Tarifstreit bei der Lufthansa Flugbegleiter bestreiken deutsche Großflughäfen
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Schon in den Morgenstunden haben Flugbegleiter in Frankfurt und Berlin die Arbeit niedergelegt. Am Mittag schlossen sich dann auch die Kollegen in München an. Mehr als 300 Flüge muss die Lufthansa streichen - vor allem in Frankfurt bringt der Streik den Flugplan durcheinander.
Zwar spricht die Gewerkschaft der Flugbegleiter (Ufo) noch von "Nadelstichen", doch am Dienstag hatte der Streik bei der Lufthansa weitaus größere Auswirkungen als zuletzt.
Streik der Lufthansa-Flugbegleiter: Passagiere warten am Dienstagmorgen an einem Schalter auf dem Flughafen in Berlin-Tegel.
(Foto: dpa)Anzeige
[] Schon in den frühen Morgenstunden hat das Kabinenpersonal am Flughafen Berlin-Tegel und am Frankfurter Airport die Arbeit niedergelegt. Die Ausstände dauerten jeweils acht Stunden. Seit 13 Uhr wird auch der Flughafen München bestreikt, hier sollen die Arbeitsniederlegungen bis Mitternacht andauern.
[] Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben rund 350 Flüge gestrichen (hier eine Übersicht). Die meisten Flüge mussten in Frankfurt annulliert werden, auch in Berlin fiel rund die Hälfte der Lufthansa-Flüge aus. In München habe man drei Viertel der 450 planmäßigen Flüge in die Luft bekommen, sagte ein Sprecher. Auch am Mittwoch ist noch mit Flugausfällen zu rechnen.
16:15 Uhr
Die Lufthansa zieht eine erste Bilanz: Von dem neuerlichen Streik an den Flughäfen Frankfurt, Berlin und München sind mindestens 43.000 Fluggäste betroffen gewesen, sagte ein Sprecher. Insgesamt fielen knapp 350 Flüge aus. Im Einzelnen fielen am Dienstag in Berlin 15 von 39 Flügen der Lufthansa aus. In Frankfurt waren es 217, darunter 16 Langstreckenflüge, von 370 Verbindungen. In München habe man drei Viertel der 450 planmäßigen Flüge in die Luft bekommen. Auch am Mittwoch würden noch einzelne Flüge ausfallen, bevor sich der Flugverkehr wieder ganz normalisiert habe, fügte der Sprecher hinzu.
15:28 Uhr
Vor dem Schalter der Lufthansa in München liegen ein paar Tafeln Schokolade herum und Wasserflaschen - die gibt es heute wegen des Streiks umsonst. "Bislang ist noch niemand richtig ausgerastet", erzählt ein Service-Mitarbeiter. "Und wenn, ich habe Verständnis dafür, dass das Kabinenpersonal streikt", sagt seine Kollegin. "Das machen sie doch nur, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind."
15:18 Uhr
Eine Stunde stehe sie nun bereits am Schalter der Lufthansa an, erzählt Barbara Hoss. Dass ihr Flug nach Indien gestrichen wurde, hat sie erst in München am Flughafen erfahren. "Ich bin schon seit neun Uhr unterwegs, mit Bahn und Bus vom Schwarzwald", erzählt sie. Nun will sie endlich wissen, ob sie ihren Anschlussflug nach Nepal noch erwischt. Doch noch stehen etwa zehn Passagiere vor ihr in der Schlange und für Hoss heißt es erst einmal weiter warten. Ob sie Verständnis hat für den Streik? "Wenn ich selbst nicht betroffen wäre, ja", sagt sie.
15:10 Uhr
Im Terminal 2, von dem in München die Lufthansa-Flüge starten, herrscht noch immer fast gespenstische Stille. Nur ein paar Fernsehteams drängeln sich um Nicoley Baublies, den Chef der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (Ufo). Wie ein Streikführer sieht der Mann mit den wasserstoffblonden Haaren und dem aprikosenfarbenen Hemd nicht aus, geduldig gibt er ein Interview nach dem anderen. "Das Zufriedenstellendste ist, dass die Lufthansa viele Flüge vorzeitig gestrichen hat und die Passagiere nicht umsonst hierher kommen mussten", sagt er ungefähr zum zehnten Mal. Froh sei er auch über die Solidarität des Bodenpersonals, das den Ärger der Kunden abbekomme. Dann muss Baublies weiter, das nächste Fernsehteam wartet bereits.
