Von Sibylle Haas und Michael Bauchmüller

Der Ton im Metall-Tarifstreit verschärft sich. Die Arbeitgeber wollen den Konflikt auf Bundesebene lösen - das empört die IG Metall. Jetzt drohen Streiks.

Nachdem die zweite Runde der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektro-Industrie in Baden-Württemberg am Mittwoch ergebnislos verlaufen ist, hat sich der Ton zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern weiter verschärft. "Taktisches Verzögerungsmanöver" wirft IG-Metall-Chef Berthold Huber dem Präsidenten des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser vor.

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Die IG Metall ist verärgert: Arbeitgeberverbände wollen die Lösung zum Tarifstreit auf Bundesebene suchen. (© Foto: ddp)

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Dieser hatte zuvor einen spektakulären Vorschlag gemacht: "Wir stellen uns vor, dass IG Metall und Gesamtmetall die Lösung der Tarifrunde auf der Bundesebene suchen", schreibt Kannegiesser in einem Brief an Huber, welcher der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Dieser Vorschlag ist außergewöhnlich, weil es in der Metall- und Elektro-Industrie Tradition ist, Tarifverhandlungen regional zu führen. Seit Jahren ist es üblich, dass die Tarifkommissionen in den sieben Bezirken getrennt verhandeln. Im Verlauf der Verhandlungen bildet sich dann ein Pilotbezirk heraus, dessen Abschluss bundesweit übertragen wird. Für die IG Metall ist dies ein demokratischer Prozess. Entsprechend verärgert äußerte sich Huber. Er sehe für ein Spitzengespräch zwischen IG Metall und Gesamtmetall keinen Anlass. "Es liegt nicht an den Verhandlungspartnern und den Aushandlungsmechanismen, sondern an dem fehlenden Angebot der Arbeitgeber, dass wir nicht weiterkommen."

Die Tarifverhandlungen für bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektro-Industrie haben Anfang Oktober begonnen. Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber lehnen dies ab. Die ersten Tarifrunden in den Bezirken sind inzwischen beendet. Am Mittwoch gingen auch die Gespräche der zweiten Runde in Baden-Württemberg ergebnislos zu Ende und wurden auf den 30. Oktober vertagt. Die Friedenspflicht zwischen den Tarifparteien endet am 31.Oktober.

"Keine Verzögerungstaktik"

Üblicherweise legen die Arbeitgeber in der zweiten oder dritten Runde ein Angebot vor. Ein solches werde es nun erst in der dritten Runde geben, sagte Kannegiesser am Abend in Berlin. In welchem Tarifbezirk dieses vorgelegt werden soll, ließ er offen. Die Branche steuert nun auf Arbeitsniederlegungen zu. Es gebe kaum noch Chancen, ohne Streiks einen Tarifabschluss zu erreichen, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nach der zweiten Runde. "Ich bedauere, dass wir heute wertvolle Zeit verloren haben."

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sprach dagegen am Mittwochabend von einer "Ausnahmensituation". "In einigen Branchen brechen die Dinge buchstäblich weg", sagte Kannegiesser. Deswegen habe sich der Vorstand zum Angebot eines zentralen Metallgipfels entschlossen. "Das sollte keine Verzögerungstaktik sein, sondern ein konzertierter Sprung", sagte Kannegiesser. Deswegen sei die postwendende Ablehnung der IG Metall enttäuschend.

Kannegiesser hatte Huber in dem Brief weiter vorgeschlagen, dass Vertreter aller Tarifgebiete bei den Verhandlungen auf Bundesebene vertreten seien. "Eine konzentrierte gemeinsame Lösungssuche mit der aus den Regionen versammelten Kompetenz könnte am besten geeignet sein, die gegenseitigen Interessen auszugleichen", schreibt Kannegiesser. Ziel sei eine schnelle Lösung, um zu vermeiden, dass sich ein Tarifkonflikt hochschaukele.

In Deutschland werden die meisten Tarifgespräche regional geführt. Bei der Chemie-Industrie finden die ersten Runden traditionell in den Bezirken statt, um die regionalen Unterschiede in weiteren Runden zu berücksichtigen. Danach wird aber auf Bundesebene verhandelt. Eskalierende Konflikte sind zuletzt in der Chemie-Industrie ausgeblieben.

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(SZ vom 23.10.2008/ld)