SZ: Worauf schauen Sie, wenn Sie Manager für Spitzenpositionen auswählen?
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Sattelberger: Mich interessiert beispielsweise, ob er oder sie sich mit sich selbst auseinandersetzt. Mich interessiert, ob jemand in der Sache groß und als Person bescheiden ist. Für mich hat Führung viel mit Demut zu tun. Je höher man kommt, umso mehr läuft man Gefahr, sich zu überschätzen. Ist jemand demütig, in dem Sinne: Letztlich bin ich ein Menschenwicht, vergänglich wie jeder? Eine wichtige Frage ist auch: Weiß ich, dass Macht korrumpiert, und wie gehe ich damit um? Also die Integritätsfrage.
SZ: Motiviert Sie Geld?
Sattelberger: Für mich ist Geld - erst recht als Motivator - weniger wichtig. Aber Geld eröffnet natürlich Freiräume.
SZ: War es früher anders?
Sattelberger: Ja, als jüngerer Mensch hatte ich noch viele Bedürfnisse, die ich mir mit Geld erfüllen wollte: ein schnelles Auto, eine größere Wohnung oder einen ordentlichen Anzug. Aber heute treibt mich das Thema Geld nicht mehr an.
SZ: Das kann man leicht sagen, wenn man genug hat.
Sattelberger: Statussymbole sind mir heute fremd. Mich treibt mehr eine innere Verpflichtung, wie schon vor 40 Jahren: Seinerzeit habe ich mich für Schüler-, Auszubildenden- und Menschenrechte politisch engagiert. Und später für Persönlichkeits- und Personalentwicklung.
SZ: Wie wichtig ist die erfolgsabhängige Bezahlung von Mitarbeitern?
Sattelberger: Sie ist ein wichtiges Symbol dafür, dass die persönliche und die kollektive Leistung der Gemeinschaft wertgeschätzt werden. Ich bezweifele jedoch, dass sie zufrieden macht. Eher andersherum: Erfolgsabhängige Vergütung verringert die Unzufriedenheit der Leistungsträger im ansonsten gleichmacherischen System.
SZ: Wie wichtig sind Ihre wilden Jahre für Ihre heutige Sicht? Haben Sie jetzt noch einmal an Karl Marx gedacht?
Sattelberger: Die Kritik der politischen Ökonomie war so schwierig, dass ich sie damals zwar gekauft, aber in weiten Teilen nicht verstanden habe. Die Zerklüftung in Gesellschaft und Arbeitsmarkt habe ich immer mit Sorge gesehen. Ich halte es zudem für ein großes Problem, dass sich die Managerriege fast ausschließlich aus dem Bildungsbürgertum rekrutiert. So kennt sie die Welt nur aus einer Perspektive. Die Frage ist, wie man verhindern kann, dass die Verwerfungen in unserer Gesellschaft nicht zu groß werden.
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(SZ vom 06.05.2009/kaf/tob)
Sehr interessant, wenn Sattelberger diese seine Einstellung auch lebt, kann man zustimmen. Allerdings erhebt sich die Frage, ob die heutigen Studenten in ihrer schulischen Vorbildung nicht zu eindimensional ausgerichtet sind, um überhaupt mitgenommen zu werden! Das das Interview einer Reihe von Lesern nicht gefällt, liegt auf der Hand. Immerhin hat man es vielleicht nicht gelernt, am Ende des Tages sein Tun einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. In dem Zusammenhang sei die Recherche von Julia Friedrichs in ihrem Buch
" Gestatten: Elite " sehr zu empfehlen.
Was die allerdings die Aussage Sattelbergers anbetrifft, warum die "Business Schools" auf ihren antiquierten Mustern verharren, sollte er sich doch einmal die Träger und die Finanziers einiger dieser " Kader-Schmieden" ansehen. Dann wird verschiedenes sehr viel klarer und, Frau Friedrich zeugt die Heuchelei in dieser Klientel auf.
... auch mit Philosophie- und Moralöl eingerieben werden ! Das stärkt ihr Bewußtsein , Elite zu sein , ganz ungemein ! Dann kommen die auch nicht nach einem Crash wie gebrochene Kleinkriminelle aus den "Beichtstühlen" !
Bei der SZ heute wieder mal Ethik-Sülze auf dem Speiseplan .
Wem's bekommt ...
"Der angelsächsische Maßstab für Erfolg ist einseitig auf Umsatz und Rendite ausgerichtet. Ausgeblendet werden Kriterien wie die Reputation eines Unternehmens oder die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Kunden."
Schlagen sich Reputation und Zufriedenheit auf Dauer nicht auch in Umsatz und Rendite nieder? Reicht es nicht tatsächlich aus, sich an Umsatz und Rendite zu orientieren? Man muss eben auch Faktoren berücksichtigen und bewerten, bei denen sich nicht unmittelbar eine quantitative Größe zur Bewertung anbietet, wie es bei Lohnkosten oder Verkaufserlös der Fall ist. Und man muss ganz unterschiedliche Zeitskalen berücksichtigen. Der angelsächsiche Blick scheint wenig weit in die Zukunft zu reichen.
Ackerbauern müssen weiter vorausplanen als Nomaden und sie müssen auf ihre Reputation bedacht sein, da sie immer wieder mit den immer gleichen Nachbarn zu tun haben. Es lohnt sich aber. Die Sesshaften haben die Nomaden abgelöst. Reputation und Weitsicht sind kein Luxus, sondern schlagen sich knallhart in der Ernte - Umsatz und Rendite - nieder.
vor einigen Jahren war ich mal auf einer Spassveranstaltung von ihm. Hieß irgendwas mit gibt es eine Moral für den Standort Deutschland oder so ähnlich...
Wenn ich mir jetzt obiges Gequake gegenüberstelle (vor meinem geistigen Auge) dann kann ich nur sagen: Respekt Herr Sattelberger, da haben Sie der Kanzlerin jetzt aber einen dicken Gefallen getan. Ihre wenigen und zart angedeuteten Einsichten nehme ich Ihnen im Leben nicht mehr ab.
"Auch Hermann Schmitt hat beim Namen Sattelberger höchst widersprüchliche Gefühle. "Der schwäbische Kleingeist hat sich damals auf meine Kosten einen Vorteil verschafft", sagt er bissig. 1975 wurde Schmitt, der an der PH Ludwigsburg studierte, aufgrund des Radikalenerlasses der Eintritt in den beamteten Schuldienst verweigert. Man habe Zweifel an seiner Verfassungstreue, hatte ihm das Oberschulamt Stuttgart mitgeteilt. Dafür gebe es Beweise.
Schmitt glaubt, dass es Sattelberger war, der ihn damals beim Verfassungsschutz angeschwärzt hat. Derartige Gerüchte sind in Kreisen der Alt-68er öfter zu hören. Auf die konkrete Frage, ob die Gerüchte zuträfen, sagt Sattelberger unserer Zeitung: "Ich antworte mit einem klaren Nein. Verrat und Intrigen sind mir fremd."
Schmitt hat damals gegen die Nichteinstellung geklagt. Zwei Tage nach dem Gespräch in der Telekom-Zentrale findet unsere Redaktion die Akte im Staatsarchiv Ludwigsburg. Darunter ist ein Brief des Oberschulamts in dem steht, dass Schmitt 1972 von einem Zeugen als "Führungskraft" des KAB/ML bezeichnet worden sei. Der Name des Zeugen wird in dem Behördenschreiben explizit genannt: Thomas Sattelberger."
stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/detail.php/1500482
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