Tank & Rast Die Rastplätze und die Heuschrecken

  • Seit die Autobahn-Raststätten des Unternehmens Tank & Rast privatisiert wurden, werden sie von einem Finanzinvestor zum nächsten gereicht.
  • Die Privatunternehmer hinterlassen Schulden, das drückt auf die Löhne.
  • Tank & Rast rettet nur, dass die Autohöfe keine Konkurrenten haben.
Von Karl-Heinz Büschemann

Der Hamburger-Brater McDonald's kann es kaum erwarten, endlich den Konkurrenten Burger King auf der Autobahn einzuholen. Stolz meldet die Deutschland-Tochter des US-Konzerns, sie werde demnächst an ungefähr 100 Autobahnraststätten zwischen Rostock und Rosenheim vertreten sein. Heute ist McDonald's dort nur zwölfmal vertreten, und der Konkurrent Burger King ist der Marktführer am Fernstraßenrand. Noch. "Die Autobahnraststätten sind ein hochattraktives Geschäft", sagt ein McDonalds-Sprecher zum bislang größten Expansionsprogramm des Unternehmens in Deutschland.

Gerade zeigt es sich wieder im sommerlichen Reiseverkehr. Die Fahrzeugschlangen vor den Tanksäulen an den Autobahnen sind lang, die Parkplätze besetzt, die Restaurants gut besucht. Das Geschäft scheint zu brummen, und trotzdem ist das Unternehmen Tank & Rast (T & R), das an den deutschen Autobahnen die meisten Tank- und Raststätten betreibt, ein Krisenfall. T & R ist überschuldet. Es ist eine Unternehmensgeschichte, wie sie merkwürdiger kaum sein kann. Ein Fast-Monopol, das eine Goldgrube sein könnte und dennoch am Rande des Abgrunds steht.

Teurer Stopp: An der Autobahn - hier der A1 - kosten Benzin und Kaffee mehr als abseits der Rennstrecken.

(Foto: Hans Blossey/imago)

Seit der Privatisierung 1998 kommt das ehemalige Staatsunternehmen nicht zur Ruhe. Immer wieder wurde die Firma, die 390 Raststätten, 350 Tankstellen und 50 Hotels an Autobahnen betreibt, weitergereicht, von einem Finanzinvestor zum nächsten. So auch jetzt: Der Allianz-Konzern wird über seine Finanztochter Allianz Capital Partners (ACP) demnächst die Hälfte der Raststättenkette übernehmen, die anderen 50 Prozent gehen an drei weitere Investmentfirmen. In Finanzkreisen wird ein Kaufpreis von 3,5 Milliarden Euro genannt. Viel Geld für ein Unternehmen, dass bei gut 500 Millionen Euro Umsatz hohe Verluste macht.

Es zeigt aber auch, dass rund um T & R eine wilde Blasenwirtschaft entstanden ist. Und der Staat selbst hat dazu beigetragen.

Die erste "Heuschrecke" kam 2004

Der deutsche Steuerzahler hat 1998 für T & R von privaten Investoren, darunter die Allianz und die Lufthansa, rund 600 Millionen Euro bekommen. Offizieller Verkäufer war das Verkehrsministerium unter seinem damaligen Chef Franz Müntefering (SPD), der für clevere Finanzinvestoren den Begriff "Heuschrecken" prägte. Einem dieser Aggressiv-Investoren, die Unternehmen auf Pump kaufen, ihnen dann die Schulden aufhalsen und sich nach kurzer Zeit mit stattlichem Gewinn aus dem Staub machen, fiel T & R 2004 in die Hände: dem Briten Guy Hands und seiner Gesellschaft Terra Firma. Hands zahlte für die Raststättenfirma 1,1 Milliarden Euro, zum beachtlichen Teil mit Schulden. Der Kaufpreis war fast doppelt so hoch wie der Erlös, den Müntefering sechs Jahre zuvor erzielt hatte. Guy Hands ließ sich noch eine üppige Dividende mithilfe von Krediten bezahlen, die T & R zu tragen hatte, und nach zwei Jahren hatte der clevere Brite sein investiertes eigenes Kapital von 300 Millionen wieder zurück.

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Im Jahr 2007 verkaufte Guy Hands die Hälfte seiner Beteiligung an eine Finanz-Gruppe um die Deutsche Bank. Da wurde die Firma schon mit über zwei Milliarden Euro bewertet, und noch vor dem Jahresende 2015 werden die Allianz und Konsorten Guy Hands das Dreifache von dem zahlen, was er selbst für T & R berappt hat. Es wird das Sechsfache dessen sein, was der Staat vor 17 Jahren für T & R bekommen hatte; eine üppige Wertsteigerung für ein Unternehmen, das von Schulden in Höhe von über zwei Milliarden erdrückt wird.

Der letzte komplette Jahresabschluss, den der verschwiegene Bonner Raststättenbetreiber veröffentlichen musste, ist der von 2013. Er weist bei 481 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 116 Millionen Euro aus. Die Zinsen sind fast so hoch wie die Hälfte des Umsatzes und machen jeden Gewinn unmöglich. Eigenkapital? Nicht vorhanden. Dafür hohe Schulden. Eine Horrorbilanz. Fragen der Süddeutschen Zeitung nach den Verlusten von 2014 beantwortete T & R nicht. Überschuldung ist oft der Grund für eine Insolvenz.