Tarifkonflikt Fluglotsen "Streiks sind damit abgewendet"
Anzeige
Einen Streik der Fluglotsen gibt es vorerst nicht. Nachdem die Gewerkschaft erstmals konkrete Streiks in Köln/Bonn angedroht hat, leitet die Arbeitgeberseite umgehend eine Schlichtung ein. Während der Schlichtung gilt eine zweiwöchige Friedenpflicht.
Ein Sprecher der Arbeitgeber - der Deutschen Flugsicherung (DFS) sagte am Montag: "Streiks sind damit abgewendet". Die Arbeitgeber werfen der Gewerkschaft vor, "mit allerlei Verdrehungen und falschen Vorwürfen das Klima nachhaltig vergiftet" zu haben.
Fluglotse bei der Arbeit am Flughafen München
(Foto: Foto: dpa)Im Gespräch als Schlichterin ist die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD). Sie soll aus Sicht des Unternehmens wieder mehr Sachlichkeit in die Verhandlungen bringen.
In der Nacht zum Montag hatte die Gewerkschaft mitgeteilt, ohne eine Schlichtung werde der Betrieb auf dem Flughafen Köln/Bonn am Dienstag für 24 Stunden lahm gelegt. Man sehe sich zu dieser Ankündigung gezwungen, da der Arbeitgeber die Schlichtung bislang nicht formal eingeleitet habe.
Die Fluglotsen in Deutschland sind verpflichtet, Arbeitskämpfe 24 Stunden vorab anzukündigen. Fluglotsenstreiks können hunderttausende Passagiere treffen und bei den Airlines zu Millionenschäden führen.
Anzeige
Das Schichtungsverfahren könne sich laut DFS über etliche Wochen hinziehen. Die Schiedsvereinbarung sehe lediglich vor, dass innerhalb einer Woche ein erster Verhandlungstermin benannt werde und dass die Schlichterin zwei Wochen nach dem ersten Treffen einen Termin zur Verkündung des Schlichtungsspruchs nennt. Wird der Spruch von einer Seite abgelehnt, sind Streiks wieder möglich.
Die Tarifverhandlungen für die 5300 Beschäftigten der Flugsicherung - darunter 1800 Lotsen - sind bereits seit November festgefahren. Streitpunkt ist die Auseinandersetzung über ein neues Vergütungssystem. Die Gewerkschaft will unter anderem die Gehälter im Falle einer Privatisierung der DFS sichern.
Noch vor Beginn der Schlichtung will der Arbeitgeber nun einen Vorschlag dazu vorlegen. Bei der Frage der prozentualen Gehaltssteigerung sind beide Seiten nicht weit voneinander entfernt: Der Arbeitgeber bietet drei Prozent mehr Geld, die Gewerkschaft fordert vier Prozent. Daneben ist aber auch noch die Höhe einer Einmalzahlung strittig.
Der formale Schritt der Anrufung der Schlichtung soll Montagmorgen erfolgen. Zuvor hatte es geheißen, der Schritt sei bereits gegen Mitternacht vollzogen worden. (dpa)