Tesla Warum Tesla mehr wert ist als Ford

Noch nie hat Tesla so viele Fahrzeuge ausgeliefert wie in den ersten drei Monaten 2017.

(Foto: Bloomberg)
  • Der Elektroauto-Hersteller Tesla ist an der Börse inzwischen mehr wert als Ford. Dabei verkauft das Unternehmen von Elon Musk nur einen Bruchteil der Fahrzeuge.
  • Die Anleger hoffen, dass Trump seine ambitionierten Ankündigungen wahr macht. Der Kursanstieg der letzten Wochen dürfte aber auch mit Musks Nähe zu Donald Trump zusammenhängen.
Von Hans von der Hagen

Elon Musk konnte es dann doch nicht lassen: Noch in der vergangenen Nacht schrieb er auf Twitter einen kurzen Satz, der nur als Provokation gewertet werden kann: "Stormy weather in Shortville". Shortville - damit übergießt der Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla jene Anleger mit Häme, die "short" gegangen sind - also an der Börse gegen sein Unternehmen gewettet haben.

Kurz zuvor waren die Tesla-Aktien an der Börse um mehr als sieben Prozent auf knapp 300 Dollar gestiegen. Seit der Wahl von Trump summieren sich die Gewinne an der Börse auf rund 60 Prozent. Für die Menschen, die gegen Musks Unternehmen gewettet haben, ist das natürlich eine Katastrophe: Sie hatten zuvor vielleicht Aktien von Tesla verkauft, ohne sie zu besitzen. Irgendwann aber müssen sie die Aktien nachliefern und je höher der Kurs an der Börse steigt, desto teurer wird es für Anleger.

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Zuletzt hat es sich als Fehler erwiesen, gegen Tesla zu wetten - die Aktie steht so hoch wie nie zuvor. Für den neuen Aufschwung sorgten überraschend gute Zahlen. Im vergangenen Quartal lieferte Tesla etwa 25 000 Elektroautos aus - ein Anstieg von 69 Prozent. Nach dem Kursgewinn am Montag ist Tesla an der Börse nun erstmals mehr wert als Ford.

Ford? Genau, das ist der 1903 gegründete Konzern mit gut 200 000 Mitarbeitern, der im vergangenen Jahr 152 Milliarden Dollar Umsatz machte und dem am Jahresende ein Gewinn von vier Milliarden Dollar verblieb. Ein Unternehmen, das 2016 etwa 6,7 Millionen Autos verkauft hat. Zum Vergleich: Tesla verkaufte im vergangenen Jahr nicht einmal 80 000 Fahrzeuge. Das Unternehmen beschäftigt etwa 30 000 Mitarbeiter und macht sieben Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Einen Gewinn gibt es nicht, nur einen Verlust von knapp 700 Millionen Dollar.

Neue Zuversicht

Trotzdem ist das Unternehmen nun also mehr wert als der zweitgrößte Autohersteller der USA. An der Börse gibt es allerdings sehr viele Leute, die diesen Zahlen nicht trauen wollen. Sie halten den Kurs von Tesla für Irrsinn, die Aktie für viel zu hoch bewertet.

Die Anleger, die den Aktienkurs nach oben treiben, wollen sich von solchen Sorgen nicht beeindrucken lassen. Sie glauben offenbar zunehmend daran, dass Musk seine Ankündigungen wahr macht und das für 2018 gesteckte Ziel von einer halben Million ausgelieferten Fahrzeugen tatsächlich erreichen kann. Eine Wette mit Risiko, schließlich gelten die Prognosen von Musk als chronisch unzuverlässig.

Dass die Tesla-Aktie so gestiegen ist, ist allerdings nicht nur mit den guten Auslieferungszahlen zu erklären. Eingesetzt hatte der Kursanstieg ja schon nach der Wahl von Trump. Musk gilt als ein Unternehmer ganz nach dem Geschmack des US-Präsidenten: verrückt, risikofreudig, auf Größe und Amerika fixiert. Musk sitzt auch im Rat der Unternehmensführer, die Trump in Wirtschaftsfragen beraten. Und viele Anleger sind offenbar der Ansicht, dass Tesla von der Nähe zum US-Präsidenten profitieren wird - zumal das fortschrittliche Image der Tesla-Fahrzeuge einen Ausgleich zum eher rückwärtsgewandten Wirtschaftskonzept von Trump bildet.

Hinzu kommt, dass viele in Musk eine Art Nachfolger von Steve Jobs sehen. Der Kauf von Tesla-Aktien ist derzeit nicht nur eine Wette auf elektrische Fahrzeuge, sondern vor allem eine auf den Unternehmer Musk und seine Ideen. Eine solche Wette schloss nun auch der chinesische Internetkonzern Tencent ab, der vergangene Woche mitteilte, dass er mittlerweile rund fünf Prozent der Tesla-Aktien hält. Das sorgte an der Börse ebenfalls für einen Kursschub.

Musk selbst findet es ganz normal, dass die Tesla-Papiere derart steigen. Von einem Tweet des bekannten Ex-Kolumnisten vom Wall Street Journal, Walter Mossberg, ließ er sich zumindest nicht beeindrucken. Dieser schrieb, dass Tesla wieder einmal ein Beispiel dafür sei, dass Bewertungen an den Aktienmärkten nicht die Realität widerspiegelten. Musk antwortete: "Genau. Tesla ist absurd überbewertet, wenn es an der Vergangenheit gemessen wird. Doch das ist irrelevant." Ein Aktienpreis repräsentiere vielmehr die künftigen Geldflüsse.

Die Gemeinde der Aktienanalysten, die mit solchen Feinheiten durchaus vertraut ist, bleibt indes vorsichtig: Gemäß einer Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg empfehlen acht der Wertpapierexperten einen Kauf von Tesla-Aktien, sechs von ihnen raten inzwischen zum Verkauf der Papiere. Die Mehrheit empfiehlt, die Papiere einfach nur zu halten. Steigt die Tesla-Aktie so weiter wie zuletzt, dürfte das Unternehmen bald auch BMW überrundet haben: Der Münchner Autohersteller ist derzeit mit 58 Milliarden Dollar noch etwas mehr wert als Tesla. Viel fehlt Elon Musk aber nicht mehr, um BMW abzuhängen. Dann wäre Tesla der fünftteuerste Autohersteller der Welt.

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