Kaufhaus-Kette 20 Karstadt-Filialen in Gefahr

Triste Zukunft für die Warenhäuser. Knapp ein Viertel aller Standorte sind offenbar gefährdet.

(Foto: Martin Gerten/dpa)

Den Beschäftigten des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns Karstadt drohen weitere Sparrunden. Man mache sich bei einem Viertel der Geschäfte "berechtigte Sorgen" um die Profitabilität, sagt der Aufsichtsratschef.

  • Aufsichtsratschef Fanderl stellt Profitabilität bei einem Viertel der Filialen infrage.
  • Management arbeitet auch nach Sjöstedts Weggang an einem Sanierungskonzept.
  • Finanzausstattung für das Weihnachtsgeschäft ist gesichert.

Schmerzhafte Einschnitte

Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl stimmt die 17.000 Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette auf tiefe Einschnitte in das Filialnetz ein. Es gebe zwar noch keine konkreten Schließungsbeschlüsse, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Aber das Unternehmen macht sich seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern." Das entspricht etwa einem Viertel der bundesweit 83 Karstadt-Filialen.

"Es wird schmerzhafte Einschnitte geben müssen, um dem gesunden Kern eine Zukunft zu geben", sagte Fanderl. Mit Einschnitten sei auch in der Essener Hauptverwaltung und in der Logistik zu rechnen. "Es ist klar, dass Karstadt in der derzeitigen Situation alles auf den Prüfstand stellen muss", sagte Fanderl. "Die Kraft der Karstadt-Filialen, zu hohe Zentral- und Logistikkosten zu tragen, ist genauso begrenzt wie die Fähigkeit, auf Dauer eine zu große Zahl unprofitabler Standort zu betreiben."

Liquidität gesichert

Das Management arbeite intensiv daran, dem Aufsichtsrat und den Arbeitnehmergremien "zeitnah" ein umfassendes und belastbares Sanierungskonzept vorzuschlagen. Mit allen Vertragspartnern des angeschlagenen Warenhausunternehmens sollen Gespräche geführt werden.

Mit dem Warenkreditversicherer des Unternehmens sei eine Verlängerung des Vertrags um ein Jahr erreicht worden. Damit ist das für das Unternehmen besonders wichtige Weihnachtsgeschäft gesichert. Karstadt habe auch genug Liquidität und sei handlungsfähig, versicherte Fanderl. Das Unternehmen verdiene aber "über die Ladenkasse noch immer kein Geld".

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Hoffnungsträgerin kündigt

Erst in der vergangenen Woche hatte Konzernchefin Eva-Lotta Sjöstedt, die als große Hoffnungsträgerin galt, nach weniger als fünf Monaten ihren Platz geräumt. Sie sehe keine Basis mehr für den von ihr angestrebten Sanierungsprozess, hatte die schwedische Managerin ihren überraschend Abschied vergangene Woche begründet.

Fanderl sagte dazu, er bedaure Sjöstedts Kündigung. Karstadt habe aber mit Miguel Müllenbach und Kai-Uwe Weitz "erfahrene Geschäftsführer", mit denen die Sanierung angegangen werden solle.

Spekulationen um Verkauf

Investor Nicolas Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 für den Symbolpreis von einem Euro übernommen. Kritiker werfen dem Eigentümer vor, dem Unternehmen die für eine Sanierung notwendigen Finanzmittel bislang versagt zu haben. "Von einem rationalen Finanzinvestor finanzielle Unterstützung zu erwarten, wenn man ihm nicht zeigen kann, ob und wie sich diese rentiert, ist müßig und in der Regel erfolglos", sagte Fanderl nun in der FAZ.

Zuletzt war berichtet worden, dass Berggruen mit der auf Immobiliengeschäfte spezialisierten Finanzgruppe Signa des Österreichers René Benko verhandelt. Signa hatte in den vergangenen Jahren bereits Filiale für Filiale gekauft - inzwischen besitzt Signa mehr als 20 Karstadt-Immobilien. Im Herbst 2013 übernahm das Unternehmen zudem die Mehrheit an den Karstadt-Sporthäusern und den drei Luxusstandorten KaDeWe (Berlin), Oberpollinger (München) und Alsterhaus (Hamburg). Damals wurde offenbar ebenfalls vereinbart, dass Benko auch die Mehrheit an den übrigen Kaufhäusern übernehmen kann, für einen symbolischen Euro. Dementiert wurde diese geheime Absprache nie.

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