Tarifrunde in der Stahlindustrie 3,5 Prozent? Zu wenig!

Keine Einigung in Sicht: Im Tarifstreit der nordwestdeutschen Stahlindustrie hat die IG Metall ein erstes Angebot der Arbeitgeber abgelehnt und weitere Warnstreiks angekündigt.

Die vorgeschlagene Erhöhung der Löhne und Gehälter von 3,5 Prozent sei zu niedrig, sagte der nordrheinwestfälische IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard am Dienstagabend in Gelsenkirchen. Die Gewerkschaft kündigte an, ihre Warnstreiks auszuweiten. Am Freitag würden Beschäftigte bei den Branchenführer Thyssen-Krupp und Salzgitter die Arbeit niederlegen.

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Der Arbeitgeberverband Stahl hat seinen Vorschlag an eine Mindestlaufzeit von 16 Monaten gebunden. "Wir lehnen eine generelle Arbeitszeitverkürzung für alle Beschäftigten über 50 Jahre ab", wies Verhandlungsführer Helmut Koch zudem eine zentrale Forderung der Gewerkschaft zurück. Eine solche Regelung sei viel zu teuer. Die Arbeitgeber seien aber bereit, über eine "Weiterentwicklung des Tarifvertrages zur Gestaltung des demographischen Wandels" zu verhandeln.

"Das Angebot ist in der Höhe zu wenig, in der Laufzeit zu lang und ist in Gänze abzulehnen", sagte IG Metall-Bezirksleiter Burkhard. Die Gewerkschaft hoffe, dass sich die Arbeitgeber in der für kommenden Dienstag geplanten vierten Verhandlungsrunde deutlich bewegten. Die IG Metall will dann eine Entscheidung herbeizwingen. Sollte dann kein Angebot vorliegen, dem die Gewerkschaft zustimmen könne, werde sie die Urabstimmung über Streiks einleiten. "Es wird mit uns kein Verhandlungsmarathon geben", betonte ein IG Metall-Sprecher.

Rekordgewinne der Unternehmen

Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn und Gehalt für die rund 85.000 Beschäftigten im Nordwesten. Sie verlangt zudem für Arbeitnehmer über 50 Jahre eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um monatlich 100 Euro. Die IG Metall begründet ihre Forderungen mit den seit Jahren florierenden Geschäften der Stahlindustrie mit ihren führenden Konzernen ThyssenKrupp und Salzgitter. Im vergangenen Jahr hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf Lohnerhöhungen von 3,8 Prozent sowie Einmalzahlungen bei einer Laufzeit von 13 Monaten verständigt.

Die Gewerkschaft hatte unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht am 31. Januar ihren Forderungen mit Warnstreiks Nachdruck verliehen. In zahlreichen Werken in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen legten nach Gewerkschaftsangaben in den vergangenen Tagen zeitweise 10.000 Beschäftigte ihre Arbeit nieder.