Das Angebot der Telekom an die von der Schließung Betroffenen ist eine Unverschämtheit: Denn Mitarbeiter sind keine Autos, die man irgendwo abstellt.
So ist es Usus: Geht es den Firmen schlecht, dann sparen sie als Erstes bei den Mitarbeitern. Löhne werden gekürzt, Sozialleistungen zusammengestrichen, Taktzeiten erhöht. Und wenn das nicht hilft, entlassen die Firmenchefs Leute oder versetzen sie auf andere Arbeitsplätze.
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Mitarbeiter sind keine Verschiebemasse, die ein Unternehmen heute hier und morgen dort einsetzen kann - egal, wie viel sie verdienen. (© Foto: ddp)
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Wie Unternehmen Einschnitte gestalten
Unternehmen tun sich oft schwer damit, ihre Energiekosten zu senken; aber sie werfen mit leichter Hand Leute heraus. Das ist bittere Realität, und dem steht auch das deutsche Arbeitsrecht nicht im Wege: Wer Werke schließen oder Fabriken ins Ausland verlagern will, kann das tun.
Entscheidend ist, wie die Unternehmen solche harten Einschnitte gestalten. Ist den Bossen der einzelne Mitarbeiter wichtig? Unterscheiden die Manager zwischen dem Kapital, das in Maschinen steckt, und dem, was man in der Wirtschaftssprache schnöde Humankapital nennt?
Sind die Beschäftigten für sie also bloß unternehmerische Verschiebemasse - oder Menschen? Oft zeigt sich erst in der Krise, ob Manager die Kunst der Mitarbeiterführung beherrschen und fähig sind, sich in andere hineinzudenken.
Realitätsfernes Angebot
Bei der Deutschen Telekom kann man in diesen Tagen ins Zweifeln kommen. Der ehemalige Staatskonzern schließt etwa jedes zweite Callcenter, was angeblich aus Kostengründen notwendig ist. Die Telekom bietet den Mitarbeitern an, dass sie stattdessen in einem anderen Callcenter arbeiten können, doch das liegt in vielen Fällen zwei Autostunden entfernt.
Solch ein Angebot ist unverschämt. Wer in einem Callcenter arbeitet, verdient nicht viel. Unter den Telekom-Mitarbeitern sind viele Frauen, die mit ihrem Teilzeitjob 1000 Euro im Monat nach Hause bringen und nicht selten alleinerziehend sind.
Wer von ihnen eine zweistündige Anfahrt zur Arbeit verlangt, ist realitätsfern - oder fordert, ohne es zu sagen, zur Kündigung auf.In einem solchen Fall wäre es ehrlicher, wenn das Unternehmen von sich aus kündigt und eine anständige Abfindung zahlt.
Menschen sind an Orte gebunden
Mitarbeiter sind keine Verschiebemasse, die ein Unternehmen heute hier und morgen dort einsetzen kann - egal, wie viel sie verdienen. Denn die meisten Menschen sind an einen Ort gebunden, sie haben dort Familie oder Freunde.
Wenn ein Mitarbeiter sich gegen einen Umzug sträubt, hat das oft nichts mit Bequemlichkeit zu tun, sondern mit Sicherheit und sozialen Kontakten. Mancher hat ein Haus gebaut, dessen Kredit er und der berufstätige Ehepartner abbezahlen, andere haben Kinder, die zur Schule gehen, oder einen Angehörigen zu pflegen. Es gibt Lebensentwürfe, zu denen ein Ortswechsel einfach nicht passt.
Mitarbeiter sind keine Autos, die man benutzt und, wenn man sie gerade nicht braucht, irgendwo parkt. Sie sind auch keine Maschinen, die man ausrangiert, wenn sie nicht mehr funktionieren. Menschen sind mehr wert als die Summe ihrer Leistungen im Betrieb. Das zu respektieren, gehört zur sozialen Verantwortung von Firmenchefs und von allen, die über Personal entscheiden.
Es ist in sämtlichen Managementbüchern nachzulesen: Firmen, die soziale Verantwortung übernehmen, haben eine bessere Unternehmenskultur und wirtschaftlichen Erfolg. Meist sind es eher die kleinen Firmen, der Mittelstand, der das von sich sagen kann.
Mitarbeiter statt Planstellen
Das liegt daran, dass es dort wirklich um "Mitarbeiter" geht, während bei den großen Konzernen von "Planstellen" die Rede ist. Der mittelständische Unternehmer kennt seine Leute und oft auch deren Familien. Dem Konzernchef sind meist nur die Personalziffern bekannt.
Mitarbeiter, die das Gefühl haben, sie sie seien bloß Verschiebemasse, leben ihren Missmut aus. Häufig schieben sie nur noch Dienst nach Vorschrift, wenn sie sich nicht mehr anerkannt fühlen. Wer innerlich gekündigt hat, strengt sich nicht an. Das aber ist gerade für ein Unternehmen fatal, das in einer Krise steckt. Um die Krise zu meistern, brauchen Firmen gute Ideen ihrer Mitarbeiter.
- Callcenter-Schließungen Mit vereinten Kräften gegen die Telekom 22.08.2008
- Telekom Zu viel gespart 21.08.2008
- Telekom schließt Callcenter Ohne Anschluss 21.08.2008
- Obermann baut Telekom um 14.000 Mitarbeiter müssen wechseln 21.08.2008
- Call-Center der Telekom Es kommt nicht auf die Größe an 19.08.2008
(SZ vom 23.08.2008/jkr)
...er kommt bloß ein paar Jährchen zu spät! In der Zeit haben die Arbeitnehmer mehr und mehr schweigend ihre Degradierung zur Kenntnis genommen! Und da auch den Arbeitgebern die "Hauptsache mich trifft es nicht"-Mentalität der Menschen kennen, brauchten und brauchen sie solidarischen Widerstand nicht zu fürchten...
