Die bis dato konzerntreue Gewerkschaft fährt die Krallen aus: Der designierte Transnet-Chef Krauß droht mit Widerstand gegen die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn.

Der Aufsichtsrat des Konzerns, in dem auch die Gewerkschaft vertreten ist, will am Donnerstag über die geplante neue Konzernstruktur abstimmen. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet warf der Bahn am Mittwoch jedoch vor, sie halte Vereinbarungen nicht ein und wolle offenbar den Struktursicherungs-Tarifvertrag nicht mehr unterzeichnen. Der Tarifvertrag soll unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen wegen der Privatisierung bis Ende 2023 regeln. Außerdem soll er die 100-Prozent-Beteiligung der Bahn AG an der Infrastruktur festschreiben. "Vor allem dieser Passus ist nunmehr strittig", hieß es in einer Transnet-Erklärung vom Mittwoch.

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"Wird der Tarifvertrag jetzt nicht unterzeichnet, gibt es von uns keine Zustimmung zur geplanten Teilprivatisierung", sagte der neue Transnet-Chef Lothar Krauß. Dann werde die Arbeitnehmerseite in der Aufsichtsratssitzung geschlossen gegen die Verkaufspläne stimmen. Die Arbeitgeberseite kann die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat allerdings mit der doppelten Stimme des Aufsichtsratschefs überstimmen.

"Kein Grund zur Panik"

In dem Vertrag sei vor allem der Passus zur Infrastruktur strittig, obwohl sich beide Seiten darüber schon im Wesentlichen einig gewesen seien, sagte Krauß. Die neue Verweigerungshaltung der Bahn sei ihm daher völlig unerklärlich.

Der Bahn-Aufsichtsrat will am Donnerstag über die neue Struktur abstimmen. Danach sollen Personen- und Frachtverkehr sowie die Spedition Schenker zu einer neuen Gesellschaft zusammengefasst werden, die dann unter dem Dach des bisherigen Bahn-Konzerns zu 24,9 Prozent an die Börse gebracht werden soll. Schienennetz und Bahnhöfe dagegen sollen komplett im Besitz der Bahn bleiben.

Ein Bahnsprecher sagte dazu: "Es gibt keinen Grund für Aufgeregtheiten." Die Frage werde noch am Mittwoch "in aller Ruhe besprochen".

Transnet hatte als einzige von drei bei der Bahn organisierten Gewerkschaften für die Privatisierung gestimmt.

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(sueddeutsche.de/Reuters/AP/mel/tob)