Im öffentlichen Dienst verhärten sich die Fronten: Bereits vor dem Auftakt der Tarifverhandlungen sprechen die Gewerkschaften von Warnstreiks. Die kommunalen Arbeitgeber beklagen Finanznöte.

Die Tarifrunde für die 1,2 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen beginnt - und sie verspricht schwierig zu werden: Die Gewerkschaften fordern Verbesserungen in einem Gesamtumfang von fünf Prozent. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) verwies auf die bereits 2009 vereinbarte Lohnerhöhung für die Beschäftigten der Länder von 1,2 Prozent für das laufende Jahr. "Das ist eine Orientierungsmarke", sagte der Verbandspräsident Thomas Böhle der Frankfurter Rundschau.

Bild vergrößern

Warnstreiks des öffentlichen Dienstes in Frankfurt im Februar 2009. In der neuen Tarifrund drohen die Gewerkschaften erneut mit Arbeitsniederlegungen. (© Foto: ddp)

Anzeige

Angesichts der knappen Kassen zeichnen sich zähe Verhandlungen ab. Sollten sich die Arbeitgeber in den ersten beiden Verhandlungsrunden nicht bewegen, kündigten sowohl Verdi als auch die Tarifunion des Beamtenbundes Warnstreiks und Demonstrationen für Anfang Februar an. Die Arbeitgeber wollen zum Auftakt der Gespräche noch kein Angebot vorlegen.

Verdi-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp sagte der Zeitung Die Welt: "Ich sehe trotz der wirtschaftlichen Situation ein großes Unterstützungspotenzial für Warnstreiks." Vor allem im Energiebereich, im Nahverkehr und in Krankenhäusern sehe er "eine große Mobilisierungsbereitschaft".

Für die Beschäftigten der Länder war bereits 2009 eine Lohnerhöhung von 1,2 Prozent für das laufende Jahr vereinbart worden. Die Gewerkschaften müssten erklären, warum sie vor einem Jahr einen Zuschlag von 1,2 Prozent akzeptierten - und nun für die Beschäftigten in Kommunen und beim Bund fünf Prozent forderten, sagte Böhle.

Der Slogan der Gewerkschaften "sozial ist, was Kaufkraft schafft", sei zwar griffig. Allerdings könnten sich die Kommunen keine hohen Lohnsteigerungen leisten. "Wenn das Geld nicht da ist, funktioniert das nicht", sagte der Verhandlungsführer der Kommunen mit Blick auf die Finanznöte der Städte und Gemeinden.

Demografischer Wandel

Skeptisch äußerte sich Böhle auch zu der Gewerkschafts-Forderung nach einer neuen Altersteilzeit-Regelung. Es sei unvernünftig, Menschen, die noch fit sind, einfach gehen zu lassen.

Schließlich habe der öffentliche Dienst in manchen Bereichen Probleme, Nachwuchskräfte zu finden. Wenn es eine Neuregelung geben sollte, müsse sie dem demografischen Wandel Rechnung tragen, betonte Böhle.

Nach Verdi-Angaben würde eine Tarifanhebung um fünf Prozent die öffentlichen Haushalte des Bundes und der Kommunen mit jährlich knapp fünf Milliarden Euro zusätzlich belasten.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa/AFP/pak/hgn)