14:55 Uhr
Der Streik in Frankfurt ist beendet. Die Kabinenmitarbeiter hatten für acht Stunden die Arbeit niedergelegt. Laut Flughafenbetreiber Fraport wurden wegen des Streiks am größten deutschen Flughafen rund 250 Starts und Landungen gestrichen.
14:43 Uhr
Auch Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger hat sich jetzt unter die Streikenden in München gemischt. 15 Langstreckenflüge seien bis 24 Uhr von München geplant, sagt sie. Rund die Hälfte müsste ausfallen. Insgesamt gebe es 450 Flüge, davon könnten immerhin zwei Drittel ausgeführt werden.
14:34 Uhr
Vor allem Reisende im Inland, deren Flüge gestrichen wurden, weichen auf andere Verkehrsmittel aus. Die Bahn hat sich darauf vorbereitet.
14:29 Uhr
"Franz jetzt langt`s", rufen die Streikenden am Münchner Flughafen. Und: "Wir sind die Lufthansa". Die Wut auf den Vorstandschef Christoph Franz ist groß. Immer wieder brandet hier tosender Applaus auf, wenn sich wieder ein neuer Flugbegleiter den Streikenden anschließt. 400 Streikjacken seien bereits verteilt, erzählt eine Frau. Manche hier haben ihre Kinder mitgebracht, auch sie tragen gelbe Jacken. Ein Flugbegleiter hat seinen Hund dabei. "Angry dog" steht auf seinem gelben Schal.
14:14 Uhr
Da sind sie, die Hauptdarstellerinnen dieses Tages, die bisher unsichtbar blieben: Eine Gruppe Lufthansa-Flugbegleiterinnen sammelt sich in Berlin-Tegel vor dem Eingang zum Gate. Nach Streik-Ende sind sie wieder im Einsatz, gleich geht eine der ersten Maschinen. "Ein bisschen" hätten sie gestreikt, sagt eine junge Stewardess. Da macht eine ältere Kollegin klar, dass die Gruppe nichts mit der Presse zu tun haben soll: "Wir möchten nichts sagen", sagt sie. Eine andere verweist an die Gewerkschaft Ufo. Sie wirken, als wären sie zufrieden mit dem Streik.
14:04 Uhr
Münchner Hauptbahnhof: Für gestrandete Lufthansa-Passagiere, die auf die Bahn ausweichen wollen, gibt es einen eigenen Schalter.
14:02 Uhr
Die Bahn kann keine erhöhte Zahl an Reisenden feststellen. Das Reiseaufkommen sei im Bereich des Gewöhnlichen, sagt ein Bahnsprecher in München. Momentan ist nicht geplant, zusätzliche Züge einzusetzen, die Möglichkeit bestehe aber. Zusätzliche Mitarbeiter seien für Reiseauskünfte eingesetzt. Passagiere des innerdeutschen Flugverkehrs können ihr elektronisches Ticket für die betreffende Strecke online über die Lufthansa-Internetseite, am Check-in-Automaten oder am Lufthansa-Schalter am Flughafen in einen Reisegutschein für die Deutsche Bahn umwandeln lassen.
13:53 Uhr
Christina Nomikou-Müller hat es schon bei Air Berlin und Swiss Air versucht. Sie hat ein Lufthansa-Ticket von Tegel nach Düsseldorf. Der Flug ist wegen des Streiks gestrichen, die Griechin hat Angst, ihren Anschluss nach Athen zu verpassen. Eine Flughafenmitarbeiterin hatte ihr empfohlen, es direkt bei anderen Fluglinien zu versuchen, doch alle Appelle an die Kulanz halfen nicht: Die Maschinen von Swiss und Air Berlin sind voll.
13:50 Uhr
Auch Uwe Hien, 55, streikt an diesem Dienstag am Münchner Flughafen. Seit 26 Jahren arbeitet der Chefsteward für die Lufthansa. "Der derzeitige Veränderungsprozess bei der Lufthansa überfordert auch uns in der Kabine", sagt er. "Und die Lufthansa hat genau wie wir eine Verantwortung." Hien will deshalb weiterstreiken - "bis die Fluggesellschaft signalisiert, dass sie bereit ist zu verhandeln", sagt er.
13:45 Uhr
Am Besucherpark des Münchner Flughafens haben sich jetzt einige Hundert Lufthansa-Mitarbeiter versammelt, alle in gelben Jacken. "In Frankfurt geht nicht viel, kein Flieger am Himmel", ruft eine Frau ins Megaphon und erntet tosenden Applaus. Viele hier haben Schilder mitgebracht. "Unseren treuen Gästen Dankschön, unserem Sparvorstand Pfui" steht darauf. Oder "Treu geflogen, angelogen".