Schon im Jahr 2000 soll es Maulwürfe für die Telekom gegeben haben. Ein Reporter bekam immer wieder Besuch von angeblichen Technikern - die mit versteckter Kamera nach seinen Quellen suchten.
Es war nur ein winziges Büro, das die neue Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD) im Jahr 2000 ihrem Chefreporter Tasso Enzweiler in der Neuenhöfer Allee in Köln anmietete. Der Einfachheit halber, denn der Journalist recherchierte damals oft und regelmäßig im Rheinland.
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Immer wieder bekam ein Journalist im Jahr 2000 Besuch von Technikern - mit einer versteckten Kamera. (© Foto: AP)
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Köln liegt zudem räumlich viel näher als die Hamburger FTD-Zentrale an jenem Bonner Konzern, dem sich Enzweiler seit 1996 intensiv widmete. Zuerst beim Magazin Capital, dann bei der FTD, sorgte Enzweiler immer wieder mit exklusiven Insidergeschichten über die Deutsche Telekom für Aufsehen - und in der Konzernzentrale für erheblichen Unmut.
Die Telekom suchte fieberhaft nach dem Leck, durch das die Informationen zu dem Journalisten flossen. Dass man ihn selbst im Zuge dessen sogar bespitzelt haben soll, hat der inzwischen zu einem Beratungsunternehmen gewechselte Enzweiler nach eigenem Bekunden jedoch bislang nicht für möglich gehalten.
Techniker im Mini-Büro
Er soll einige Zeit beschattet worden sein. Einmal hätten ihn zwei Detektive in Köln besucht und mit versteckter Kamera nach Unterlagen gesucht, die Aufschluss über die Telekom-Quellen Enzweilers geben. Der kann sich heute an die beiden angeblichen Besucher nicht mehr erinnern. 2000 tauchten häufiger Techniker in dem Mini-Büro an der Neunhöfer Allee auf, weil es immer wieder computertechnische Probleme bei der Anbindung an die Hamburger FTD-Redaktion gab. Enzweiler schöpfte bei keinem seiner Besucher Verdacht.
Die Spitzel sollen Mitarbeiter der Berliner Firma Desa gewesen sein, einer nach eigenen Angaben auf die Bekämpfung von Wirtschafts- und Betriebskriminalität spezialisierten Detektei ehemaliger Geheimdienstler. Frank John ist einer der Firmengründer. Er sagte der SZ, er lehne sich "ganz gelassen zurück".
Schließlich sei die Sache acht Jahre her. "Aus dem Kopf" könne er sich deshalb ohnehin nicht an einen solchen Vorgang erinnern. Und Akten? "In einem solch sensiblen Bereich gibt es sicher keine Akten, und wenn es sie gab, haben wir sie bestimmt nicht aufgehoben." Der Desa-Chef hält sich für den falschen Ansprechpartner. Schließlich sei man allenfalls ein Subunternehmer der Control Risks Group (CRG) gewesen.
80 Verdächtige im Dossier
Dem Berliner Büro dieser weltweit tätigen Überwachungs- und Beratungsfirma soll die Deutsche Telekom den Bespitzelungsauftrag erteilt haben. "Wir sind dabei, das zu prüfen", sagt Jürgen Stephan, Chef der etwa 30 Berliner CRG-Mitarbeiter. Er ist seit 2003 bei dem Unternehmen beschäftigt. Sämtliche im fraglichen Zeitraum 2000 in der Abteilung Corporate Investigations tätigen Mitarbeiter hätten die Firma längst verlassen. Man suche derzeit nach Unterlagen, die über einen möglichen Telekom-Auftrag aufklären.
Seit er selbst Verantwortung trage, habe CRG weder mit der Telekom noch mit Desa zusammengearbeitet. Im Übrigen habe man ethische Grundsätze, die ein solches Vorgehen verbieten. "Wir respektieren dabei auch die Arbeit von Journalisten", sagt Stephan.
Womöglich war das vor nicht allzu langer Zeit noch anders. Nach Angaben von FTD und Capital existiert ein CRG-Papier, das angeblich detailliert beschreibt, wie als Informanten von Journalisten verdächtige Telekom-Mitarbeiter überführt werden sollen. Zum Dossier sollen 80 Namen von Verdächtigen gehören.
(SZ vom 30.05.2008/tob)
Linke-Parteitag in Göttingen
Jürgen Stephan, Chef der etwa 30 Berliner CRG-Mitarbeiter: Man suche derzeit nach Unterlagen, die über einen möglichen Telekom-Auftrag aufklären.
Na, da sollte er am besten mal die Kontoauszüge durchgehen.
Und, daß man innerhalb der Spitzelfirma keine Kenntnisse von so einem Großauftrag haben soll, ist in keiner Weise glaubhaft.
Mit der Vorratsdatenspeicherung wird das doch noch viel schlimmer. Die Telekom ist dann wahrscheinlich das Unternehmen in Deutschland das am meisten über die Deutschen weiß. Zahlungsmoral, wer mit wem wann wie oft telefoniert und Bewegungsprofile für mindestens ein halbes Jahr. Alles per Knopfdruck aus einer Datenbank abrufbar.
Missbrauch passiert. Es muss in der Gesellschaft endlich eine Diskussion aufkommen, wie diese riesigen Datenmengen vor Missbrauch geschützt werden können:
* Am besten diese Daten gar nicht speichern
* Wenn es diese Daten gibt, einen Datennotar als unabhängige deutsche Bundesbehörde, die überwacht, dass Zugriff nur mit richterlicher Erlaubnis und nur im genehmigten Umfang erfolgen
* Pflicht die Betroffenen (höchstens 1 Jahr später) über die Datenzugriffe zu informieren