Der "eiserne Ekki" bleibt länger: Thyssen-Krupp-Chef Schulz soll weitere zwei Jahre den größten deutschen Stahlkonzerns leiten. Mit seinen dann 66 Jahren ist er zwar daxweit ein Oldie - aus Sicht des Konzerns jedoch ein Jungspund.
Ekkehard Schulz hat einen ganz besonderen Tag hinter sich: Voller Genugtuung durfte der Chef des Stahl- und Industriekonzerns Thyssen-Krupp erleben, wie die Aktionäre dem "eisernen Ekki" und seiner Geschäftspolitik bei der Hauptversammlung teilweise überschwänglich Lob zollten. Eher nüchterne Worte fand dagegen der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme, als er mitteilte, dass der Chefvertrag von Schulz um zwei Jahre bis zum Jahr 2011 verlängert wird.
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Schulz ist 66 Jahre und wird bei Ausscheiden mit Abstand der älteste Führer eines Dax-Konzerns sein. In der Thyssen-Krupp-Welt, wo der 94 Jahre alte frühere Krupp-Testamentsvollstrecker Berthold Beitz als Regent der Krupp-Stiftung in kerzengrader Haltung der Hauptversammlung folgte, gelten aber besondere Maßstäbe. Jedenfalls begrüßte Cromme, selbst 64 Jahre alt, Henkel-Chef Ulrich Lehner, der mit knapp 62 Jahren beim Düsseldorfer Chemiekonzern an der Grenze zur Pensionierung steht, als "jungen Mann".
Schulz, der seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 zunächst gemeinsam mit Gerhard Cromme und seit 2001 den Konzern alleine führt, hatte die Gruppe systematisch umgebaut und auf das internationale Geschäft ausgerichtet. Seit der Fusion wurden Unternehmen oder Beteiligungen mit einem Umsatz von 9,1 Milliarden Euro verkauft und solche mit Umsätzen von 8,2 Milliarden Euro erworben. Inzwischen hat Schulz deutlicher auf Expansion umgeschaltet.
Milliardenschweres Investitionsprogramm
Der Konzern setzt in den kommenden Jahren ein Investitionsprogramm mit einem Volumen von bis zu 20 Milliarden Euro um. Davon ist bereits annähernd ein Viertel fest verplant. Fast sieben Milliarden Euro steckt Thyssen-Krupp in den Ausbau seiner Stahlkapazitäten. So wird in Brasilien ein neues Stahlwerk mit einer Kapazität von fünfMillionen Tonnen gebaut. Drei Millionen Tonnen Stahlblöcke sollen von 2009 an zur Weiterverarbeitung in die USA geliefert werden. Die Warm- und Kaltwalzanlagen sowie Beschichtungslinien werden im US- Bundesstaat Alabama gebaut. Spatenstich für ein Stahl- und Edelstahlwerk war im November.
Die Umsetzung dieser Wachstumsstrategie kann der Stahlmann Schulz, der seine Industriekarriere 1972 bei Thyssen begonnen hatte, mit der Vertragsverlängerung noch selbst bewerkstelligen. "Der eiserne Ekki wird Industriegeschichte schreiben", freute sich da ein Aktionär. Außerdem verschafft die Verschiebung des Generationenwechsels Beitz und Cromme Luft bei der Klärung der Schulz-Nachfolge. Um die Spitzenposition im Konzern buhlen gleich drei Chefs der großen Sparten Stahl, Industriegüter und Industriedienstleistungen.
Mit Hilfe des Expansionsprogramms strebt Thyssen-Krupp bis 2010 ein Umsatzniveau von 60 Milliarden Euro an. Nach Inbetriebnahme der Großprojekte sollen die Erlöse von 2012 an 65 Milliarden Euro erreichen. Im Geschäftsjahr 2006/2007, das bei Thyssen-Krupp am 30. September endete, setzte der Konzern 51,7 Milliarden Euro um. Zum fünften Mal in Folge wurde der Gewinn verbessert. Schulz musste aber einräumen, dass der Konzern in diesem Jahr schlechter abschneiden wird. Das Ergebnis vor Steuern liege im ersten Quartal bei 700Millionen Euro, so der Konzern. Im Vorjahreszeitraum betrug es noch 1,062Milliarden Euro. Die Dividende soll aber bei 1,30 Euro bleiben.
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(SZ vom 19./20.01.2008/mah)
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