Jou - und inzwischen sind die Sitten derart verlottert, dass ein solcher Kommentar nicht mehr das in der Lage ist aus zu lösen, was er vor Jahren möglicherweise noch gekonnt hätte: Eine breitgefächerte Diskussion um Moral und Ethik im Zeitalter der ALLES ENTSCHULDIGENDEN GLOBALISIERUNG!!!
Schade...
@nicknoris
stellt sich raus dass man schon lesen koennen muss wenn man kommentieren will. Wo steht in meinem post was von Parasiten? Was ich sage ist dass sich ein "Lebensentwurf" (weiss immer noch nicht was das genau sein soll) der Wirklichkeit anpassen muss und nicht umgekehrt.
Ob Gemeinden zuviele oder zuweinig Mitarbeiter haben ist unwichtig. Worum es ging war dass, wer einen ortsfesten Job auf Lebenszeit will, den dann halt auch entsprechend aussuchen muss. Kann ja auch Lehrer sein...da gibts glaub ich nicht zuviele...
Was Faber-Castell betrifft: Die These von Frau Haas war dass dies IMMER Hand in Hand geht - und das bestreite ich. Natuerlich gibt es auch Faelle wo die These stimmt. Mir geht es hier eher um business junk science...wie in dem Artikel zitiert.
klingt Ihr Beitrag ja plausibel, auf den zweiten Blick wird er zum bräsigen INSM-Quark. Sie machen sich über Lebensentwürfe lustig, aber unterschiedliche Lebensentwürfe bedeuten das wirkliche Leben. Einer kann auf Jobhetze durch Europa gehen, ein anderer halt nicht. Den nicht so Flexiblen (in Ihren Augen fast schon Parasiten) raten, sie sollen sich bei ihrer Gemeinde eienen Job suchen, empfehlen ausgerechnet die, denen der Staat eh zu viel Personal hat. Pfui.
Die Krone setzen Sie Ihrem Beitag auf, wenn Sie bezweifeln, dass soziale Verantwortung für Mitarbeiter und Unternehmenskultur nicht korrespondieren.
In meiner Stadt finde ich dazu Faber-Castell. Die hatten Anfang des 19. Jahrhunderts den ersten Betriebskindergarten und die zweite Betriebskrankenkasse Bayerns. Und die kümmerten sich um die Familien alkoholkranker Mitarbeiter. Hat ihnen nix geschadet, Herr Knallhart, machten und machen trotzdem fette Gewinne.
Schon der Titel des Artikels laesst nix gutes erahnen - aber dann geht es gleich 100%ig los. Erst ein paar Absaetze Sozialgeschwurbel und Platitueden und dann der Kern: "Es gibt Lebensentwürfe, zu denen ein Ortswechsel einfach nicht passt." Laut Frau Haas reicht es da schon Kinder zu haben die zur Schule gehen - schon hat man einen "Lebensentwurf" (was immer das sein soll), der leider nicht zu einer Versetzung passt. Anders ausgedrueckt: Ich habe einen Fahrstil der sich nicht fuer die STVO eignet. Ich finde ich sollte Tempolimits nicht beachten muessen - so argumentiert Frau Haas.
Und "Sicherheit und soziale Kontakte" haben nix mit Bequemlichkeit zu tun? Was denn dann?
Ausserdem sind die Angestellten erst arme alleinerziehende Muetter mit 1000 Euro im Monat (aus Teilzeit...), und dann weiter unten Ehepartner die zusammen ein Haus gebaut haben...wie's halt gerade passt.
Wer einen Job auf Lebenszeit am selben Ort sucht dem stehen viele Moeglichkeiten offen - bspw Beamter werden oder Angestellter bei der Stadt, Gemeinde etc. Bei der Telekom oder in jeder anderen grossen Firma sollte man das eher nicht erwarten.
"Es ist in sämtlichen Managementbüchern nachzulesen: Firmen, die soziale Verantwortung übernehmen, haben eine bessere Unternehmenskultur und wirtschaftlichen Erfolg."
Ist das so? In dem Fall muessten bspw die skandinavischen Firmen ja die Welt beherrschen - und das ist ja wohl eher nicht der Fall.
Menschen sind also keine Verschiebemasse, die je nach unternehmerischer Entscheidung heute hier und morgen dort eingesetzt werden kann. Im Gegenteil, es gibt Menschen die aus den verschiedensten Gründen (eigenes Haus, berufstätiger Ehepartner, pflegebedürftige Eltern) an einen Ort gebunden sind.
Schade ist nur, daß in allen Kommentaren der SZ zur Kilometerpauschale diese Erkenntnis dann wieder ignoriert wird. Dort kann man dann jedesmal nachlesen, daß ein Arbeitnehmer seinem Arbeitsplatz doch gefälligst hinterher zu ziehen habe.
Vielleicht kann Frau Sibylle Haas diesen Widerspruch in einem ihrer nächsten Kommentare erklären. Ansonsten könnte noch der Eindruck entstehen, daß dieser Artikel einfach eine billige Übung in Populismus auf Kosten der Telekom ist. (Und das sage ich als Mitarbeiter eines großen Telekom-Konkurrenten, der im übrigen mit seinen Mitarbeitern auch nicht besser umgeht.)
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