Tagebau Stiftung will Vattenfall-Braunkohle kaufen

Der Tagebau, hier Welzow Süd, prägt Landschaft und Bewohner: Die Braunkohle-Förderung sichert die meisten Arbeitsplätze in der Lausitz.

(Foto: Krisztian Bocsi/Reuters)

Monatelang hatte der Energiebetreiber versucht, die Anlagen loszuwerden. Jetzt gibt es endlich ein Angebot - aber die Stadtwerke im Ruhrgebiet sind nicht begeistert.

Von Michael Bauchmüller und Varinia Bernau

Neue Wege beschreiten in der Wirtschaft viele erst, wenn es gar nicht mehr anders geht. Nun womöglich in der Lausitz. Dort liegt Deutschlands zweitgrößtes Braunkohlegebiet. Seit Monaten sucht dessen Betreiber Vattenfall dafür einen neuen Eigentümer, der schwedische Staatskonzern hatte zuletzt kaum noch Freude daran. Weil es europaweit eher zu viel als zu wenig Strom gibt, lässt sich mit Kraftwerken derzeit nicht viel verdienen.

Nun aber zeichnet sich ein Plan ab, der nicht nur Vattenfall in der Lausitz helfen, sondern als Blaupause für das ganze Land dienen könnte: Nicht ein Unternehmen allein, sondern eine Stiftung soll die Braunkohle schultern, samt ihren Spätfolgen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will der Essener Konzern Steag an diesem Mittwoch Vattenfall einen entsprechenden Vorschlag machen.

Schmutzige Braunkohle passt nicht zu grünem Image

Der schwedische Konzern steht unter Druck: Die schmutzige Braunkohle passt nicht zum grünen Image der Regierung in Stockholm. Obendrein rückt seit der Klimakonferenz in Paris das Ende der Braunkohle näher, auch in Deutschland. Ist es aber mit den Tagebauen vorbei, bleiben nur noch Kosten übrig, etwa für die Rekultivierung der Riesenlöcher. Diese könnte Vattenfall nun mit einem Schlag los werden - allerdings zu einem hohen Preis.

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Steag, so verlautet aus unternehmensnahen Kreisen, will sich in der Lausitz mit dem australischen Finanzinvestor Macquarie zusammentun, der 2012 schon das Eon-Gasnetz übernommen hat. Er soll das Startkapital für eine Stiftung geben, die das Vermögen in der Lausitz verwaltet - inklusive der späteren Rekultivierung der Tagebaue. Die Steag, Deutschlands fünftgrößter Stromversorger, will sich um die Kraftwerke kümmern. Auch die Vermarktung des Stroms könnte der Essener Konzern übernehmen, über einen eigenen Handelsraum am Unternehmenssitz. Spätestens 2022, wenn der letzte Atommeiler in Deutschland vom Netz geht und damit wieder weniger Strom eingespeist wird, werden auch die Preise im Großhandel wieder steigen, gibt sich ein Insider gewiss.

Die Gewinne, die sich in der Lausitz noch machen lassen, bis sich die Bundesregierung zum Ausstieg aus der Braunkohle durchgerungen hat, sollen in die Stiftung fließen. Sie soll mit dem Geld gezielt Projekte rund um erneuerbare Energie fördern. Und zwar in der Lausitz. So sollen die Milliarden für die spätere Abwicklung der Braunkohle erwirtschaftet werden, ohne die Jobs in der Region zu vernichten.

Braunkohle-Abstoßung könnte Vattenfall etwa zwei Milliarden Euro kosten

Was sich in der Lausitz bewährt, könnte später wohl auch auf das größte deutsche Braunkohlegebiet, das Rheinische Revier, ausgeweitet werden. Für die dortigen Tagebaue des größten Braunkohlekonzerns RWE könnte sich Steag ebenfalls als Dienstleister anbieten - und damit für Kraftwerke gleich vor der Haustür.

Um die Risiken abzufedern, verlangen Steag und Macquarie von Vattenfall dem Vernehmen nach allerdings etwa zwei Milliarden Euro. Bislang hat der schwedische Konzern 1,2 Milliarden Euro für den Rückbau und die Rekultivierung im Braunkohlegebiet zurückgestellt. Wird er sich am Ende womöglich dennoch auf die teure Idee einlassen? Viele Alternativen jedenfalls hat Vattenfall nicht. An diesem Mittwoch endet die Frist, in der Gebote eingehen können. Und auch die zwei tschechischen Energiekonzerne CEZ und EPH, die Interesse signalisiert haben, verlangen etwa eben so viel Geld, um mit der Braunkohle in der Lausitz auch deren milliardenschwere Altlast zu übernehmen, heißt es.