Allerdings verändert sich derzeit die Kalkulation aller Textilhändler, weil Baumwolle teurer wird. Bisher war der Rohstoff vor allem deswegen günstig, weil die 30.000 Baumwollbauern in den Vereinigten Staaten auf immer mehr Flächen die Pflanze angebaut haben. Für sie lohnte sich das, weil sie durchschnittlich etwa 10.000 Dollar monatlich vom Staat an Subventionen erhielten. Das Nachsehen aber hatten die Baumwollbauern in anderen Anbauregionen, beispielsweise in den westafrikanischen Ländern Mali und Burkina Faso.

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Anbau und Ernte müsste hier eigentlich unschlagbar günstig sein, weil die Bauern in der Sahelzone alles mit der Hand machen; sie brauchen keine teuren Maschinen zu finanzieren. Trotzdem reichten die Einnahmen für viele Bauern kaum zum Überleben, viele haben sich sogar überschuldet. Jahrelang haben die Baumwollländer Afrikas, teilweise gemeinsam mit anderen Anbauländern wie Brasilien, faire Welthandelsbedingungen für die Baumwolle gefordert, beispielsweise bei der WTO - jedoch erfolglos.

Jetzt sieht die Lage plötzlich rosiger aus: Die Baumwollpreise haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Anfang Januar wurde eine Tonne Baumwolle an der New Yorker Börse mit 150 Dollar gehandelt - ein 30-Jahres-Preishoch. Dafür gibt es einige Gründe: Missernten in wichtigen Anbauländern, vor allem in Pakistan; hier hat die verheerende Flutkatastrophe einen Großteil der Ernte vernichtet.

Zwischenzeitlich hat Indien dann auch noch einen Ausfuhrstopp verhängt, um seine eigene Textilindustrie zu schützen. Wegen der niedrigen Erlösmöglichkeiten hatten die Bauern ohnehin schon auf weniger Feldern Baumwolle angebaut. Stattdessen pflanzen sie lieber Zuckerrohr für die Produktion von Treibstoff (Ethanol) an.

Das niedrigere Angebot trifft auf eine höhere Nachfrage, vor allem weil Verbraucher in Schwellenländern wie China und Indien mehr Baumwollwaren kaufen, ob Kleidung oder Bettwäsche. Letztendlich bedeutet dies: Heute kostet die für ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle benötigte Menge etwa einen Euro, wenn es überhaupt noch welche zu kaufen gibt. Schließlich ist die weltweite Baumwollernte der aktuell verfügbaren Erntesaison 2010/11 schon fast ausverkauft.

Biobaumwolle nur ein Nischenprodukt

Dies hat das International Cotton Advisery Committee (ICAC) in Washington mitgeteilt. Die Situation einer hohen Nachfrage und eines knappen Angebots lockt Spekulanten, von denen manch einer ohnehin gerne momentan in Rohstoffe investiert. Verärgert sind traditionelle Abnehmer des Rohstoffs, wie Hersteller von Textilien. "Die Preissteigerungen im Baumwollbereich sind überhaupt nicht kalkulierbar. Es herrscht Goldgräberstimmung, da agieren Spekulanten", sagt Mexx-Chef Thomas Grote in dem Fachblatt Textilwirtschaft.

Die Freude der Kleinbauern über den steigenden Baumwollpreis könnte kurz sein. "Viele Firmen wollen Baumwolle zumindest teilweise durch preisgünstigere Fasern ersetzen", sagt Jana Kern, Beraterin für nachhaltige Mode. Einige setzen auf aus Buchenholz gewonnene Viskose-Faser. Trotzdem dürften die Preise für Mode steigen. Kern geht davon aus, dass einige Hersteller versuchen könnten, Kunden die Preissteigerungen durch einen Mehrwert wie den Einsatz von Biobaumwolle schmackhaft zu machen.

Bislang ist die Biobaumwolle trotz vieler Bekenntnisse von Modeherstellern ein Nischenprodukt. Gerade einmal 1,1 Prozent der weltweiten Ernte entfiel zuletzt auf biologisch angebaute Baumwolle, heißt es bei Organic-Exchange, einer auf dieses Thema spezialisierten NGO. Während der Wirtschaftskrise hatte das Angebot von Biobaumwolle sogar über der Nachfrage gelegen. Eine Ursache sehen Experten darin, dass es für Biotextilien keine einheitlichen internationalen Standards gibt.

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  2. Sie lesen jetzt Die Preise verdoppelten sich
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(SZ vom 27.01.2011/kst)