Therapien für Spielsüchtige Zocken ist im Grunde nicht heilbar

Der Fall Hoeneß lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das weit verbreitet ist.

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Der Fall Hoeneß lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das weit verbreitet ist: 185.000 Menschen in Deutschland zeigen ein pathologisches Spielverhalten. Dem Geschäftsführer der Landesstelle für Glücksspielsucht in Bayern kommt Hoeneß' Handeln bekannt vor.

Von Harald Freiberger, Frankfurt

Das Interview, das Uli Hoeneß der Zeit gegeben hat, zieht sich über vier Seiten hin. Es gibt darin einige Stellen, die für Menschen wie Konrad Landgraf besonders interessant sind. Er ist Geschäftsführer der Landesstelle für Glücksspielsucht in Bayern. Das ist eine Einrichtung mit 24 Stellen im Freistaat, an die sich Spielsüchtige wenden können. Sie werden dort beraten, bekommen Therapieplätze vermittelt.

"In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind. Das war der Kick, das pure Adrenalin", sagt Hoeneß an einer Stelle. Und an einer anderen: "Ich habe Tag und Nacht mit der Bank telefoniert, die haben ja alle so Nightdesks, wegen der Zeitverschiebungen, das geht rund um die Uhr. Die Sicherheiten der Bank müssen ja 24 Stunden gelten, wenn es aber in Asien nachts extreme Bewegungen gibt, wirst du trotzdem rausgeschossen."

Oder: "Ich habe einen kleinen Börsenpager, auf dem kann ich die Kurse kontrollieren. Manchmal war es sogar im Fußballstadion so, wenn das Spiel ein bisschen langweiliger war, habe ich heimlich auf meinen Pager geschielt."

Isolation, Schlaflosigkeit, psychischer Zusammenbruch

Es sind solche Stellen, die Landgraf aus seiner Berufspraxis bekannt vorkommen. Sie lassen ihn an einen Katalog denken, zehn Symptome, mit denen sich feststellen lässt, ob jemand spielsüchtig ist. Beispiele: Der Spieler muss seinen Einsatz ständig steigern, um den gewünschten Nervenkitzel zu erreichen. Er will erlittene Verluste mit aller Gewalt wieder hereinholen. Er spielt, um schlechte Stimmung zu vertreiben.

Er kann nicht abschalten, muss es dauernd tun oder daran denken. Im fortgeschrittenen Stadium schwindelt er Angehörige an, um weiterspielen zu können. Am Ende stehen illegale Handlungen, um die Sucht zu finanzieren, Isolation, Schlaflosigkeit, psychischer Zusammenbruch.

Hoeneß wird in dem Interview gefragt, ob er sich für süchtig hält. "Ich halte mich nicht für krank, wenn Sie das meinen", sagt er. "Zumindest heute nicht mehr. Sollte ich vor Gericht müssen, erschiene ich nicht als kranker Mann. Ein paar Jahre lang war ich wohl nah dran. Aber inzwischen halte ich mich für kuriert." Sein Sohn Florian, der bei dem Interview dabei war, merkt dazu an: "Ich darf sagen, dass die Familie dies ein bisschen anders sieht."

Der Fall Hoeneß lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das weit verbreitet ist: Nach Studien zeigen 185.000 Menschen in Deutschland ein pathologisches Spielverhalten. Das bedeutet, dass sie mehr als fünf der zehn Symptome erfüllen. Bei 238.000 Menschen ist das Verhalten problematisch, bei ihnen treffen zwei bis vier Symptome zu.

Prantls Politik zum Fall Hoeneß Vorverurteilung wie ein Tsunami

Uli Hoeneß ist zurecht empört: Denn auch eine Selbstanzeige kann nicht dazu führen, dass das Steuergeheimnis nicht mehr gilt. Die undichte Stelle muss dringend gefunden werden. Denn auch ein Prominenter darf nicht auf diese Weise vorverurteilt werden.

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