abgesprochen haben sollen, oder der Internethändler Amazon, dem bestimmte Preispraktiken auf seinem Marketplace (Best-price-Klauseln) untersagt wurden.

"Wettbewerbsschutz ist der beste Verbraucherschutz", sagt Kartellamtspräsident Andreas Mundt, 54, immer wieder. Der fröhliche Rheinländer führt die Behörde, die ihren Sitz im ehemaligen Bundespräsidialamt in Bonn hat, seit Ende 2009 - und er konzentriert sich besonders auf öffentlichkeitswirksame Fälle. Die Arbeit der Wettbewerbshüter soll sich unmittelbar für die Verbraucher bezahlt machen.

Hundert Millionen Eintrittskarten für 200 000 Veranstaltungen

Jetzt haben sich Mundts Leute eine besonders komplizierte Branche vorgenommen, nämlich den Verkauf von Konzert- und Veranstaltungstickets. Das Kartellamt hat ein Verfahren gegen Europas größten Ticketvermarkter CTS Eventim eingeleitet. Hintergrund sei der mögliche Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung, sagte ein Sprecher der Behörde. Es handele sich nicht um ein Bußgeld-, sondern um ein Verwaltungsverfahren, betonte er. Es gebe "unterschiedliche Vorwürfe". Dabei würde vor allem die kartellrechtliche Zulässigkeit der Geschäftspraktiken von CTS Eventim geprüft und gegebenenfalls beanstandet, eine Strafe ist dabei nicht vorgesehen.

Das Ticket-Thema hat jedenfalls Breitenwirkung: Wer ärgert sich nicht über angeblich zu hohe Preise oder unangemessene Nebenkosten?

CTS Eventim ist einer der Großen der Branche und wächst seit Jahren rasant. Zuletzt wurden über die Systeme von CTS rund hundert Millionen Eintrittskarten für rund 200 000 Veranstaltungen vermarktet. Konzerte von Weltstar Rihanna über Schlagersängerin Helene Fischer bis zur Hip-Hop-Band Deichkind, Comedy-Veranstaltungen von Mario Barth oder Cindy aus Marzahn, Fußballspiele, Musicals - fast alles hat CTS Eventim im Angebot. Die Geschäfte laufen prächtig: Der Umsatz lag zuletzt europaweit bei 628 Millionen Euro mit 1800 Mitarbeitern, der Gewinn vor Zinsen und Steuern erreichte immerhin 111 Millionen Euro. Die Aktie ging in den vergangenen Monaten nach oben.

Vor kurzem stieg die Firma bei "Holiday on Ice" ein

Auslöser für die jüngsten Ermittlungen seien Informationen aus Fusionsprüfungen unter Beteiligung von CTS Eventim in der Vergangenheit gewesen, heißt es in Bonn. Die Ermittlungen, die bereits im November aufgenommen wurden, liefen, derzeit würden die sichergestellten Unterlagen ausführlich geprüft. Zudem werden weitere Marktteilnehmer kontaktiert und um Informationen gebeten. Wie lange das Verfahren dauern wird, sei genauso offen wie der Ausgang.

Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef, Mehrheitsaktionär und Gründer von CTS Eventim, wies alle Beschuldigungen weit von sich. "Es ist allgemein bekannt, dass wir in Deutschland eine sehr gute Marktposition haben", teilte Schulenberg am Montag mit und fügte an: "Wir sind Technologie- und Innovationsführer, und können uns daher gegenüber unseren Wettbewerbern häufig durchsetzen- und genau das ist die Natur des freien und fairen Wettbewerbs. Unlautere Methoden wenden wir nicht an." Die rechtlichen Rahmenbedingungen seien in jeder Hinsicht eingehalten worden, betonte das Unternehmen. Sämtliche Fragen des Kartellamts seien bisher vollständig und fristgerecht beantwortet worden.

CTS Eventim verkauft Tickets, und betreibt dafür auch mehrere Online-Plattformen. Aber inzwischen hat die Firma expandiert, es gibt einen zweiten großen Bereich. Es werden Konzerte, Tourneen oder Festivals geplant, organisiert und abgewickelt. Zur Gruppe gehört etwa die Konzerthalle Hammersmith Apollo in London, es werden die Lanxess-Arena in Köln mit 20 000 Plätzen sowie das Tempodrom und die Waldbühne in Berlin betrieben. Vor ein paar Monaten stieg die Firma bei der traditionsreichen Eiskunstlauf-Show "Holiday on Ice" ein. Bekannt wurde CTS Eventim unter anderem, als die Firma die gesamten Tickets zum "Sommermärchen" der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vermarktete. Auch die Eishockey-WM 2017 in Deutschland und Frankreich wird betreut.