Bahnchef Mehdorn will die Ticket-Preise um 3,2 Prozent erhöhen - und erntet heftige Kritik: Die Bahn "schröpfe" die Fahrgäste, um den Börsengang attraktiv zu machen.
Die Bahn wird die Preise für Fahrkarten erhöhen - kurz vor dem Börsengang stößt das auf breite Kritik. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte am Montag bei der Halbjahresbilanz in Frankfurt angekündigt, die Preise sollten wegen stark gestiegener Energie- und Personalkosten nach zwölf Monaten zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder angehoben werden. Laut Financial Times Deutschland sollen die Fahrscheine um bis zu 3,2 Prozent teurer werden.
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Die Preiserhöhung der Bahn für ihre Tickets sei "übelste Abzocke", empören sich Politiker. (© Foto: Reuters)
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"Übelste Abzocke"
Das Unternehmen wolle damit im Zuge des geplanten Börsengangs seine Profitabilität im Personenverkehr absichern. Zugleich baue das Unternehmen seine Logistiksparte mit einer Übernahme in Rumänien weiter aus: Die Bahn werde dort für knapp 100 Millionen Euro eine führende Speditionsfirma kaufen, schreibt die Zeitung unter Verweis auf Finanzkreise. Zuletzt hatte die Bahn die Fahrkarten im Dezember 2007 um durchschnittlich 2,9 Prozent verteuert.
Ein Konzernsprecher sagte zu den Berichten über Preiserhöhungen, es gebe noch keinen Vorstandsbeschluss, man werde Anfang September über die Details informieren.
"Kundenfeindlicher Größenwahn"
Verkehrspolitiker von Grünen und FDP übten heftige Kritik an den angekündigten Preiserhöhungen.Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn bezeichnete die angekündigte erneute Preiserhöhung bei der Bahn als "übelste Abzocke". Bahnchef Hartmut Mehdorn wolle "wieder die Fahrgäste schröpfen, um den geplanten Börsengang für profithungrige Investoren attraktiv zu machen", sagte der Bundestags-Fraktionschef den in Dortmund erscheinenden Ruhr Nachrichten. Diesem "kundenfeindlichen Größenwahn" müsse der Bund als Eigentümer endlich ein Ende machen.
Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hält Mehdorns Begründung für die Preisrunde für nicht haltbar. Laut Mehdorn sind die geplanten Preiserhöhungen auf gestiegene Energie- und Personalausgaben zurückzuführen. "Es hätte mich gewundert, wenn wir nicht Schuld wären", sagte der GDL-Vorsitzende.
Die Halbjahresbilanz hingegen zeige, dass Personalkosten nicht ausschlaggebend seien. "Mehdorn hat gute Zahlen vorgelegt. Er macht sein Baby hübsch für den Börsengang", sagte Weselsky.
Falscher Zeitpunkt
Auch der SPD-Politiker Hermann Scheer erklärte, dass Preiserhöhungen "bei den derzeitigen Erträgen nicht nötig sind". FDP-Bahnexperte Patrick Döring sagte: "Das wird diejenigen abhalten, die vom Auto auf die Bahn umsteigen wollen."
"Wer mehr Personenverkehr auf die Schiene bringen will, sollte beim Drehen an der Preisschraube vorsichtig sein. Viel wichtiger ist, dass die DB endlich ihr Tarifsystem reformiert", sagte der Bremer Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) der Berliner Zeitung. Vielfahrer und Stammkunden sollten belohnt werden.
Mit Gewinnplus in den Herbst
Der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich kritisierte den Zeitpunkt der Ankündigung. Die Bahn müsse angesichts des guten Ergebnisses die Erhöhung besser begründen. "Sonst entsteht der Eindruck, sie versuche, den Markt abzuschöpfen."
Finanziell nimmt der bundeseigene Konzern mit einem Gewinnplus im ersten Halbjahr Kurs auf die Teilprivatisierung, die nach wie vor "im Herbst" angestrebt wird. Ein konkreter Termin wurde noch nicht genannt. Erwartet wird die Ankunft am Kapitalmarkt für Anfang November.
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(sueddeutsche.de/dpa/AP/jkr/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
"Die Politik, namentlich die Regierung, ist lautstark zu fragen, wessen Interessen mit der Privatisierung befördert werden sollen: Die der Gesellschaft oder die des Unternehmens."
Schauen wir doch mal, welcher aktuelle Politiker nach der politischen "Karriere" (die zunehmend mehr allein als Eintrittskarte in die Welt der lukrativ(er)en Privatwirtschaft gesehen zu werden scheint) bei der dann (teil-)privatisierten Bahn landen wird - und in welcher Funktion und zu welchen Bezügen.
Es ist was faul im Staate Däne..., äh, nein, nicht Dänemark.
Leider hat die Bahn noch immer ein Monopol für den überregionalen Verkehr zwischen deutschen Städten. Eine Konkurrenz durch Fernbuslinien ist nach einem Gesetz aus dem Jahre 1937 untersagt. Wenn die Bahn nun wie ein privates Unternehmen agiert, wird es höchste Zeit, dass dieses Gesetz wegfällt und auch Busbetreiber im innerdeutschen Städteverkehr auftreten können. Dann hätte die Bahn eine Konkurrenz und könnte die Preise nicht mehr nach eigenem Gutdünken diktieren.
ein System ohne Alternative auf der Schiene ist die Deutsche Bahn ..
vollkommen richtig - deshalb darf es nie ein Privatunternehmen werden, da es von vorherein ein Monopol ist.
Herr Tiefensee hat die Preiserhöhung gebilligt und argumentiert: Die Bahn sei ein normales Wirtschaftsunternehmen und müsse auch so handeln.
Wie bitte??? Die Bahn ein gewöhnliches Wirtschaftsunternehmen??? Sie hat auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Sie hat auch den Auftrag sozialschwächeren eine gewisse Mobilität zu ermöglichen. Das geht nun mal nur mit entsprechenden Preisen. Wenn Herr Tiefensee dies anders sieht, sollte er sich mal fragen, ob er als Verkehrminister richtig ist. Denn, wenn die Bahn ein gewöhnliches Wirtschaftsunternehmen wäre, könnte man sie zu 100% an die Börse bringen und müsste nicht mehrheitlich in der Hand des Bundes bleiben.
leisten? Soll es optimale Leistungen für seine Besitzer (mehrheitlich der (noch) Bund, also wir) erbringen, die Umwelt entlasten und eine Beitrag zur Verhinderung des Verkehrsinfarktes leisten? Sollte dies durch die Privatisierung nicht alles besser, optimaler und effizienter werden?
Oder ist der Sinn der Privatisierung doch wieder ausnahmslos die Maximierung des reinen Unternehmensprofits?
Die Politik, namentlich die Regierung, ist lautstark zu fragen, wessen Interessen mit der Privatisierung befördert werden sollen: Die der Gesellschaft oder die des Unternehmens.
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