Weil das Dokument keine Unterschrift trägt, ist der Verfasser des Spähangriffs auf Gürtler noch unbekannt. Wahrscheinlich war es aber ein früherer Nachrichtendienstler, der vor Jahren zur Konzernsicherheit der Telekom kam. Sein Name findet sich in der "Dateiinfo" unter "Dateieigenschaften" als Autor.

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Seit Frühjahr 2008 ermitteln die Bonner Staatsanwälte im Telekom-Skandal gegen den früheren Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und weitere Beschuldigte wie den ehemaligen Sicherheitschef. Ihnen werden der Bruch des Fernmeldegeheimnisses und weiterer Delikte zu Last gelegt. Der Konzern hatte herausfinden wollen, welche Aufsichtsräte mit welchen Journalisten telefonierten.

Gürtlers Dossier wurde auf einer von vielen Festplatten gefunden, die von der Bonner Staatsanwaltschaft sichergestellt worden war. Die Telekom gibt an, sie könne zum Fall wenig sagen. Dem Unternehmen sei weder der Journalist noch seine Bespitzelung bekannt. Man habe bisher keinen Zugang zu den Ermittlungsakten und insofern "noch kein vollständiges Bild". Die Telekom werde sich gegebenenfalls mit Gürtler in Verbindung setzen, sobald man den Sachverhalt kenne.

Eigentlich ist der Fall Gürtler klar, doch weil der Journalist - er ist gegenwärtig auch Chefredakteur zweier Blätter, die ein paar Mal im Jahr erscheinen - zeitweise für das Sicherheitsunternehmen Control Risks GmbH (CR) tätig war, wird die Lage unübersichtlich. Bis mindestens 2002 machte Control Risks mit der Telekom Geschäfte.

Im Gürtler-Memorandum findet sich eine Überweisung vom 27. April 2004 über 1931,40 Euro von CR auf ein Konto des Journalisten bei der Citibank Düsseldorf mit dem Zusatz: "Diese Überweisung bezieht sich auf den bekannten Wella-Fall". Als der amerikanische Konzern Procter&Gamble (u.a. Ariel, Pampers) die Herrschaft beim Kosmetikhersteller Wella übernehmen wollte, hatte Gürtler eine Expertise für Control Risks verfasst. Die Firma, sagte ihr Geschäftsführer Jürgen Stephan den Staatsanwälten, sei "keine Detektei", sondern ein im "Risikomanagement tätiges Unternehmen".

Betratung bei heiklem Auftrag

Das Leben freier Journalisten ist zuweilen kompliziert, sie müssen fortwährend ihre Unabhängigkeit vor sich selbst schützen. Gürtler sagt: "Wenn ich für die Kundenzeitschrift eines Konzerns arbeite, schreibe ich nicht mehr über den Konzern." Trotzdem kam es zu Grenzüberschreitungen. Control Risks gehörte zeitweise zu seinen guten Kunden.

Als die Telekom-Affäre im Mai vergangenen Jahres plötzlich in der Welt war, erhielten einige Redaktionen Kontoauszüge Gürtlers, aus denen hervorging, dass er im Oktober und November 2004 von CR 5200 Euro bekommen hatte. Gürtler darf über sein Engagement für Control Risks nicht reden, aber ein Detail wurde aus Sicherheitskreisen durchgestochen. Danach soll der Journalist Control Risks bei einem heiklen Auftrag beraten haben: Ein Energiekonzern suchte einen Insider, der Informationen aus dem Unternehmen an einen Berliner Journalisten weiterreichte. Gürtler habe niemanden denunziert, sondern nur anhand der Berichterstattung analysiert, wo das Loch sein könnte, aus dem die Infos abflossen.

Einige Kollegen brachen damals mit ihm. Vieles spricht dafür, dass ein Kommunikationsberater Gürtlers Kontodaten verschickt hat. Entweder sollte von der Telekom abgelenkt oder Control Risks ins Spiel hineingezogen oder Gürtler angeschwärzt werden. Es ist am Ende vor allem eines: ein schmutziges Spiel.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet die Bonner Staatsanwaltschaft - unterstützt vom Bundeskriminalamt - die Spitzel-Affäre der Telekom auf. Die Ermittlungen richten sich auch gegen den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke.

Der Verfolgungswahn der Sicherheitsfachleute des Konzerns zielte auf angebliche Verräter aus den eigenen Reihen und vor allem auf Journalisten. Der Konzern hat dabei nicht nur Telefonverbindungsdaten missbraucht. In mindestens einem Fall wurden auch Bankdaten eines Journalisten ausgespäht. Es gab sogar den Versuch, an seine Steuerakte zu gelangen.

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(SZ vom 05.11.2009/berr/tob)