Textilindustrie in Bangladesch Sicherheitsmängel in allen Fabriken

Überlebende des Fabrikeinsturzes in Bangladesch vor 18 Monaten: 1127 Menschen kamen dabei ums Leben

(Foto: dpa)

Vor 18 Monaten stürzte in Bangladesch eine Textilfabrik ein. Seitdem stieg der Druck auf die Bekleidungshersteller. Nun wurden die Produktionsstätten kontrolliert - mit erschreckendem Ergebnis.

Von Caspar Dohmen, Berlin

Unter welchen erbärmlichen Bedingungen Menschen in den Textilfabriken in Bangladesch arbeiten, interessierte lange Zeit kaum jemand. Dann starben Ende April 2013 bei einem Fabrikeinsturz 1127 Menschen, mehr als 2400 wurden verletzt. Gewerkschaften und Konsumentengruppen machten Druck.

Die Bekleidungshersteller, die in Bangladesch fertigen lassen - und das sind fast alle Modefirmen der Welt - reagierten mit der Gründung zweier Vereinigungen, die die Arbeitssicherheit und die von Gebäuden ihrer Lieferanten prüfen sollten. Bangladesch ist hinter China zweitgrößten Textilexporteur.

"Wir haben in allen Fabriken Sicherheitsmängel gefunden"

Europäische Firmen wie H&M, Adidas, Benetton oder Aldi riefen ein Bündnis ins Leben, den "Bangladesh Accord on Fire and Building Safety", dem mittlerweile 189 Firmen angehören. Jetzt wurden die geplanten Inspektionen durchgeführt, die Ergebnisse sind erschreckend.

"Wir haben in allen Fabriken Sicherheitsmängel gefunden", sagte Braid Loewen, Chefinspektor beim "Bangladesh Accord". Es gebe mehr als 80 000 Sicherheitsmängel in 1106 inspizierten Fabriken, teilte das Bündnis am Dienstag mit. Dazu zählen Baumängel oder fehlende Feuerschutzeinrichtungen.

Bereits im Juli hatte die von amerikanischen Unternehmen wie Walmart oder Gap dominierte Vereinigung The Alliance for Bangladesh Worker Safety (26 Firmenmitglieder) ihre Inspektionen in 587 Fabriken abgeschlossen.

In mehr als 40 Fabriken sind die Sicherheitsmängel so groß, dass Inspektoren einer der beiden Organisationen eine vorübergehende Schließung empfohlen haben. Die Entscheidung trifft jedoch eine nationale Behörden. Sie hat bislang weniger als die Hälfte dieser Fabriken geschlossen. Beispielhaft ist der Streit um die Stärke und Belastbarkeit des Betons, mit dem Gebäude vor dem Jahr 2005 gebaut wurden.

Kontrolleure des Accord schätzen dessen Tragkraft geringer ein als die Berater der staatlichen Stellen von der Hochschule für Ingenieurwesen und Technologie in Bangladesch.

Wie lassen sich die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie verbessern?

Ende April 2013 starben bei einem Fabrikeinsturz in Bangladesch mehr als 1000 Menschen, mehr als 2400 wurden verletzt. Nach dieser Katastrophe sollten die vielen Sicherheitsmängel in den Textilfabriken behoben werden, doch aktuelle Kontrollen zeigen: Es ist wenig passiert. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Ob die Kontrollen die Sicherheit für die vier Millionen Beschäftigten in der Textilindustrie des Landes verbessern, hängt von der Umsetzung der Empfehlungen ab. Inspektionen seien der einfache Part, nun komme der harte Teil, sagte Ian Spaulding, Berater bei der Alliance. Die entscheidende Frage ist, ob die Fabrikbesitzer mitziehen. Das Bündnis veranschlagt die notwendigen Investitionen für die Behebung der Mängel auf durchschnittlich 250 000 Dollar je Fabrik. Laut Accord können die Kosten bei einzelne Fabriken sogar bei einer Million Dollar liegen.