Tesla Steuern sparen mit Elon

Ein genialer Unternehmer: Tesla-Gründer Elon Musk weiß aber auch, wie man den Staat anzapft.

(Foto: Marcio Jose Sanchez/AP)

Der neue Geländewagen der E-Auto-Firma Tesla ist besonders schwer. Vorteil für US-Käufer: Es gibt Zuschüsse vom Finanzamt.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

- Natürlich sagte Elon Musk vor zwei Wochen derart wunderbare Dinge über das neue Fahrzeug seiner Elektroautofirma Tesla, dass die wichtigste Botschaft doch glatt überhört wurde. Das "Model X" sei ein Glanzstück der Ingenieurskunst, sagte Musk, ein elektrisch angetriebener Geländewagen mit futuristischen Flügeltüren, der bis zu sieben Passagiere etwa 400 Kilometer weit bringen könne. "Unser Ziel ist es, die Ankunft des nachhaltigen Transports zu beschleunigen", so Musk. "Die Menschen sollen erfahren, dass jede Art von Auto ein elektrisches Fahrzeug sein kann." Also auch die gerade in den USA so beliebten SUVs.

Was Musk, 44, nur beiläufig erwähnte, das war das Gewicht. Das Fahrzeug, das im kommenden Jahr zunächst an jene 25 000 Menschen ausgeliefert werden soll, die es bereits vor der Präsentation bestellt haben, soll mehr als 6000 amerikanische Pfund wiegen. Das klingt zunächst nicht ungewöhnlich für ein Fahrzeug dieses Ausmaßes, doch für US-Käufer hat es erfreuliche Auswirkungen. Im Artikel 179 der US-Steuergesetze nämlich gibt es eine Regelung, die bei ihrer Einführung als "Hummer-Steuer-Schlupfloch" bezeichnet wurde. Sie besagt, dass Firmen beim Kauf von Fahrzeugen mit einem Gewicht von mehr als 6000 Pfund Steuervergünstigungen von bis zu 25 000 Dollar in Anspruch nehmen können. Landwirte sollen damit zum Kauf neuer Traktoren und Inhaber von Baufirmen zum Aufrüsten ihrer Maschinen angeregt werden, doch nicht wenige Firmenbesitzer nutzten diese Regelung, um sich eines der gewaltigen Fahrzeuge des Herstellers Hummer zuzulegen - die übrigens nur deshalb auch als Straßenversion erhältlich sind, weil Arnold Schwarzenegger einst unbedingt einen haben wollte.

Der Preis des neuen Tesla-Fahrzeugs soll bei mehr als 100 000 Dollar liegen, doch wer etwa in Kalifornien lebt, darf sich schon mal über staatliche Steuervergünstigungen von 7500 Dollar und einen Zuschuss des Bundeslandes von 2500 Dollar freuen. Wer dann noch eine Firma betreibt, könnte über das Schlupfloch noch einmal bis zu 25 000 Dollar von der Steuer absetzen. Laut Steuerexperten können die Käufer des Model X über Zuschüsse und Vergünstigungen insgesamt bis zu 18 250 Dollar sparen, in den fünf Jahren danach über Abschreibungen noch zusätzlich 4000 Dollar. Insgesamt also 22 250 Dollar.

Die Regelung wird nicht nur Tesla-Käufern helfen. Sie wird seit Jahren von zahlreichen Firmenbesitzer genutzt, die sich ein größeres Auto gönnen möchten. Kritiker schimpfen das Schlupfloch als Dicke-Autos-für-reiche-Leute-Regel, durch das neue Tesla-Modell gerät es wieder in die Schlagzeilen - zumal eine neue Studie zeigt, dass das mittlere Haushaltseinkommen von Tesla-Käufern bei 280 000 Dollar pro Jahr liegt.

Natürlich werden nur ganz böse Menschen behaupten, dass Elon Musk seine Ingenieure absichtlich damit beauftragt hat, das neue Modell derart schwer zu entwerfen. Der Mann will die Welt retten mit Elektroautos, Raketenzügen, Solarbatterien und Weltraumflügen. Mit Steuern hat das überhaupt nichts zu tun. Oder doch?

Reporter der Los Angeles Times haben unlängst alle Förderungen, Steuerbefreiungen und Zuschüsse für Musks Unternehmen zusammengerechnet. Die Staatshilfen summieren sich demnach auf 4,9 Milliarden Dollar, dazu kommen Aufträge im Wert von 5,5 Milliarden Dollar, die seine Firmen von Nasa und Air Force bekommen haben. Musk weiß, wie man den Staat anzapft. Dieses Wissen gibt er nun an seine Kunden weiter.