Tech-Firmen im Silicon Valley Tal der weißen Männer

Die Persönlichkeiten, denen im Silicon Valley das nächste große Ding zugetraut wird, sind alle männlich, weiß und jung. Kann das gut gehen?

Hautfarbe? Geschlecht? Uni-Abschluss? Absolut nebensächlich. Das ist das große Versprechen des Silicon Valley - und ein Mythos. Denn die Tech-Branche hat ein gewaltiges Problem.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Das Silicon Valley ist ein rückständiger Ort. Die meisten Menschen erkennen das nicht auf den ersten Blick, weil sie geblendet sind von den visionären Dingen, die in dem Tal ersonnen werden. Von den selbst fahrenden Autos, den Internetbrillen und Drohnen, mit denen die Menschheit auch in den entlegensten Plätzen digital vernetzt werden soll. Aber ausgerechnet das Umfeld, in dem die Zukunft entworfen wird, ist eine Welt von gestern. Veraltet und verstaubt.

So sehr die Technologie-Branche im Westen Kaliforniens das 21. Jahrhundert prägt, so stark ist sie im 20. Jahrhundert gefangen. Prägende Frauenfiguren lassen sich an einer Hand abzählen. Selbst Brancheninsider müssen lange überlegen, bevor sie einen schwarzen CEO nennen können. Und ob man einen Blick auf die Besucher der vielen Tech-Konferenzen in San Francisco wirft oder an die Persönlichkeiten denkt, denen das nächste große Ding zugetraut wird: Sie sind alle männlich, weiß und jung. Kann das gut gehen?

Eher nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sich hier gerade eine Branche um ihre verschiedenen Blickwinkel bringt. Um den offenen Austausch, ohne den nichts Neues entstehen kann. Sie bringt sich auch um die Chance, die Art und Weise, wie wir in Zukunft leben, schon heute gemeinsam zu bestimmen. Um die gesellschaftliche Legitimation der Technologien von morgen.

Lange nicht mal als Problem anerkannt

Lange schwelte die Debatte nur im Hintergrund, wollten viele überhaupt nicht anerkennen, dass es da ein Problem gibt. Im Gegenteil: Eines der großen Versprechen des Silicon Valley ist, dass - anders als in vielen anderen Industrien - eine Meritokratie herrscht. Nicht Herkunft, sondern Leistung zählt. Wer eine gute Idee hat, kann die Welt verändern oder zumindest ziemlich viel Geld verdienen, heißt es. Hautfarbe? Geschlecht? Uni-Abschluss? Absolut nebensächlich.

Inzwischen ist dieses Versprechen als Mythos enttarnt. Auf öffentlichen Druck haben die großen Firmen begonnen, die Zusammensetzung ihrer Belegschaft zu veröffentlichen. Twitter wählte dazu den Zeitpunkt, an dem der Konkurrent Facebook seine eindrucksvolle Bilanz verkündete. Das Unternehmen hoffte, so nicht ins Radar der allgemeinen Aufmerksamkeit zu gelangen. Aus gutem Grund: Die Zahlen, die Twitter vorlegte, sind ein Desaster.

Für Twitter arbeiten 70 Prozent Männer und 30 Prozent Frauen. In den IT-Jobs sieht es sogar noch niederschmetternder aus, hier sind sogar neun von zehn Mitarbeitern männlich. Nur ein wenig besser steht es bei Firmen wie Google und Facebook: In der Regel sind immer gut zwei Drittel männlich. Nur etwa jeder dritte Arbeitnehmer in diesen Firmen gehört einer anderen Ethnie an, die meisten davon sind asiatischer Abstammung. Bei Schwarzen und Latinos liegt der Anteil nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Anders ausgedrückt: Die Tech-Branche hat ein Problem, und zwar ein gewaltiges.