Wohlig warm ist es bei Vater Staat - und dennoch ist der Wunsch der Angestellten im öffentlichen Dienst nach mehr Geld gerechtfertigt.
Auf den ersten Blick hört sich die Forderung etwas verrückt an. Fünf Prozent mehr Lohn wollen die Gewerkschaften in der Tarifrunde mit Bund und Kommunen durchsetzen - dies bestätigt scheinbar alle Vorurteile über den öffentlichen Dienst. Dort arbeiten Leute, die keine Angst vor Kündigung zu haben brauchen, und jetzt wollen sie auch noch exorbitant mehr Geld. Sollten sich die Verhandlungsführer bei Verdi und Beamtenbund nicht an ihren Kollegen in den Industriegewerkschaften orientieren? Die gehen zum Teil ohne konkrete Forderung in die Verhandlungen, sondern wollen vor allem Arbeitsplätze retten.
Verdi und der Beamtenbund fordern für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes fünf Prozent mehr Lohn. (© Foto: dpa)
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Dabei ist es gerade der Vergleich zur Industrie, der die prozentuale Forderung rechtfertigt. Schlimm genug, dass die Metallindustrie derzeit einen Auftragsrückgang von knapp 30 Prozent hat - es reicht doch, dass darunter deren Beschäftigte leiden müssen. Niemandem wäre gedient, wenn jetzt deshalb die Krankenschwestern, Erzieher, Sachbearbeiter und Straßenwärter eine Nullrunde hinlegten, aus Solidarität sozusagen.
Des Kaisers Rock ist eng, aber warm; mit dieser Weisheit wird seit jeher gerne begründet, warum die Gehälter im öffentlichen Dienst relativ niedrig sind. Die Sicherheit des Jobs darf den Beschäftigten ruhig etwas wert sein; nur lagen in den vergangenen Jahren die Gehälter beim Staat nicht nur unterhalb derer in der Wirtschaft - sie sind auch viel langsamer gestiegen. Der Staat muss aber ein Interesse daran haben, im Wettbewerb um gute Arbeitnehmer konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn also diesmal die Gehälter bei ihm stärker steigen würden als in der Wirtschaft: umso besser. Dass es keine fünf Prozent werden, wissen die Gewerkschaften selbst.
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(SZ vom 16.12.2009/tob)
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Bitte nicht verwechseln - Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst.
Die Angestellten sind immer kündbar! Die haben schon lange keine sicheren Jobs mehr im öffentlichen Dienst. Das war einmal!
Die Bediensteten des öffentlichen Dienstes:
Damit spricht die Gewerkschaft Verdi nur die Angestellten an - nicht die Beamten.
Sie reden am Thema vorbei. Im Text ist ausschließlich von Tarifverhandlungen der Gewerkschaften die Rede. Dies bezieht sich ausschließlich auf Angestellte und Arbeiter, die neuerdings gemeinschaftlich "Beschäftigte" genannt werden. Ob die bei diesen Verhandlungen erzielten Ergebnisse auch auf die Beamten übernommen werden, entscheidet der Dienstherr dann hoheitlich.
Wenn man hier angebliche Netto-/Bruttoverdienste vergleicht, sollte man diese aber auch in die richtigen Relationen setzen. Beschäftigte haben einen Arbeitsvertrag, was da drinn steht ist ihre Aufgabe, nicht mehr. Ein Beamter bekommt seine Arbeit unabhängig vom finanziellen Gegenpart. Als Beispiel: Ein Angestellter E6 übernimmt längere Zeit Tätigkeiten, die in E8 eingestuft sind. Damit erwirbt er einen Anspruch auf entsprechende Bezahlung. Ein Beamter kann jahrelang Tätigkeiten ausüben, die weit über seiner Eingruppierung liegen und wird doch maximal eine einmalige Zulage (Bruchteil eines Monatsbezugs) erhalten.
Auch kann ein Beamter jederzeit zu Überstunden, auch am Wochenende, herangezogen werden. Bei Beschäftigten ist deren Zustimmung nötig. (Als IT-ler einer Behörde hab ich entsprechende Erfahrungen sammeln "dürfen")
Dazu kommt, dass z.b. in Bayern die Landesbeamten 42 Stunden arbeiten "dürfen", während die ihnen gegenübersitzenden Beschäftigten lediglich rund 40 Stunden ableisten müssen.
de facto ist es doch so, dass hier grundsätzlich alle Gruppen gegeneinander ausgespielt werden: Normalbürger contra ÖD-Beschäftigte, Beschäftigte contra Beamte etc.
Und solange das die große Mehrheit mit sich machen lässt, haben die Entscheidungsträger leichtes Spiel...
Die Unterscheidung zwischen Angestellten und Arbeitnehmern gibt´s doch schon seit zwei Jahren nicht mehr. Das sind alles Arbeitnehmer bzw. Beschäftigte. Wieso Sie da als "langjähriger Personalrat" offenbar nix davon mitbekommen haben, weiß ich nicht. Aber dass Sie den nach wie vor vorhandenen faktischen Kündigungsschutz langjähriger, nichtverbeamteter Mitarbeiter in Abrede stellen, ist schon frech. Versuchen Sie mal einen unwilligen und/oder unfähigen Arbeitnehmer los zu werden, der schon 15 Jahre dabei ist. Die Chance gehen gegen Null...
Beamte, Richter und Soldaten erhalten als staatliche Altersversorgung die Pension, die aus Steuermitteln finanziert wird. Die Höhe der Pension hängt von der zuletzt erreichten Besoldungsstufe und den Dienstjahren ab.
Ich war zwar kein Beamter - aber jahrzehntelanger Personalratsvorsitzender und deshalb meine ich anmerken zu können, daß Ihre Behauptung, daß das Ruhestandsentgelt entsprechend dem Letzten Einkommen eines Beamten entspricht, schlichtweg falsch ist.
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